Herr Kienle, Caffè Latte sorgt für Schluckauf, titelte kürzlich die deutsche Branchenzeitung Horizont und stellte den Werbespot als Flop der Woche vor. Kein Start nach Mass für Emmi.
Die Kampagne läuft erst seit Kurzem. Es ist deshalb zu früh, ein abschliessendes Urteil zu bilden. Kaffee ist -- wenn auch kein Energydrink -- so doch der älteste Functional Food überhaupt. Wir wollen deshalb vermitteln, dass Caffè Latte die Laune erhöht und die Stimmung positiv beeinflusst. Diese Botschaft vermittelt der Caffè Latte-Smile schnell und unverwechselbar, der weisse Milchschaumtupf auf der Nase überzeichnet auf eine sympathische Art. Dieses Bild soll über ganz Europa untrennbar mit Caffè Latte verbunden sein.
Im TV-Spot (Abb. links) sieht der Betrachter statt einem freundlichen, lachenden Gesicht, ein "Vampirgesicht", so die Kritik.
Im TV-Spot (Abb. links) sieht der Betrachter statt einem freundlichen, lachenden Gesicht, ein "Vampirgesicht", so die Kritik.
Wie rasch muss sich die Kampagne auszahlen?
Wir möchten mit Werbung nicht in erster Linie Imagebildung betreiben, sondern vor allem den Abverkauf steigern. Uns geht es darum, eine gewisse Grundbekanntheit in den einzelnen Ländern zu erreichen -- zum einen mit Caffè Latte, zum anderen aber auch mit Emmi. Letzteres weil wir in verschiedenen Ländern diverse neue Produkte lancieren, bisher aber einen noch niedrigen Bekanntheitsgrad haben. Gerade in Ländern wie Schweden, Belgien, Frankreich, Österreich und Spanien ist es nötig, dass die Konsumenten an die Marke Emmi herangeführt werden. Die neue Kampagne ist deshalb ein erster Werbeflight, dem weitere Marketingmassnahmen folgen.
Weshalb zeigen Sie den Spot noch nicht in der Schweiz?
Das ist letztlich auch eine Frage des Budgets, denn in der Schweiz liegt unser Schwerpunkt derzeit auf dem Engagement von Tom Lüthi mit dem Caffè Latte-Racing Team. Die Brandpräsenz ist derzeit gewaltig. Offen ist, ob wir die Smiley-Kampagne in der Schweiz noch dieses Jahr starten. Zeitlich stehen wir nicht unter Druck. Wir lancieren in diesem Jahr eben auch unser neues Produkt Lacto Tab in der Schweiz -- und dies wird sicherlich auch von einer Kampagne begleitet.
Trotzdem: Auch in der Schweiz drängen Konkurrenzprodukte auf den Markt. Müsste Emmi da nicht noch präsenter sein?
Nein. Wir bewegen uns in allen Monaten über Vorjahr. Dass wir zurückzufallen könnten, müssen wir deshalb nicht befürchten. Im Heimmarkt Schweiz liegt immer noch unser absoluter Schwerpunkt, wir schalten TV-Spots, das Sendesponsoring vor allen Übertragungen der Motorradrennen. Und es gab eine Plakatkampagne für Caffè Latte mit Tom Lüthi und die Saison hat erst begonnen, das kommt noch ein Bündel an Werbemassnahmen.
Wird Emmi mit Roger Federer einen Sponsoringvertrag abschliessen?
Es ist noch kein neuer Vertrag unterzeichnet. Ich sag nur soviel, lassen sie sich überraschen. Ich gehe davon aus, dass sie nicht länger als sechs Wochen warten müssen.
Heisst das, der monatelange Verhandlungspoker geht weiter?
Die Gespräche laufen, mehr kann ich dazu nicht sagen.
Weshalb lässt Emmi -- ein Unternehmen, das stets die Schweizer Herkunft betont -- seine Werbung von Jung von Matt/Elbe entwickeln?
Jung von Matt hat ja auch eine Agentur in der Schweiz,...
... was noch nicht dagegen spricht, die Werbung in der Schweiz zu entwickeln.
Jung von Matt/Elbe hat mit gewissen Spots unsere Aufmerksamkeit erweckt. Emmi war bekannt dafür, sich werbemässig eher konservativ zu präsentieren. Unsere Idee ist nun, auch in unserer Kommunikation Schritt zu halten mit der Entwicklung im Produktebereich, d.h. den Innovation. Denn hier zeigen wir uns überaus erfolgreich. Zur Markenheimat Schweiz stehen wir aber sehr klar.
Eine Reihe von anderen Unternehmen kopiert mittlerweile Caffe Latte. Wie will sich Emmi diese Konkurrenz vom Leibe halten?
Wir sind in der Kategorie frische Kaffeegetränke klar die Pioniere in Europa. Es gibt aber grossen Nachholbedarf, deshalb werden im Markt mehrere Spieler, oder sagen wir Kopierer, Platz haben. Die Herausforderung ist es, die Leaderposition zu behalten. Wir werden aber nicht 70 Prozent Marktanteil besitzen wie am Anfang, sondern können -- bei einem grossen Kuchen -- auch mit einem Anteil von ca. 40 Prozent gut leben. Uns ist aber auch klar, dass wir bezüglich Marktentwicklung am Anfang stehen.
Wie meinen Sie das?
Wer jetzt nicht erkennt, dass er sich in der Werbung entwickeln muss, der wird wieder verschwinden. Sehr viele Kopierer haben den grossen Fehler gemacht, indem sie typisch deutsch kalkulieren: Herstellkosten plus Gewinn = Verkaufspreis. Wer nicht ans Marketing denkt, der katapultiert sich vom ersten Tag an in die Nische.
Wie dicht ist Ihnen die Konkurrenz auf den Fersen?
Bis heute gibt es keinen Kopierer, der an unsere Qualität herankommt. Bei kaltem Kaffee ist es eben wie beim vorzüglichen Wein: Entscheidend ist der erste Schluck. Wer unser Produkt schüttelt und danach den ersten Schluck mit dem frischen Schaum geniesst, der weiss, wie sehr wir in die Rezepturen investiert haben. Kaffee und Qualität gehören untrennbar zusammen. Es gibt auf der Welt keinen frischeren Espresso als bei unserem Caffè Latte.
(Interview: David Vonplon)
"persoenlich.com" stellt die Schlücklich-Kampagne vor unter http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=60246