Er hat die zündende Idee!

- In seinen Gedanken liegt die mobile Zukunft. Der gebürtige Wetziker Rolf Wyss ist ein genialer Entdecker und Tüftler. So konnte er beispielsweise den Wirkungsgrad von Dieselmotoren verbessern und zwei Rennsportwagen bauen, die bei der Fahrtüchtigkeit sogar den besten Ferrari schlagen. Jetzt forscht Rolf Wyss an einem Projekt, das er "umweltgerechte Mobilität" nennt. Über seinen Entdeckertrieb und die Trends am eben eröffneten Autosalon in Genf, spricht er mit persoenlich.com:

Rolf Wyss, heute wurde der Autosalon in Genf eröffnet. Was sagen Sie zum Auto des Jahres?

Der Opel Ampera respektiv der baugleiche Chevrolet Volt sind Hybridfahrzeuge, welche den Verbrennungsmotor nur als range extender verwenden. Es ist ein interessanter Ansatz mit Vor- und Nachteilen. Schön ist, dass ein grosser Fahrzeughersteller sich serienmässig der Herausforderung stellt, weniger Umwelt belastende Fahrzeuge zu produzieren.

Welche Trends dominieren 2012?

Gefragt sind ganz klar umweltfreundlichere Autos. Zudem wird die Informatik noch stärker ausgebaut. In Zukunft werde ich beispielsweise sicher die Standheizung in meinem Fahrzeug per iPhone von auswärts steuern können. Kalte Autos am Morgen oder nach dem Ausgang dürften also ein Auslaufmodell sein. Solche Gadgets, also Spielzeuge für Erwachsene aber auch für Kinder werden an Bedeutung gewinnen. Sie sind heute ein wichtiges Verkaufsargument.

Sie sagen, dass auch umweltfreundlichere Autos gefragt sind. Wohin geht hier der Trend?

Hybridautos sind weiter im Vormarsch. Die Autoindustrie konzentriert sich auf die Kombination aus Diesel- bzw. Benzin- und Elektroantrieb.

Sie sind selbst Autobauer und Tüftler. Setzen Sie auch auf Hybridautos?

Nein. Ich selbst halte nicht sehr viel davon. Ich finde es besser, wenn man sich für eine Antriebsvariante entscheidet und diese konsequent durchsetzt. Persönlich fahre ich im Alltag einen kleinen VW Lupo, Jahrgang 2000. Ich kaufte ihn, weil er sehr wenig Diesel braucht, rund 3.4 Liter auf 100 km. Sein Konzept ist zwölf Jahre alt. Er ist aber effizienter als all die Autos, die heute als topmodern gelten.

Sie sprechen die SUVs an?

Ja, zum Beispiel. Sie sind schwer und benötigen einen entsprechend aufwändigen Antrieb. Für mich liegt die Zukunftsmusik in kleinen und sehr leichten Autos mit wenig Gadgets. Es ist ja viel einfacher ein 800 Kilogramm schweres Auto den Hang hinauf zu schieben als ein zwei Tonnen schweres.

Was halten Sie von Elektroautos?

Bei ihnen ist die Energiespeicherfrage nicht gelöst. Die Batterien sind noch zu schwer und die Kapazität zu klein. Ihre Entsorgung ist problematisch aufgrund der Werkstoffe, aus der sie bestehen. Viele Leute vergessen zudem, dass auch Strom produziert werden muss und deshalb eine Belastung für die Umwelt darstellt. Hinzu kommt die Frage der Sicherheit. Ein Unfall mit einem Elektroauto kann zusätzlich gefährlich sein, wenn es wegen der Spannung zu Stromschlägen oder Bränden kommt. Auch die Arbeit für die Feuerwehr wird komplexer, wenn sie einen Verletzten aus einem Auto befreien muss. Schneidet sie die verklemmte Tür am falschen Ort auf, kann das verheerende Folgen haben. Ich bin sehr skeptisch.

Sie plädieren für kleine, sehr leichte Autos. Können die überhaupt sicher sein?

Auf jeden Fall. Man kann sehr leichte Autos bauen, die sehr sicher sind. Ich realisierte selbst leichte Crashstrukturen für Rennsportwagen. Sie wurden geprüft und gelten als absolut sicher – sind aber teuer.

Sie sprechen es an. Sie haben selbst zwei Autos gebaut: Den Leblanc Caroline und den Leblanc Mirabeau – zwei exklusive Rennsportwagen. Wie kam es dazu?

