Grenzenloses Europa gemäss Studie in weiter Ferne

Strommarkt - Erzeugerpreise sinken in den deregulierten Märkten weiter.

Die Wettbewerbsintensität innerhalb der europäischen Strommärkte weist länderabhängig je nach Grad der Marktöffnung, Ausmass des grenzüberschreitenden Handels und der Dimension der grössten Erzeuger weiterhin grosse Unterschiede auf. Zu diesem Schluss kommt die neueste Ausgabe des European Energy Markets Deregulation Observatory von Cap Gemini Ernst & Young. In einigen Ländern wie Grossbritannien und Deutschland haben die grossen Stromkonzerne nicht mehr als 25 Prozent Marktanteil, während in anderen Ländern wie Frankreich oder Belgien die früheren Monopolisten nach wie vor Marktanteile von über 90 Prozent halten.

Auch der länderübergreifende Stromhandel hat derzeit wenig Einfluss auf die Bildung eines gesamteuropäischen Marktes. Die Handelsaktivitäten haben in erster Linie den Zweck, Systemsicherheit und Systemzuverlässigkeit zu gewährleisten und keinen Einfluss auf eine Angleichung der Grosshandelspreise diesseits und jenseits der Grenzen.

Betrachtet man das im freien Wettbewerb stehende Gesamtenergievolumen, liegen Deutschland und Grossbritannien an der Spitze -- sowohl bei Gross- als auch Privatkunden. Beide Länder haben die von der Europäischen Union festgelegte vollständige Öffnung der Märkte für Industrie- und kommerzielle Kunden bis 2004 und für Privatkunden bis 2007 bereits umgesetzt. Andere Länder wie Frankreich oder Italien stehen diesbezüglich noch vor grossen Herausforderungen.

"Die neuen Ziele der Marktliberalisierung sind sicher anspruchsvoll -- insbesondere für jene Länder, die den Wettbewerb im Stromsektor überhaupt noch nicht zugelassen haben. Aber sie können von den Erfahrungen der anderen Länder profitieren. Entscheidend wird sein, möglichst schnell mit der Umsetzung zu beginnen", rät Bernd Wöllner, Principal im Bereich Energy & Utilities bei Cap Gemini Ernst & Young.

Erzeugerpreise sinken

Im Vergleich zur vorherigen Untersuchung waren lediglich kleine Fortschritte bei der Deregulierung der Märkte zu verzeichnen, die, abgesehen von weiteren Faktoren, insgesamt nur zu geringen Preisveränderungen im Zeitraum Januar bis Juli 2002 führten. Weiterhin herrschen grosse Unterschiede bei den reinen Erzeugerpreisen -- also ohne Steuern -- in Europa. In Deutschland, Belgien oder Portugal kostet Strom für viele Unternehmen mehr als doppelt soviel wie in Schweden.