"Es laufen konstruktive Gespräche mit Axel Springer und den AZ Medien"

- Vor vier Monaten ist das gemeinsame Online-Werbenetzwerk PPN der Medienhäuser NZZ, Ringier und Tamedia gestartet. Seither wächst das "Premium Publisher Network" rasant. Bald stossen weitere wichtige Sites dazu, wie die Geschäftsführer Marco Billeter und Tony Hrnek im Gespräch mit "persoenlich.com" verraten. Weiter sprechen Sie über den Schweizer Online-Markt und schätzen ein, ob sich Real Time Bidding auch ohne die grossen Verlage durchsetzen kann. Das Interview:

Marco Billeter und Tony Hrnek, Sie führen mit der PPN Schweiz ein Online-Werbenetzwerk der grössten drei Schweizer Medienhäuser. Welche Erfahrung haben Sie in den ersten Monaten gemacht?

Marco Billeter: Wir sind stolz, dass wir in Partnerschaft mit der NZZ-Mediengruppe, Ringier und Tamedia PPN vorbereiten und im März schliesslich am Markt lancieren konnten. Die ersten 100 Tage waren sehr intensiv und wegweisend. Dank unserer schlanken Struktur sind wir flexibel und schnell unterwegs. Wir konnten bereits über 150 Kunden für PPN gewinnen. Auch die Zusammenarbeit mit den Medienhäusern hat sich eingespielt. Wir fühlen uns gut unterstützt und stimmen uns eng mit den Verkaufsabteilungen ab – und natürlich innerhalb des Verwaltungsrats.

PPN Schweiz ist eine Tochterfirma der Cxense SA. Die NZZ-Mediengruppe, Ringier und Tamedia sind mit je einem Verwaltungsratssitz in der PPN Schweiz vertreten und haben die Möglichkeit, das Unternehmen bis 2013 gemeinsam zu übernehmen. Wie ist der Stand heute?

Marco Billeter: Der Stand der Medienhäuser ist unverändert; bis Ende 2013 haben sie die Möglichkeit die PPN Schweiz zu übernehmen. Aufgrund der aktuellen Entwicklung sind wir sehr zuversichtlich, dass es das Premium Publisher Network auch nach 2013 auf dem Schweizer Markt geben wird.

Wie hat der Markt auf die PPN-Lancierung reagiert?

Marco Billeter: Auf dem Werbemarkt ist die Resonanz gross! Wir wurden in den ersten Monaten regelrecht überrannt und hatten von Anfang an so viele Anfragen, dass wir nur mit sehr hohem Einsatz alle Aufträge termingerecht abwickeln konnten. Nun müssen wir weiter personell wachsen. Aktuell bauen wir die Ressourcen im Kampagnenmanagement und im Verkauf aus. Besonders freut uns, dass wir im Bereich der performance-basierten Text/Bild-Anzeigen seit dem zweiten Monat maximale Auslastung haben. Die Nachfrage übersteigt also das verfügbare Angebot.

PPN sollte insbesondere ein Performance- und Targeting-Netzwerk schaffen. Wie entwickeln sich diese Bereiche?

Tony Hrnek: Im Targeting-Geschäft wachsen wir ebenfalls schnell – dies ist die Perle des PPN-Angebots. Hier stehen wir im Wettbewerb mit Anbietern, die Werbeplätze auf Nischen-Websites oder ausländischen Sites zu sehr günstigen Preisen einkaufen und mit hohen Margen den Werbekunden weiterverkaufen. Wir stellen fest, dass wir mit dem PPN den Kunden die gewünschte Sicherheit und Transparenz in diesem Bereich geben. Zudem scheint unsere Technologie zu halten, was sie verspricht. Die Feedbacks dazu aus dem Markt sind erfreulich.

Wie unterscheiden sich eigentlich die PPN-Produkte von den Angeboten, die man direkt bei den drei Verlagen buchen kann?

Tony Hrnek: Wir bieten den Kunden und Agenturen Performance- und Targeting-Produkte an – dies über alle Websites im gesamten Netzwerk. Möchte man dagegen eine Single-Site-Platzierung buchen, also ein bestimmtes Umfeld wie beispielsweise die Startseite von 20 Minuten Online, so kann man dies ausschliesslich bei der entsprechenden Site machen.

