04.02.2011

"Es ist diskriminierend, dass Aussenwerbung gegenüber anderen Medien benachteiligt wird"

Werbung wandert zunehmend ins Internet. Dies entzieht der Aussenwerbung Einnahmen. Die letzten Jahre waren turbulent, nicht nur wegen der schwierigen Wirtschaftslage. Daniel Hofer ist seit gut hundert Tagen CEO des Aussenwerbekonzerns Affichage Holding. Im Gespräch mit "persoenlich.com" spricht er unter anderem über die Schwierigkeiten im Griechenlandgeschäft und die "ungerechten Einschränkungen" bei der Alkoholwerbung. Das Interview:
"Es ist diskriminierend, dass Aussenwerbung gegenüber anderen Medien benachteiligt wird"

Herr Hofer, Sie sind nun seit gut hundert Tagen CEO der Affichage Holding. Was waren Ihre ersten wichtigen Amtshandlungen?

Nebst der operativen Führung des Unternehmens galt es in erster Priorität eine sorgfältige Analyse der Ist-Situation vorzunehmen und daraus sowohl kurzfristig zu treffende Massnahmen als auch Entscheidungsgrundlagen für die Festlegung der künftigen Strategie abzuleiten. Wir sind laufend daran, entsprechende Optimierungen umzusetzen. In organisatorischer und personeller Hinsicht ist beispielsweise die Vereinfachung und Erneuerung der Führungsstrukturen zu erwähnen. Im Ausland wurden alle Märkte analysiert und Handlungsoptionen evaluiert. In Griechenland sind wir daran, ein konsequentes downsizing durchzusetzen. Nach den ersten 100 Tagen darf ich zudem feststellen, dass Affichage Holding ein Unternehmen mit tollen Mitarbeitenden, einem beeindruckenden Leistungsangebot und vielen spannenden Perspektiven ist. Die Aufgabe macht Freude.

Zuvor waren Sie bei der "NZZ" und der Publigroupe tätig. Was sind die grössten Unterschiede zu Ihrer jetzigen Tätigkeit?

Affichage Holding, Publigroupe und NZZ Mediengruppe sind prägende Unternehmen in der Schweizer Medien- und Vermarktungslandschaft. Alle drei haben ihre spezifischen Unternehmenskulturen und ihre eigenen Stärken. Es ist ein Privileg, in führenden Medienunternehmen spannende Aufgaben wahrnehmen zu können. Bei Publigroupe standen für mich dabei die internationalen Aktivitäten im Vordergrund, bei der NZZ Mediengruppe war dies die Vermarktung von herausragenden publizistischen Produkten im Schweizer Markt.

Per Anfang Jahr wurde die Führungsstruktur des Unternehmens verändert. Wie sieht diese aus und was für Ziele werden damit verfolgt?

Die Konzernleitung der Affichage Holding und die Geschäftsleitung der APG wird seit Jahresbeginn in Personalunion wahrgenommen. Wir haben beide Gremien fusioniert und die Aufgabenbereiche der Unternehmensleitung neu definiert. Bewährte, langjährige Direktionsmitglieder wurden durch neue, von Aussen kommende Kollegen ergänzt. Die schlanke Führungsstruktur ermöglicht uns, im Markt deutlich effizienter und zielorientierter zu agieren. Ich freue mich sehr, die künftigen Herausforderungen mit einem kompetenten und tatkräftigen Führungsteam anpacken zu können.

Wie geht es dem Unternehmen - nach zwei unruhigen Jahren - heute?

Wir werden die Resultate für das Jahr 2010 und den Ausblick auf 2011 Anfang März anlässlich unserer Bilanzmedienkonferenz kommunizieren.

Wie wichtig ist das Ausland-Geschäft für die Affichage?

Der Verwaltungsrat und die Unternehmensleitung sind derzeit intensiv an der Überprüfung der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. Insbesondere natürlich bezüglich der vor ein paar Jahren initiierten Auslandaktivitäten. Kernmarkt aber ist und bleibt auf jeden Fall die Schweiz. Wir sind stolz darauf, in jeder Beziehung das führende out-of-home Unternehmen der Schweiz zu sein und werden die seit über einem Jahrhundert andauernde Erfolgsgeschichte mit neuen Konzepten, innovativen Angeboten und attraktiven Mehrwerten für Werbeauftraggeber und Agenturen weiterentwickeln.

Wo steht man mit dem Griechenland-Geschäft, das sich als riesige Problemquelle entpuppte?

Wir sind im Rahmen der Überprüfung unserer Auslandstrategie auch in Griechenland daran, alle möglichen Optionen zu evaluieren. Parallel dazu haben wir in den letzten Monaten unsere operativen Strukturen vor Ort konsequent reduziert und an die derzeitigen Rahmenbedingungen angepasst.

