Familiengeführte Unternehmungen beschäftigen weltweit über die Hälfte aller Arbeitnehmer, doch ihre spezifischen Bedürfnisse, Probleme und Erwartungen werden oft ignoriert. In der Vergangenheit gab es wenig Versuche herauszufinden, wie inhabergeführte Unternehmen die persönlichen Bedürfnisse in Einklang mit dem Unternehmen bringen. Aus diesen Überlegungen heraus gab das auf die ganzheitliche Beratung von familiengeführten Unternehmungen fokussierte Unternehmen Grant Thornton weltweit eine unabhängig durchgeführte Studie in Auftrag. Über 8700 Eigentümer familiengeführter Unternehmungen in 26 Ländern wurden zu ihren grössten Ängsten und Meinungen befragt.
Die grösste Sorge stellt in Familienunternehmen die Werterhaltung des Familienvermögens dar. "Mein ganzes Vermögen steckt im Unternehmen. Was passiert, wenn die Geschäfte schlechter gehen?" ist weltweit der bedeutendste Alptraum der Unternehmer. Auf Platz 2 folgt die Angst davor, was mit dem Geschäft geschieht, wenn mit dem Geschäftspartner ernsthafte Meinungsverschiedenheiten bestehen. Platz 3 belegt eine ähnliche Angst; diesmal geht es jedoch speziell um die Angst der Folgen einer allfälligen Scheidung vom Ehegatten. "Was kann ich tun, wenn meine Kinder im Unternehmen eine schwache Leistung bringen", belegt den 4. Rang. An 5. Stelle steht die Furcht vor möglichen Veränderungen, wenn sich aussenstehende Anteilseigner am Geschäft beteiligen.
Über ihre Alpträume befragt, nennen auch Schweizer Unternehmer als grösste Sorge die Erhaltung des Familienvermögens, welches ganz im Unternehmen steckt. Auf Platz 2 folgt -- anders als im weltweiten Durchschnitt -- die Sorge um die negativen Auswirkungen einer Scheidung. Diese hohe Bedeutung dürfte auf das in der Schweiz neu überarbeitete Ehe- und Erbrecht zurückzuführen sein, welches der Ehefrau eine stärkere Position zuspricht als in der Vergangenheit. Auf dem 3. Platz der Alpträume Schweizer Unternehmer liegt eine Frage, welche international nur Platz 8 belegt: "Wie sehr würde sich mein Leben verändern, wenn ich das Unternehmen vergrössern würde?"
Eine detaillierte Auswertung zeigt, dass diese Sorge in grösseren Unternehmungen auf ein bedeutungsloses Niveau sinkt. Die Umfrage enthält keine Analyse der Hintergründe dieser Abweichung. Mit grosser Wahrscheinlichkeit beschäftigen sich aber viele kleinere und mittlere Familienunternehmen in der Schweiz mit der Frage des Wachstums zwecks Existenzsicherung und Rentabilisierung des Geschäftes. Sie fürchten sich jedoch vor allfällig negativen Auswirkungen betreffend Selbstständigkeit und Finanzierung. Platz 4 belegt die Angst vor negativen Auswirkungen bei Meinungsverschiedenheiten mit dem Geschäftspartner und Platz 5 die Sorge um das Vorgehen, falls die Kinder schwache Leistungen erbringen. Hier zeigt sich wieder eine hohe Übereinstimmung mit den internationalen Ergebnissen.
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Die Ansichten und Ängste in Familienunternehmen folgen weltweit einem ähnlichen Muster. Nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung steht im Vordergrund, sondern die langfristige Existenzsicherung; einerseits durch sorgfältigen Umgang mit dem Vermögen, andererseits durch Vermeidung von Konflikten mit Geschäftspartnern und Familienmitgliedern. Bei der Besetzung von Positionen mit Familienangehörigen stehen Wille und Fähigkeiten im Vordergrund. Es besteht auch weitgehende Einigkeit darin, dass die Entlöhnung sachlichen Kriterien folgen muss.