Ex-Geschäftsführer von Österreich verurteilt

Nespresso - 2,7 Millionen Euro abgezweigt.

Der langjährige Geschäftsführer von Nespresso Österreich ist am Dienstag im Wiener Straflandesgericht wegen Untreue zu vier Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Er hatte zugegeben, zwischen 2004 und 2008 insgesamt 2,7 Mio. Euro für private Zwecke abgezweigt zu haben. Das Urteil, mit welchem dem Angeklagten auch die Schadensgutmachung aufgetragen wurde, ist allerdings nicht rechtskräftig und kann an eine höhere Instanz weitergezogen werden. Er hatte im Laufe der Gerichtsverhandlung von "ungerechtfertigt verdientem Geld" gesprochen, das er sich deshalb zugeeignet habe, "weil ich wusste, dass man in vergleichbaren Branchen in vergleichbaren Positionen doch ein wenig mehr verdient."

Der Mann, der bei Nespresso als kleiner Vertreter begonnen und sich zum erfolgreichen Österreich-Chef emporgearbeitet hatte, stand eines Tages vor einem "Luxus-Problem": Die Umsätze explodierten derart, dass sie mit den Budget- Richtlinien des Nestlé-Konzerns nicht mehr in Einklang zu bringen waren. Aus steuerlichen Gründen sei es Nestle-Töchtern wie Nespresso "verboten" gewesen, jährlich mehr als fünf Prozent Gewinn auszuweisen. Daher habe ihm ein Vorgesetzter empfohlen, das überschüssige Geld zu parken: "Es hat keiner mehr gewusst, wohin mit der Kohle. Wir haben zum Beispiel so viel Fernseh-Werbung bezahlt, dass der ORF das alles gar nicht mehr senden konnte."

Schliesslich sei ihm eine Idee gekommen, "wie ich die Problematik selbst richten und das Geld hin- und herjonglieren kann": Unter dem Namen seiner Ehefrau, einer ehemaligen Nespresso-Angestellten, gründete er zum Schein eine PR-Agentur, über die unter Zwischenschaltung einer weiteren Firma am Papier Geschäfte mit dem Kaffee-Portionierer abgewickelt wurden.

Schein-PR

Die vorgeblichen Event-Veranstaltungen, Vorführungen, Promotoren-Schulungen und Gewinnspiele fanden grossteils gar nicht statt. In jedem Fall versah der Manager seinem Geständnis zufolge die Rechnungen mit ungerechtfertigten Aufschlägen und schanzte der Firma seiner Frau, die erst 2007 von den Manipulationen erfahren haben will und nun mit ihm die Anklagebank zu teilen hat, generöse Erfolgsprovisionen zu. "Mein Fehler war, dass ich gemerkt habe, wie einfach es ist, etwas für mich dazuzuschlagen. Das habe ich gemacht. Dazu muss ich heute stehen. Ich habe etwas draufgeschlagen und selbst eingesteckt. Meine Frau war so freundlich, das, was ich gemacht habe, zu decken", erläuterte der Angeklagte.

Die Richterin wunderte sich, weshalb der Angeklagte bei einem Monatsgehalt von 7500 Euro netto "den Hals nicht voll kriegen konnte", wie sie sich ausdrückte. Geschäftsführer von grossen Elektronik-Ketten hätten teilweise das Doppelte oder gar Dreifache verdient, erwiderte dieser. Da habe er einen "Grant" bekommen, gestand der Angeklagte. Immerhin habe sein Mandant "teilweise 24 Stunden gearbeitet", zeigte der Verteidiger dafür Verständnis. "Die Verlockung war einfach zu gross. Irgendwann hab' ich halt das Mass und Ziel verloren", bilanzierte der Ex-Nespresso-Chef, dessen Machenschaften im Frühjahr 2008 im Zuge einer Revision aufgeflogen waren.

Die erbeuteten 2,7 Mio. Euro seien zur Gänze verbraucht worden, behauptete er. "Es wurde alles ausgegeben. Wir haben durchaus gelebt", verwies er auf kostspielige Reisen nach Südafrika und Kenia, seine Vorliebe für Oldtimer, aufwendige Geschenke an Geschäftspartner und das eine oder andere teuer erstandene Pferd. Ein Gestüt besitze er aber nicht, korrigierte er eine entsprechende Angabe der Richterin: "Das ist nur ein Bauernhof mit ein paar Pferden drauf." Die Verhandlung gegen die Ehefrau wird am Mittwoch fortgesetzt. (sda)