Bekanntlich sind die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) das Rückgrat einer Volkswirtschaft. Dies gilt auch für die Schweiz. Fast 90 Prozent der hiesigen KMU sind Familienunternehmen. Über die Besonderheiten dieser Firmenform wurde nun eine Studie veröffentlicht. Besonders in Wahlkampfperioden verkünden Landesregierung, Verwaltung, Verbände und politischen Parteien gerne, dass sie sich für die Klein- und Mittelunternehmen (KMU) einsetzen.
Dabei sind die Bedürfnisse und Interessen der KMU viel zu verschieden, als dass sich positive oder negative Auswirkungen einzelner Gesetzesvorlagen einfach so bestimmen liessen. Deshalb wirft man in Abstimmungs- und Wahlkämpfen gern mit generellen Aussagen um sich. Auch die Medien wissen mit den zahlreichen Schweizer KMU nicht besser umzugehen. Ihre Wirtschaftsteile werden durch die Grossunternehmen dominiert, die zum einen im aktuellen Börsenlicht stehen und zudem über professionelle Pressesprecher verfügen, die keine Gelegenheit zu Medienpräsenz auslassen. Fazit: die KMU sind im Hintertreffen.
Demgegenüber werden in Europa und den USA Daten gesammelt und Statistiken erstellt, um die Bedeutung der KMU aufzuzeigen. In der Schweiz hat das Institut für Klein- und Mittelunternehmen an der Universität St. Gallen mit seiner Studie zu Familienunternehmen endlich eine Lücke geschlossen. Laut der Studie sind 88.14 Prozent aller Schweizer Betriebe mit weniger als 250 Mitarbeitenden (KMU) Familienunternehmen. Als solches gilt ein Unternehmen, wenn es durch eine oder mehrere Familien finanziert (Besitz), kontrolliert (Aufsichtsrat) oder geführt (Geschäftsleitung) wird. Im Vergleich zu den Ergebnissen aus anderen Ländern ist der Anteil der Familienunternehmen in der Schweiz übrigens bemerkenswert hoch (Deutschland 68 Prozent, Spanien 71 Prozent).
Die bis in die 1960er Jahre gegründeten Familienunternehmen sind es laut der Studie heute noch. Die während der 60er Jahre oder später gegründeten Familieunternehmen haben heute meist eine andere Firmenform. Daraus könnte man schliessen, dass die veränderte Rolle der Familie und der Unternehmen in der Gesellschaft Auswirkungen auf die Familienunternehmen hat.
Denn seit den späten 60er Jahren werden die traditionelle Familienform und deren Werte hinterfragt. Ausserdem hat sich die Rolle des Einzelnen in der Gesellschaft hin zur Rolle in der Risikogesellschaft gewandelt. Ein weiterer Grund könnten die veränderten, nämlich familienunabhängigen Finanzierungsmöglichkeiten sein. Und zu guter Letzt gewinnt ab 1960 der Beibezug von ausserfamiliärem Wissen und Fähigkeiten an Bedeutung. Interessanterweise zeigen im Jahr 2000 und später gegründete Unternehmen wieder einen Trend hin zur Familienunternehmung.
In der Schweiz gibt es keine gesetzlich vorgeschriebene Aufteilung zwischen dem Führungsorgan (Geschäftsleitung) und dem Aufsichtsorgan (Verwaltungsrat) einer Firma. Dies hat zur Folge, dass nur 40 Prozent der Familienunternehmen über einen Verwaltungsrat verfügen. Generell gilt, je grösser die Firma ist, umso eher wird sie durch einen Verwaltungsrat kontrolliert. Bei Familienunternehmen mit Verwaltungsrat gehört durchschnittlich nur eine Person nicht der Familie an.