Plakatsubmissionen in den Städten gaben in Vergangenheit immer wieder zu reden. Wie ist die Lage heute? Ist es ein fairer Wettbewerb?

Natürlich ist es bedauerlich, wenn es in der Vergangenheit vereinzelt zu juristischen Auseinandersetzungen gekommen ist. Dies ist für alle beteiligten Parteien ein in mancher Hinsicht unbefriedigender und letztlich unnötiger Vorgang. Entscheidend ist, dass die out-of-home Unternehmen den Städten und Gemeinden gesamtheitliche Lösungen anbieten können. Beispielsweise für ästhetisch und funktional überzeugendes Städtemobiliar oder für Plakatierungskonzepte welche den Bedürfnissen der Bevölkerung wie auch denjenigen der lokalen und nationalen Werbeauftraggebern bestmöglich entsprechen. Gerade auch als Steuerzahler bin ich sehr daran interessiert, dass die Städte und Gemeinden von unseren Angeboten profitieren können. Entlasten wir doch die öffentliche Hand sowohl durch die finanziellen Erträge welche sie durch eine langfristige Zusammenarbeit mit unseren Unternehmen erzielen als auch durch unsere zuverlässigen Leistungen in allen Bereichen der Konzeption, Implementierung und Bewirtschaftung von Plakatflächen im öffentlichen Raum.

Die Affichage besitzt in der Schweiz zusammen mit Clear Channel sozusagen ein Duopol. Ist dies aus Ihrer Sicht hinderlich oder förderlich?

In der Schweiz herrscht ein durchwegs intensiver Wettbewerb sowohl zwischen den einzelnen Mediengattungen als auch innerhalb einzelner Segmente. Globale Player wie Google sind genauso im Wettbewerb um die Schweizer Werbegelder wie unsere verschiedenen Mitbewerber im out-of-home Sektor oder die hiesigen Anbieter und Vermarkter von Print, Radio, TV und Internet. Mit Clear Channel verbinden uns gemeinsame Bekenntnisse zu einem transparenten, leistungsfähigen und kosteneffizienten Aussenwerbemarkt - und gleichzeitig sind wir harte Konkurrenten im täglichen Wettbewerb. Dies gilt übrigens auch für die kleineren aber durchaus aktiven und kompetenten Mitbewerber in unserer Branche.

Was können Sie zur aktuellen Marktsituation der Plakatwerbung sagen. Spüren Sie den Trend hin zu mehr Online-Werbung?

Der Out-of-Home Markt befindet sich in einer ausgezeichneten Ausgangslage für die kommenden Jahre. Kein anderes Medium ermöglicht dem Werbeauftraggeber und den Agenturen eine kosteneffizientere und leistungsfähigere Umsetzung von anspruchsvollen Branding- und Saleskampagnen. Der Return-on-Invesment einer out-of-home Kampagne rangiert nachweislich an der Spitze. Und mit der kontinuierlich zunehmenden Mobilität der Bevölkerung nimmt die Bedeutung der Aussenwerbung weiter zu. Ob in digitaler oder klassischer Form, Out-of-Home Werbung wird auch in Zukunft das Fundament einer jeden erfolgreichen, reichweitenstarken Kampagne bilden.

Bei der Alkoholwerbung ist das Plakat gegenüber dem TV benachteiligt. Wehrt man sich nicht?

In der Tat ist es unverständlich und diskriminierend wenn die Aussenwerbung gegenüber anderen Medien ohne jegliche Grundlage benachteiligt wird. Es kann doch nicht sein, dass ein einzelnes Medium durch regulatorische Einschränkungen im freien Wettbewerb unzulässig in seiner Gewerbefreiheit eingeschränkt wird. Auch in meiner Funktion als Präsident des AWS und damit als Vertreter der Aussenwerbebranche finde ich dies stossend und nicht akzeptabel. Im Weiteren bin ich klar der Auffassung, dass regulatorische Eingriffe grundsätzlich nur mit grösster Zurückhaltung vorzunehmen sind. Es ist nicht nachvollziehbar, dass ein Produkt zwar hergestellt und distribuiert, aber nicht beworben werden darf. Entweder ist es ein legales Produkt und man überlässt es den Herstellern welche Medien sie für die Markenführung einsetzt - oder man verbietet das Produkt.

Ein neues Jahr ist angebrochen. Was möchten Sie Ende 2011 unbedingt erreicht haben?

Unseren Marktpartnern, Mitarbeitenden und Aktionären die Gewissheit zu geben, dass unser Unternehmen wieder auf Kurs ist und für alle Stakeholder attraktive Mehrwerte generieren kann. Damit verbunden sind eine klare Ausrichtung des Unternehmens und die Stabilisierung der Situation in unseren Auslandaktivitäten.

Interview: Corinne Bauer


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