15.09.2011

Start-up-Serie

Erfolgreicher Concept Store Townhouse

Interview mit Mia Zeltner und Sebastiaan Vadasz.
Start-up-Serie: Erfolgreicher Concept Store Townhouse

Mia Zeltner und Sebastiaan Vadasz sind nicht nur privat ein Paar. Seit zweieinhalb Jahren führen die beiden auch den Concept Store Townhouse in Zürich gemeinsam. Die meisten Artikel der Geschenkboutique lassen sie selber herstellen. Im zweiten Teil unserer Start-up-Serie erklären die Ex-Marketingfrau von L'Oréal und der ehemalige McKinsey-Berater, warum ihr Geschäft seit der ersten Stunde ein voller Erfolg ist. Zum Interview:

Vor zweieinhalb Jahren gründeten Sie den Concept Store Townhouse. Wie läufts?

Sehr gut. Verkauften wir anfänglich vor allem bestehende Labels, die in der Schweiz noch nicht präsent waren, bieten wir nun zu einem grossen Teil Produkte unserer eigenen Marke "Townhouse" an. Heute machen sie über 50 Prozent unseres Angebots aus. Das Geschäft entwickelt sich schnell und verzeichnet einen Umsatzwachstum von 60 Prozent pro Jahr. Wir sind glücklich darüber, dass wir schon nach dem ersten Jahr schwarze Zahlen schrieben.

Was genau verkaufen Sie?

Wir sind ein Concept Store und verkaufen verschiedene Alltagsgegenstände: Accessoires, Boxershorts, Schmuck, Bücher, Parfums, Handseifen, Porzellan, Kerzen etc. Aus jeder Kategorie gibt es bei uns immer nur einen Artikel; den nach unserer Meinung besten. Zum Beispiel die Badehose von Orlebar Brown aus London. Wir wählen sehr selektiv aus und stehen für einen bestimmten Stil. Die Kunden wissen, wenn ihnen der gefällt, dann werden sie bei uns fündig.

Viele dieser Artikel lassen Sie selbst herstellen unter dem von Ihnen gegründeten Label "Townhouse". Was ist die Idee dahinter?

Alle Artikel unserer Eigenmarke "Townhouse" werden in Zürich designt und geografisch möglichst nahe produziert. Zum Beispiel unsere Boxershorts aus einem Baumwollstoff, den wir im Appenzellischen fanden. Uns ist es wichtig, authentische Produkte anzubieten, die eine Geschichte zu erzählen haben und sich von der Massenproduktion abheben. Unsere Kundschaft schätzt es zu wissen, woher unsere Produkte stammen und wie sie hergestellt wurden.

Was verkaufen Sie am besten?

Wir gründeten vor kurzem ein zweites Label - das Schmucklabel "Miaki" miaki.com. Der vergoldete Ring mit dem farbigen Mineralstein war der Bestseller in unserem Laden, weshalb wir die Entscheidung trafen, diesen unter einem neuen Label zu lancieren und auch in anderen Gechäften zu vertreiben. Nach nur drei Wochen gaben wir ihn in zehn ausgewählten Geschäften in den Verkauf.

Wie finden Sie heraus, dass ein bestimmtes Produkt in Ihrem Geschäft genau richtig liegt?

Da unser Büro in den Laden integriert ist, pflegen wir einen direkten Kundenkontakt. Dies war eine bewusste Entscheidung und liegt uns sehr am Herzen, denn so können wir die Kundenbedürfnisse optimal verstehen und dies auch in unsere Produktentwicklung einfliessen lassen.

Neben dem Laden in der Zürcher City betreiben Sie auch einen e-Shop (ilovetownhouse.com). Was läuft besser?

Momentan verkaufen wir mehr über den Ladentisch. Der e-Shop ist für uns aber eine gute Unterstützung und ermöglicht uns auch eine internationale Visibilität. Wir haben Kunden auf der ganzen Welt, sogar aus Dubai und Kasachstan.

Wer sind Ihre Kunden?

Wir haben ein breites Segment: von der jungen Studentin bis hin zum älteren Banker. Sie schätzen an unseren Produkten, dass sie speziell sind, eine Geschichte dahinter steckt und von kleinen Manufakturen stammen.

Spürten Sie mit Ihrem Ladenkonzept einen Trend auf?

Wir denken ja. Wir beobachten allgemein eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte wie sorgfältige Verarbeitung und Herkunft. Unsere Kunden suchen individuelle Stücke anstatt Massenprodukte.

Und wie wichtig ist Swissness?

Wir glauben nicht, dass Swissness per se für unsere Kundschaft ausschlaggebend ist, sondern lediglich die Sicherheit ein gutes Produkt zu erwerben. Unsere Entscheidung möglichst in der Schweiz produzieren zu wollen hängt eher damit zusammen den Produktionsprozess optimal kontrollieren zu können und die Flexibilität zu haben auch kleinere Menge zu produzieren. Leider ist das - gerade im Textilbereich - nicht immer einfach. Viele Hersteller sind längst ins Ausland abgewandert.

Wer sind Ihre Mitbewerber?

Natürlich gibt es in Zürich auch andere Concept Stores. Da wir aber eigene Produkte haben und etwas klassischer positioniert sind, sehen wir sie nicht als Konkurrenz.

Wie machen Sie auf sich aufmerksam?

Gleich zu Beginn investierten wir viel Zeit in PR- und Medienarbeit und sorgten gerade auch international dafür, dass wir sichtbar waren. So konnten wir zum Beispiel Kooperationen mit Zeitschriften wie "Monocle" eingehen. Andererseits arbeiten wir permanent mit Blogs zusammen und sind bemüht, immer wieder in den Medien präsent zu sein.

Sie sprechen es an: Nebst internationalen Medien schrieben und schreiben auch in der Schweiz viele renommierte Titel über Sie. Wie schaffen Sie das?

Unsere PR ist sehr gezielt. Bei einem neuen Produkt überlegen wir, zu welchem Titel es passt und schicken es nur den ausgewählten Journalisten. Diese Exklusivität kommt gut an.

Warum wagten Sie den Schritt in die Selbständigkeit?

Wir suchten mehr Kreativität und Design in unserem Alltag und haben uns auch Gedanken darüber gemacht, wo wir uns in 10 Jahren sehen.

Sie sind auch privat ein Paar. Ist das kein Problem?

Bis jetzt nicht. Wir konnten während dem Studium bereits an verschiedenen Projekten gemeinsam arbeiten und so das Teamwork gut testen. Von daher wussten wir, was uns erwartet und dass wir uns sehr gut ergänzen.

Und was, wenn es dicke Luft gibt?

Das ist wie in jeder anderen Firma auch: Dann muss man sich hinsetzen und es diskutieren, das gehört zum Prozess.

Welche Pläne haben Sie als nächstes?

Wir sehen Potenzial in "Miaki" und wollen die Marke weiter ausbauen. Zudem suchen wir nach weiteren Ladenlokalitäten für neue Retailkonzepte.

Persoenlich.com zeigt in einer losen Serie erfolgreiche Schweizer Start-ups. Sehen Sie dazu auch: Bericht über Kids Design Thalwil.

Interview: Christine Schnyder


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