"Hier sorgt der Fall Ruzicka für weniger Wirbel"

Andy Lehmann - CEO von Aegis Schweiz zum Prozess.

Am Dienstag hat vor dem Landgericht Wiesbaden der Prozess gegen Alexander Ruzicka begonnen. Er soll bei Aegis Media Zusatzvergütungen in Form von Gratis-Werbeminuten nicht an die Agentur weitergeleitet haben, sondern selbst zu Geld gemacht haben. Der Ex-Geschäftsführer beteuert seine Unschuld. "persoenlich.com" wollte von Andy Lehman, CEO Aegis Media Group Switzerland wissen, welchen Einfluss das Verfahren auf den Schweizer Markt hat.

Der Ruzicka-Prozess wird viele Interna der Mediabranche ans Licht bringen. Fürchten sich die Mediaagenturen davor?

Der Prozess wird in Deutschland mit grossem Interesse verfolgt und gelangt durch die Medien an eine breite Öffentlichkeit. Dadurch wird grosse Transparenz geschaffen und das hat noch keiner Branche geschadet.

Diese Transparenz kann aber auch Leichen im Keller zu Tage bringen.

Natürlich bringen ein Prozess und die daraus entstehende Transparenz immer neue Erkenntnisse. Aber jeder, der sich in einem Markt fair verhält, wird diese Transparenz begrüssen.

Beim Prozess tritt Aegis Media als Geschädigte auf. Ist auch Schaden für die ganze Branche entstanden?

Wie der Prozess endet und welche Folgen der Ausgang haben wird, lässt sich noch nicht absehen. Die ganze Geschichte hat aber jetzt schon zu einer Sensibilisierung auf Kunden-, Agentur- und Medienseite geführt, was sicher die Seriosität im Umgang mit diesen Themen fördert.

Wie sehr leiden das Image und die Glaubwürdigkeit der Mediaagenturen aufgrund dieses Falles?

Der Prozess hat sicher für Unruhe und für eine gewisse Unsicherheit gesorgt – vor allem in Deutschland. Die Glaubwürdigkeit hat aber nicht gelitten. Insofern ist auch kein Imageschaden entstanden.

Wie sehr betrifft diese Unruhe die Schweiz?

Hierzulande sorgt der Fall Ruzicka sicher für weniger Wirbel. Das eigentliche Prozess-Thema – der Umgang mit Freespace – ist aber auch für die Schweizerische Medienbranche relevant.

Haben Sie schon konkret bemerkt, dass Kunden gegenüber ihrer Agentur misstrauischer geworden sind?

Die Transparenz bei Aegis Media Switzerland war und ist immer gegeben. Insofern war und ist es kein Problem, mit unseren Kunden offen über die Thematik zu diskutieren. Wir haben keinerlei negative Einflüsse auf unser Geschäft feststellen können.

Das Geschäft mit den Kick-Backs sorgt immer wieder für Diskussionen. Wem stehen ihrer Meinung nach diese Zusatzvergütungen zu: Den Agenturen oder den Kunden?

Freespace in jeglicher Form gehört ganz klar dem Kunden. Wie dies in der täglichen Praxis gehandhabt wird, ist in den Verträgen mit unseren Kunden geregelt.

(Interview: Stefan Wyss)