"Herr Brandes, was wird passieren, wenn Aldi in die Schweiz kommt?"

- Klare Ziele, Dezentralisierung und einfache Systeme – das ist Aldi. Nächstes Jahr eröffnet der Discounter seine Pforten in der Schweiz. Baubewilligungen sind erteilt in Romanshorn, Weinfelden, Amriswil und Altenrhein. Weitere folgen. Geplant sind zwei Verteilzentren in Embrach und Domdidier/Fr. Dieter Brandes, heute als Berater tätig, arbeitete 14 Jahre für Aldi, und lüftet das Geheimnis des verschwiegenen Discounters. Ein Auszug aus „persönlich blau“.

Sie waren kürzlich in der Schweiz und haben dem Migros-Kader Unterricht gegeben. Was haben Sie den Migros-Leuten gesagt?

Ich habe der Migros keine Geheimnisse erzählt – nur das, was ich anderen auch sage: Kümmert euch um eure eigenen Läden. Macht euer Geschäft, so wie ihr es bisher gemacht habt, jeden Tag ein bisschen besser. Und lasst euch nicht von Aldi oder Lidl beeindrucken. Es geht um eure Konzepte. Die Erfahrung zeigt: Wer versucht, sich auf Aldi oder Lidl einzustellen, ist damit nicht besonders erfolgreich.”

Dann muss man also auf Konkurrenz nicht reagieren?

Nein, man muss agieren und nicht auf die anderen reagieren. Zu viele Unternehmen schauen wie ein Kaninchen auf die Schlange und lassen dabei völlig ausser Acht, welche Fehler sie selber machen.

Was ist das grundsätzliche Konzept von Aldi?

Das Wesentliche ist für das Auge nicht sichtbar. Der Erfolg von Aldi über fast 50 Jahre beruht darauf, wie das Unternehmen geführt wird. Was Aldi verkauft, weiss man seit vierzig, fünfzig Jahren: ein beschränktes Sortiment des täglichen Bedarfs, von bester Qualität, zu niedrigstem Preis. Aldi Deutschland führt 700 bis 1000 Artikel.

Denner versucht es in der Schweiz mit 1000 Artikeln, aber er ändert jetzt die Strategie.

Das habe ich beobachtet. Denner ist ein paar mal rauf und runter gegangen. Das ist nicht gut. Man muss ein gutes Konzept haben, und es dann auch durchhalten. Bei Aldi ist heute die Zahl der Artikel schwer fassbar, weil sie so genannte ‘sortierte Kartons’ haben. Wenn Aldi Zwölferkartons mit Konfitüre in drei Geschmacksrichtungen verkauft – sind das nun drei Artikel oder nur einer?

Wie wird denn Aldi geführt?

Mit ‘Management der Einfachheit’. Den drei Unternehmenszielen -- niedrigster Preis, beste Qualität, beschränktes Sortiment des täglichen Bedarfs -- wird alles andere untergeordnet. Man macht nichts -- absolut gar nichts --, was diesem Ziel nicht dient. Bei Aldi gibt es zum Beispiel keine Controlling-Abteilung. Wenn man sich um das Wesentliche kümmert, werden die Dinge so einfach, dass jeder Manager in der Linie -- jeder Verkaufschef, jeder Geschäftsführer einer Region -- seine Zahlen selber beherrscht. Niemand beherrscht sein Zahlenwerk besser als die Nichtcontroller von Aldi, die Leute, die ihr tägliches Geschäft machen. Aldi betreibt niemals Marktforschung und kauft auch keine Marktforschungsdaten ein. Aldi probiert in den eigenen Verkaufsstellen aus und macht dort seine Erfahrungen. Aldi hat auch keine Marketingabteilung. Der frühere Nestlé-Chef Helmut Maucher hat einmal ein schönes Buch geschrieben: ‘Marketing ist Chefsache’. Bei Aldi gibt es viele Chefs: in der Geschäftsleitung, aber auch in jeder Abteilung, in jeder Filiale. Diese Chefs haben mit dem Thema Marketing zu tun.

Was wird passieren, wenn Aldi jetzt in die Schweiz kommt?

Aldi wird seine Läden aufmachen, Stück um Stück. Aldi ist langsamer als Lidl und macht das sehr solide und behutsam. Die werden gute Umsätze erzielen. Aber ich sehe das eigentlich nur in der deutschen Schweiz. Die anderen Sprachbereiche würden die Komplexität erhöhen. Und das würde gar nicht zu Aldi Süd passen.

In der Schweiz beschäftigt Aldi zurzeit etwa 40 Mitarbeiter, 1200 sollen es werden. Was halten Sie von dieser Grössenordnung?

Gar nichts. Ich bin ziemlich erstaunt, dass solche Zahlen aus Aldi-Kreisen stammen sollen. Normalerweise erzählt Aldi so etwas nicht. Vor allem machen die sonst keine Prognosen, nicht einmal intern. Natürlich hat man sich bei Aldi gefragt, ob es sinnvoll ist, in die Schweiz zu gehen. Wenn man es sinnvoll findet, geht man Stück um Stück vor. Aldi Süd ist zum Beispiel auch in Australien. Warum eigentlich? Ich tippe auf: ‘Just for Fun’. Da geht es einfach um unternehmerischen Spass. Vielleicht ist das bei der Schweiz auch so

In der Schweiz beschäftigt Aldi zurzeit etwa 40 Mitarbeiter, 1200 sollen es werden. Was halten Sie von dieser Grössenordnung?

Gar nichts. Ich bin ziemlich erstaunt, dass solche Zahlen aus Aldi-Kreisen stammen sollen. Normalerweise erzählt Aldi so etwas nicht. Vor allem machen die sonst keine Prognosen, nicht einmal intern. Natürlich hat man sich bei Aldi gefragt, ob es sinnvoll ist, in die Schweiz zu gehen. Wenn man es sinnvoll findet, geht man Stück um Stück vor. Aldi Süd ist zum Beispiel auch in Australien. Warum eigentlich? Ich tippe auf: ‘Just for Fun’. Da geht es einfach um unternehmerischen Spass. Vielleicht ist das bei der Schweiz auch so.