Marketing- und Werbeaktionen, die mit zweistelligen Prozent-Ermässigungen arbeiten, funktionieren beim Konsumenten derzeit am besten. Angesichts der Wirtschaftskrise lassen sich Produkte im Handel offenbar eher verkaufen, wenn mit einem enormen Preisnachlass geworben wird als mit konkreten Preisbeträgen. Selbst Marketingaktionen wie "Zwei zum Preis von einem" scheinen mit einer Werbung wie "Minus 70 Prozent" nicht mithalten zu können, berichtet die New York Times. Während lange Zeit vorwiegend mit einem Preisnachlass von minus 50 Prozent geworben wurde, scheinen mittlerweile besonders hochprozentige Abschläge ab 70 Prozent zum Standard zu werden. Laut Experten wird dieser Trend auch noch einige Zeit anhalten.
In einem aktuellen Bericht von Information Resources Inc. sprechen die Marktbeobachter von einer neuen Nische von Konsumenten. Diese verfolgten aufgrund der Rezession die Werbeaktivitäten der Händler deutlich stärker und würden nach Schnäppchen und reduzierten Waren Ausschau halten. So werben Handelsketten wie Bloomingdales, HomeGoods oder Filene's Basement in den USA derzeit mit Preisreduktionen von bis zu 80 Prozent und mehr.
"Wir sind an einen Punkt gelangt, wo der spezifische Preis nicht mehr spezifisch und schwungvoll genug ist, um wahrgenommen zu werden", meint Wendy Liebermann, Chefin der New Yorker Beratungsfirma WSL Strategic. Die Wirtschaftskrise habe dazu geführt, dass Leute nicht einmal mehr von der Couch aufstünden, würde ihnen nicht zumindest ein 50-prozentiger Preisnachlass geboten. "Aber 70 oder 80 Prozent Minus bekommen die Aufmerksamkeit", so Liebermann. Sie habe auch beobachtet, dass in Geschäften, wo nicht mit Ausverkauf oder Reduzierungen geworben wird, auch keine Leute zu finden sind.
Durch die heftigen Preisnachlass-Kampagnen treten nun Händler und Läden, die normalerweise Waren zu regulären Preisen anbieten, in Konkurrenzkampf zu typischen Diskontmärkten. Für die Zukunft sei zudem mit einer Fortsetzung und Ausweitung der Strategie zu rechnen, meint Liebermann. "Der nächste Schritt könnte eine Art 'Plus-Kosten' sein, wo die Händler sagen: Im Einkauf haben wir zwölf Dollar für den Artikel bezahlt und verkaufen ihn nun für 14", beschreibt die Branchenkennerin. (pte)