Fälschungen im Wert von 800 Mio. Franken

Schweizer Uhren - Zürich-Kloten Haupteingangstor.

Wegen Fälschungen erleidet die Uhrenindustrie in der Schweiz jährlich einen Verlust von ungefähr 800 Mio. Franken. Der Dachverband der Branche geht davon aus, dass "das Ausmass der Fälschungen weiterhin beunruhigend hoch bleibt".

Drehscheibe Benelux

Die Fälscherfabriken seien in den letzten Jahren die gleichen geblieben, schreibt der Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie (FH) in seinem am Freitag publizierten Jahresbericht. Sie befinden sich in erster Linie in Südostasien, vor allem in China, und im Mittelmeerraum, insbesondere in der Türkei, aber auch in Italien und Spanien. Das Distributionsnetzwerk habe sich hingegen ausgeweitet, schreibt der FH weiter. Die traditionellen Drehscheiben befinden sich in den Benelux-Staaten. Aber auch in Zentral- und Osteuropa sowie in Grossbritannien und den USA.

Der Fälschungsservice der FH prüfte im vergangenen Jahr 1187 Muster aus 31 Ländern. Unter diesen Uhren gab es insgesamt Fälschungen von 60 verschiedenen Marken. Die Zahl der gefälschten Marken, insbesondere der berühmten Schweizer Marken, werde sich kaum verkleinern, sagen die Experten. Von einigen Uhrenherstellern seien sogar mehr Fälschungen im Umlauf als Originalprodukte. Ausserdem stellte der FH eine starke Zunahme derjenigen Uhren fest, die zwar original sind, aber einen falschen Herstellungsort angeben (etwa Schweiz oder Genf).

8 Prozent des Umsatzes

Verkauft werden die kopierten Uhren nicht nur in asiatischen oder südeuropäischen Ländern. Statistisch gesehen werde alle fünf Tage am Schweizer Zoll ein Gepäckstück voller gefälschter Uhren beschlagnahmt, schreibt der FH. Zürich-Kloten sei das Haupteingangstor für Fälschungen -- etwa aus Luxenburg. Auf 800 Mio. Fr. wird der Verlust geschätzt, den die Branche wegen Fälschungen jedes Jahr erleidet. Das sind 8 Prozent des Umsatzes der Schweizer Uhrenexporte. Diese betrugen im vergangenen Jahr 10.18 Mrd. Franken. Das entspricht einem Rückgang um 4.4 Prozent.