Obwohl Nestlé die hohen Rohstoffpreise Millionen kostete, konnte der Nahrungsmittel-Riese seine Profitabilität im Jahr 2010 halten. Der Gewinn sprang zwar um ein Drittel in die Höhe, jedoch nur dank zusätzlichen Einnahmen aus dem Verkauf des verbliebenen Anteils am Augenmittelhersteller Alcon. Ohne diesen Sondereffekt von 24,5 Mrd. Fr. wäre der Reingewinn dagegen leicht gesunken. Dieser belief sich schliesslich auf 34,2 Mrd. Franken nach 10,4 Mrd. Franken im Vorjahr, wie der weltgrösste Nahrungsmittelhersteller am Donnerstag mitteilte.
Der Umsatz des Konzerns stieg um zwei Prozent auf 109,7 Mrd. Franken. "Im Jahr 2010 erzielten wir erneut eine starke, den Markt übertreffende Leistung", beurteilte Nestlé-Chef Paul Bulcke das Resultat vor den Medien. Wie 2010 werden auch künftig die hohen Rohstoffpreise das grosse Sorgenkind des Konzerns mit Sitz in Vevey VD sein. Diese dürften auf den Gewinn drücken. Deshalb hatte Nestlé bereits Ende 2010 die Preise für seine Produkte leicht angehoben. "Wir versuchen aber die hohen Rohstoffpreise etwas abzufedern."
Dazu soll Rohstoffverbrauch des Konzerns weiter gesenkt werden. Bereits in der Vergangenheit hatte Nestlé technische Anpassungen in der Produktion vorgenommen, um weniger Rohstoffe zu verbrauchen. So konnte der Wasserkonsum in den letzten 10 Jahren um rund 60 Prozent und der Energiekonsum um knapp 45 Prozent gesenkt werden. Doch steigen die Rohstoffpreise weiter, "dann kommen wir nicht darum herum, unsere Preise anzuheben", sagte Bulcke.
Zweites Sorgenkind: starker Franken
Ein weiteres Sorgenkind ist der starke Franken: "Der Konzern hat zu spüren bekommen, dass er in Franken abrechnet", sagte Nestlé-Finanzchef Jim Singh. Denn ohne das Währungsproblem hätte der Nahrungsmittelriese ein noch besseres Ergebnis erzielt. Organisch, das heisst ohne Wechselkurs- und Akquisitionseffekte, wäre der Umsatz nämlich um 6,2 Prozent gewachsen. Trotzdem konnte Nestlé 2010 weltweit zulegen. Auch in dem von der Krise gebeutelten europäischen Markt verkaufte der Konzern wieder mehr. Er steigerte den Umsatz in Europa um 2,5 Prozent auf 21,6 Mrd. Franken. Stark entwickelten sich die Geschäfte in Nord- und Südamerika. Dort betrug das organische Wachstum 5,9 Prozent. Das grösste Wachstum erzielte Nestlé jedoch in den asiatischen Schwellenländern.
12'300 Nespresso-Kaffees pro Minute
Zu den Stars unter den Nestlé-Produkten zählt weiterhin Nespresso. Nestlé knackte mit den Kaffeekapseln im letzten Jahr erstmals die Umsatzgrenze von 3 Mrd. Franken. Das organische Wachstum betrug weltweit über 20 Prozent. Und die Marke Nespresso soll weiter wachsen: 2011 will der Konzern gegen 50 weitere Nespresso Boutiquen weltweit eröffnen.
In den wichtigen Märkten Frankreich, Deutschland und der Schweiz legte der Kapsel-Kaffee mit zweistelligen Wachstumsraten zu. Die Anzahl getrunkener Nespresso-Kaffees pro Minute stieg von rund 10'000 im Jahr davor auf 12'300. Angesprochen auf die Konkurrenz im Geschäft mit dem portionierten Kaffee, zuckte Bulcke mit den Schultern. "Gegen Konkurrenz haben wir nichts. Sie belebt das Geschäft." Habe Nestlé jedoch das Gefühl, seine Patente würden verletzt, "dann wehren wir uns". Damit zielt der Nestlé-Chef auf den Discounter Denner, die amerikanische Sara- Lee-Gruppe und das Schweizer Unternehmen Ethical Coffee ab. Diese Unternehmen produzierten eigene, billigere Kaffee-Kapseln, die in Nespresso-Maschinen passen. Während Denner die Produktion der Kapseln gerichtlich verboten wurde, sind die anderen beiden Streitfälle noch hängig.
Grosses Potential sehen die Nestlé-Verantwortlichen künftig in der neu gegründeten Nestlé Health Science. Nestlé strebt damit im Bereich der medizinischen Nahrungsmittel eine Pionierrolle an, wie Luis Cantarell, Chef von Nestlé Health Science, sagte. Dabei geht es um personalisierte Nahrungsmittel die einst gegen Diabetes, Übergewicht oder Alzheimer helfen sollen. Für 2011 hält Nestlé am Ziel von einem organischen Wachstum zwischen 5 und 6 Prozent fest. (sda)