Nun gibt es im Targeting-Bereich weitere Player im Schweizer Markt, zum Beispiel das Netzwerk von Adwebster oder Serranetga. Wie unterscheidet sich das Premium Publisher Network von der Konkurrenz?

Tony Hrnek: PPN hebt sich neben der Targeting-Technologie insbesondere durch das Netzwerk klar von den Mitbewerbern ab. Das Netzwerk von PPN umfasst nur Schweizer Premium-Websites etablierter Marken wie beispielsweise 20 Minuten Online, Tagesanzeiger.ch, Blick.ch, NZZ.ch, 24heures oder Ticino Online. Bei uns finden Sie keine unbekannten Medienmarken. Die Kunden sind im Übrigen bereit, für diese Qualitätsplatzierungen mehr zu zahlen als bei anderen Low-TKP-Angeboten. Übrigens: Serranetga bucht das PPN regelmässig und wir arbeiten gut mit ihnen zusammen.

Aber der Preis ist bei diesen Netzwerk-Angeboten ja schon ein sehr wichtiger Faktor. Spüren Sie da einen Druck von den Kunden?

Tony Hrnek: Wir beobachten den Markt genau und stellen tatsächlich fest, dass der Preisdruck hoch ist und stetig zunimmt – dies jedoch insgesamt in der Onlinewerbung. Dabei ist der Markt für Netzwerk-Werbung sehr dynamisch und wird von globalen Anbietern dominiert, die mit sehr tiefen Preisen auf dem Schweizer Markt agieren. Die Kunden sind aber bereit, für das sichere und exklusive Umfeld von PPN mehr zu zahlen als für andere Netzwerke. Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Targeting-Kampagnen nicht teurer sein dürfen als Single-Site Buchungen.

Stichwort Exklusivität: Arbeiten denn die Websites der Medienhäuser NZZ, Ringier und Tamedia noch mit weiteren Netzwerk-Partner zusammen?

Marco Billeter: Es ist sehr erfreulich, dass ab sofort sowohl die Blick-Gruppe als auch Tamedia mit all ihren Websites voll und ganz auf PPN setzen. Damit werden wir in den nächsten Monaten nochmals deutliche Wachstumsschritte erreichen. Bei der NZZ ist die Situation etwas anders, weil die NZZ-Mediengruppe ja auch Aktionärin bei Adwebster ist.

Wird PPN das Angebot – beispielsweise mit weiteren Websites - erweitern?

Marco Billeter: Wir haben zahlreiche Anfragen von Websites bekommen, die gerne bei PPN ihr Restplatz-Inventar vermarkten lassen möchten. Konkret gibt es nun sehr konstruktive Gespräche mit Axel Springer Schweiz sowie mit den AZ Medien. Wir sind daher sehr zuversichtlich, dass bald weitere Premium-Medienbrands Teil des Netzwerkes sein werden.

Im Zusammenhang mit dem Targeting-Business und Online-Netzwerken hört man in letzter Zeit immer häufiger das Stichwort "Real Time Bidding“. Ist dies kein Thema für PPN?

Marco Billeter: Zurzeit ist PPN im Real Time Bidding nicht aktiv. Wir beobachten aber die Markttrends sehr genau und wir wären sogar technisch bereits in der Lage, diesen Schritt zu tun. User-Daten sind ein hohes Gut, die Medienhäuser gehen sehr sensibel damit um. Darum möchten wir unser Inventar nicht über Drittpartner vermarkten. Im Vordergrund steht, dass wir die Produkte der PPN Schweiz nun direkt am Markt einführen und verkaufen. RTB in sich definiert alles über den Preis. Wir finden, dass ein Angebot über die Produkte, die Distribution und die Qualität definiert werden sollte.

Sie haben nun einige Verlage exklusiv für PPN verpflichtet. Kann Real Time Bidding überhaupt funktionieren, ohne dass Publisher an Bord sind?

Tony Hrnek: In der Crossboarder-Vermarktung existiert RTB bereits seit einiger Zeit, primär getrieben durch die globalen Player. Ob sich auch die Premium Publisher strategisch auf das RTB einlassen (müssen), wird die Zukunft zeigen. Wenn man heute im RTB bucht, muss man wissen, dass keine Schweizer Premium-Webseiten im Portfolio sind.

Interview: Corinne Bauer