"Finanzielle Überlegungen spielen bei jedem Jobwechsel eine Rolle"

- Mit seinem Wechsel vom Branchenleader OMD zur Mediaagentur Aegis Media hat der 42-jährige Berner Christof Kaufmann für Verwunderung gesorgt. Gegenüber "persönlich" spricht er erstmals über seine Gründe und Visionen. Kurz nach dem Gespräch hat er seine neue Agentur völlig umgekrempelt und neue Kadermitarbeiter eingestellt. Das Interview:

Sie waren langjähriger Chef des Branchenleaders OMD und haben mit dem Gewinn des Prestigebudgets der Migros den Peak Ihrer Karriere erreicht. Jetzt haben Sie zu Aegis Media gewechselt. Dies ist eigentlich nicht nachvollziehbar …

Sie haben recht. Mit dem Migros-Budget konnten wir vor knapp zwei Jahren bei OMD eines der spannendsten Budgets der Schweiz gewinnen …

Welches, wie böse Stimmen sagen, Ihre ehemalige Firma manchmal ein bisschen überfordert hat.

Ein Wechsel eines grossen Etats ist für beide Seiten unstreitig mit hohem Aufwand verbunden. Zudem befand sich die Marketingabteilung der Migros zum damaligen Zeitpunkt selbst auch in einem Umstrukturierungsprozess. Dies führte auf beiden Seiten zu Situationen, die sicherlich nicht alltäglich waren. Man muss sich aber vorstellen: Die OMD war schon vor dem Gewinn des Migros- Budgets die zweitgrösste Mediaagentur der Schweiz. Durch den Gewinn des enorm grossen Etats verdoppelte sich in no time unser Umsatz, und wir konnten damals zusätzlich 20 bis 25 Personen einstellen. Innert kürzester Zeit mussten die gesamten Abläufe aufgrund der Budgetgrösse des MGB angepasst werden. Rückblickend gesehen ist es dem Team aber sehr gut gelungen, und sämtliche Ziele wurden erreicht.

Was war dann der Grund für Ihren Wechsel?

Der Gewinn des Migros-Budgets war sicherlich ein Höhepunkt meiner beruflichen Karriere, und ich habe vieles erreicht. Aber als mich Aegis Media für meine heutige Stellung anfragte, brauchte ich nicht lange zu überlegen, da es sich bei meiner jetzigen Tätigkeit um eine äusserst interessante Herausforderung handelt. Aegis Media gehört für mich durch ihre hundertprozentige Unabhängigkeit zu Kreativnetzwerken zum innovativsten Mediaagenturnetzwerk. Die Strukturen und die direkte Anbindung an die internationale Organisation ermöglichen es zudem, relevante Entscheide sehr schnell zu fällen. Und: Ich will es nochmals wissen.

Das sagen alle. Finanzielle Überlegungen haben sicherlich auch eine Rolle gespielt.

(Lacht.) Finanzielle Überlegungen spielen bei jedem Jobwechsel eine Rolle. Ansonsten wu¨rde ich wohl etwas falsch machen. Fu¨r mich stellt die jetzige Tätigkeit wirklich eine sehr grosse Herausforderung dar. Ich bin viel zu jung, um mich auf irgendwelchen Lorbeeren auszuruhen, und möchte Aegis Media in die Top-Liga fu¨hren. Bislang habe ich den Entscheid noch keine Sekunde bereut.

Wenn man das Mediaagenturranking von Walter Weder (abgedruckt in der Juli-Ausgabe von "persönlich") betrachtet, befindet sich OMD an oberster Stelle, Aegis auf der Gegenseite. Ist das der Challenge?

Ja, das sehe ich ganz bestimmt auch so.

Wie kann man diese Situation umkehren?

Es gibt in unserer Branche immer wieder Zyklen, bei denen eine Werbe- oder auch Mediaagentur Erfolg hat oder eben nicht. Gerade bei internationalen Netzwerken kann dies von einem Land zum anderen unterschiedlich sein. Ich glaube aber, dass man so einen Zyklus durchbrechen kann. Das Rezept: durch sehr gute, harte und ehrliche Arbeit! Gleichzeitig aber auch verbunden mit Spass, Inspiration und kreativem Potenzial.

Warum war Aegis Media in den letzten Jahren nicht auf der Gewinnstrasse?

Aegis Media hatte zu Unrecht ein schlechtes Image in der Schweiz. Gleichzeitig ist es aber so, dass sich Kunden wie auch Mitarbeiter gerne für eine Agentur entscheiden, die zu den Gewinnern zählt. Bei Aegis Media wurden in den letzten Jahren mehr Kunden verloren als dazugewonnen. Wie auch bei anderen Agenturen zu beobachten, kann dies zu einer Abwärtsbewegung führen, die manchmal schwierig aufzuhalten ist. Wir werden dagegensteuern und wollen diese Bewegung umdrehen.

Kann man das überhaupt?

Ja, das kann man. Nur kann man einen solchen Richtungswechsel nicht innerhalb weniger Wochen vornehmen. Zuerst muss man die Situation grundlegend analysieren und hinterfragen, anschliessend benötigt man eine gewisse Radikalität und Kompromisslosigkeit, um die erforderlichen Massnahmen zu treffen. Mein jetziger Arbeitgeber hat sich entschieden, dass man dafür eine neue Stossrichtung benötigt und Impulse setzen möchte. Für diese Aufgabe wurde ich letztendlich auch rekrutiert.

Welche Kunden hat Aegis Media heute?

Beispielsweise die BMW- und General-Motors- Gruppe, Johnson & Johnson, Kellogg’s, Nokia. Aber auch den Louis-Vuitton- oder den Disney-Konzern, die alle für uns sehr spannend sind. Daru¨ber hinaus gehören JTI, Club Med oder E-Bookers zu unseren Kunden.

Also wenige Schweizer Kunden ...

Der Anteil internationaler Kunden ist bei uns relativ hoch. Es ist für eine Mediaagentur aber wichtig, dass sie auch über einen lokalen Kundenstamm verfügt. Ich meine dabei nicht nur urtypische Schweizer Marken, sondern auch Kunden, die zwar ein Weltkonzern sind, in jedem einzelnen Land aber ein eigenes Medienkonzept verfolgen und direkt vor Ort entscheiden, mit wem sie zusammenarbeiten wollen. Dieses Kundensegment ist gar nicht so klein. Eine ausgewogene Mischung ist unser Ziel.

(Interview: Matthias Ackeret)

Das Interview in vollständiger Länge können Sie in der November-Ausgabe von "persönlich" lesen.