Mein Vater hatte schon ein Auge für schöne Autos. Er fuhr als Student einen wunderbaren Lancia, Jahrgang 1925. Diese Liebe hat er mir wohl weiter vererbt. Schon als ganz kleiner Knirps interessierte ich mich für Autos. Ich hätte immer wieder beteuert, dass ich später Autobauer werden wollte. Diesem Traum blieb ich treu. Sogar meine Ausbildung richtete ich danach aus. Ich studierte an der ETH Maschineningenieur. Wenn die Vorlesungen mich langweilten, zeichnete ich Autoskizzen. Deshalb nannten mich meine Studentenkollegen bald "Leblanc" in Anlehnung an meinen Namen "de Wyss". Als ich mir das nötige Wissen angeeignet hatte, baute ich den ersten Rennwagen – den Leblanc Caroline. 10'000 Stunden Arbeit stecken darin, verteilt auf fast sieben Jahre. Daneben arbeitete ich für Sauber und AMG Mercedes.

Wie fühlte es sich an, im selbst gebauten Traum zu fahren?

Es war gigantisch. Ich konnte es selbst fast nicht glauben, dass ein Traum nach so langer Zeit wirklich Realität wird. Für das erste wichtige Rollout mietete ich einen Flugplatz und tobte mich drei Tage lang darauf aus.

Sie waren ja auch sehr erfolgreich als Kartfahrer, gewannen internationale Rennen und haben dabei auch Fahrer geschlagen, die später in der Formel 1 fuhren. Warum verfolgten Sie diese Karriere nicht weiter?

An einem Rennen erlebte ich hautnah einen tödlichen Unfall mit. Es war schrecklich. Der Verunglückte – ein Kollege von mir – konnte nichts dafür. Er wurde von einem durch die Luft fliegenden Fahrzeug getroffen. Dieses Schlüsselerlebnis brachte mich dazu, mit dem Kartfahren sofort aufzuhören. Obwohl ich tatsächlich sehr grosses Potential hatte.

Den Rennautos blieben sie treu. Sie bauten einen zweiten, noch besseren Leblanc. Was trieb Sie an?

Ich habe einen Entdeckertrieb in mir und will immer wieder etwas Neues kreieren, das besser ist als das bereits Vorhandene. So setzte ich mir zum Ziel, mit einem weiteren Wagen den besten Ferrari in punkto Fahrleistung zu schlagen. Mein Leblanc Mirabeau ist 800 Kilo leicht und trotzdem 800 PS stark – Ziel erreicht. "Forbes" bezeichnete ihn sogar als eines der zehn wertvollsten Autos auf der Welt. Wenn man so etwas schaffen kann, ist das eine wunderbare Bestätigung. Es spornt einem an, noch mehr zu probieren.

Wie haben Sie Ihre Rennautos der Öffentlichkeit bekannt gemacht? Hatten Sie Unterstützung einer PR-Agentur?

Dank meinen Sponsoren konnte ich die beiden Leblancs an verschiedenen Events präsentieren. Dann ging alles sehr schnell. Es kamen Interviewanfragen aus der ganzen Welt.

Ursprünglich wollten Sie vier bis fünf Rennautos pro Jahr produzieren. Warum blieb es bloss bei zwei?

Ein persönlicher Schicksalsschlag stoppte meinen Enthusiasmus und meine Energie zum Autobauen. Ich setzte die Prioritäten neu und entwickelte danach zahlreiche andere Dinge, zum Beispiel ein Rennvelo für einen Olympiasieger, einen Skeleton für die Bobbahn, Rollerblades etc. Aber keine Autos mehr.

Heute haben Sie eine eigene Firma, die mechanische Teile veredelt. Doch nebenbei tüfteln sie weiter. Was erwartet uns?

Ich möchte etwas für die Zeit "Angemesseneres" erschaffen. Etwas, das den Aspekt der Umweltfreundlichkeit stärker berücksichtigt. Die Leblancs sind heute für mich ein Kunstwerk, das ich wie ein wunderschönes Bild betrachte, aber eigentlich nicht brauche. Nun schwebt mir etwas vor, das der Allgemeinheit bei der Mobilität dienen könnte. Nennen wir es mal "umweltgerechte Mobilität". Mehr kann ich noch nicht verraten.

Interview: Christine Schnyder