Wenn ich die Lage auf dem Immobilienmarkt und die Schlangen bei Wohnungsbesichtigungen sehe, frage ich mich: Müssen Sie überhaupt Werbung machen für Homegate?
Die Konkurrenz ist nur einen Klick entfernt: Werbung ist für uns wichtig, um die Marke zu schärfen und in den Köpfen der Leute zu verankern. Wenn jemand eine neue Wohnung sucht oder ein Haus kaufen will, soll ihm als erstes homegate.ch in den Sinn kommen. Wenn wir keine Werbung machen würden, wären die Schlangen vor den Türen bald weniger lang.
Müssen Sie eher in die Köpfe der Vermieter und Eigentümer oder in jene der Wohnungssuchenden?
In beide, das eine geht nicht ohne das andere. Wir haben über 75'000 Objekte auf der Website, das heisst 75'000 Angebote für Wohnungssuchende oder Kaufinteressierte in der ganzen Schweiz. Wir dürfen den Firmenkunden, also den Verwalter oder Vermieter, dabei nicht vergessen. Ein grösseres Angebot an Inseraten heisst, wir sind attraktiver für den Suchenden; mehr Suchende heisst, wir sind attraktiver für den Inserenten.
Wie sprechen Sie diese an?
Wir haben drei Standbeine: Klassisches Sponsoring, wo wir alle Gelder in die Branche investieren wie zum Beispiel beim SVIT (Schweizerischer Verband der Immobilienwirtschaft). Dann den klassischen Verkauf, wir haben in jeder Region der Schweiz einen Betreuer, der Service garantiert. Und zuletzt machen wir klassische Werbung, vor allem in Fachmagazinen, wo wir auf unsere neuen Produkte und Services aufmerksam machen. Unser Portfolio ist stark gewachsen, mittlerweile bieten wir dem Firmenkunden für die Vermarktung von A bis Z alles an.
Auf der anderen Seite haben Sie sehr viele Klicks und sind unter den Top 10 der Schweizer Web-Angebote. Wie wichtig ist diese Reichweite für Sie?
Für uns ist diese Reichweite matchentscheidend. Der Vermieter möchte möglichst schnell einen neuen Mieter finden, um Leerstand zu vermeiden. Wir können ihm dafür eine hohe Reichweite bieten. Durch die Transparenz im Online-Bereich kann man auch einfach das Preis-Leistungs-Verhältnis ausrechnen.
Kommt es denn darauf an, ob ein Angebot 100 oder 1000 Klicks hat, wenn am Schluss ein paar Leute die Wohnung anschauen und sich ein Mieter findet?
Wenn der Firmenkunde auf seiner Seite ein gutes CRM-System hat, können wir ihn in seinem eigenen Marketing unterstützen. Mit jeder Anfrage, die über unsere Plattform kommt, hat er einen potenziellen Mieter oder Käufer für ein anderes Objekt aus seinem Portfolio. Klar, in erster Linie ist es wichtig, dass er einen Mieter findet. Auf der anderen Seite kann er aber auch Kontakte sammeln. Wenn man das sauber macht, kann man für eine neue Wohnung einfach ein Mailing an ein paar 100 Leute rauslassen, was nochmals günstiger ist als ein Print- oder Online-Inserat.
Wie holen Sie die Besucher auf Ihre Homepage?
Da haben wir einen Mix von Marketing-Massnahmen. Neben Werbung ist Social Media wichtig für uns. Vor allem Facebook ist ein Kanal, der sehr gut funktioniert, da können wir viel Traffic holen. Mit HomegateTV sind wir auf allen Deutschschweizer Regionalsendern sowie auf YouTube präsent und bieten dem User themenspezifische Inhalte. Das ist sehr wichtig fürs Branding.
Wollen Sie mit diesem redaktionellen Content auch Leute auf ihre Seite holen, die gerade nicht unbedingt etwas suchen?
Genau. Homegate ist nicht nur eine Immobilien-Suchmaschine, sondern ein Immobilienportal. Wir wollen den ganzen "Lebenszyklus" abdecken: Von der Insertion respektive Suche über die Finanzierungsthemen, zum Beispiel Hypotheken, und Umzug bis zum Bereich Wohnen und Einrichten - und dann wieder von vorne. Wir wollen relevante Inhalte bieten und diese auch während der "toten Zeit" - wenn man nicht inseriert oder sucht - an den Mann bringen. Wir decken ein breites Themenspektrum ab, von Feng Shui über Einrichten und Wohntrends bis zu Garten und "Do it yourself". Das ist auch für die Suchmaschinen wichtig, da kann man mit guten und themenrelevanten Inhalten punkten, und jeder Treffer ist ein potentieller Klick.
Wie erstellen Sie diese Inhalte? Haben Sie dafür ein eigenes Team?
Wir versuchen nicht, mit einem Allrounder alle Themen abzudecken, sondern arbeiten in jedem Bereich mit externen Experten. Wir haben zum Beispiel eine Partnerin, die jeweils im Frühling nach Mailand an die Möbelmesse fährt und schon während der Rückfahrt übermittelt sie uns aus dem Zug die ersten Bilder. Wir haben jemanden für den Finanzierungsbereich, der seit Jahren Know-how aufgebaut hat. Bei der Feng-Shui-Thematik öffnet sich ein riesiges Feld, von Farbberatung über Einrichtungsvarianten bis zu verschiedenen Böden und Düften. Wir arbeiten mit einer Anwaltskanzlei, die Rechtsfragen bespricht, da gibt es viele Situationen und Themen, die unsere Kunden beschäftigen. Seit einem Jahr haben wir unser Online-Forum Immotalk, das von der Community selber getragen wird. Dort tauschen sich die Mitglieder über alles mögliche aus, von rechtlichen Fragen über Einrichtungstipps bis zu Diskussionen über aktuelle Abstimmungen, bei denen es kantonal oder national oft um Immobilien geht. So sehen wir auch, welche Themen ziehen, die wir aufgreifen und weiter bearbeiten können.
Sie sind auch bei Google+ sehr aktiv, was sonst eher vernachässigt wird. Was ist die Idee dahinter?
Wir probieren gerne Neues aus. Ein wenig warten wir hier noch auf den Tag, an dem dieser Kanal - wie von Google schon lange angekündigt - SEO-Bedeutung bekommt. Darum wollten wir schon früh dabei sein. Wir wollen auch eine Alternative zu Facebook aufbauen, ein zweites Social-Media-Standbein. Aufgrund der Statistiken merken wir, dass Google+ langsam, aber sicher an Bedeutung gewinnt.
Wie wichtig ist Twitter?
Twitter ist für uns vor allem ein News-Verbreitungs-Kanal. Wir machen da kleine Promotionen, verlosen zum Beispiel Messetickets. Aber verglichen mit Facebook sind die Zahlen eher so na ja. Wir haben das Rezept noch nicht gefunden, um dort grossen Traffic rauszuholen.
Sie veröffentlichen auch einen monatlichen Mietindex und Studien, die meistens viel Aufmerksamkeit erfahren. Ist das die Idee, Medienpräsenz zu erhalten und Mehrwert zu bieten für Leute, die nicht gerade eine Wohnung suchen?
Genau. Wir haben das Glück, dass wir aufgrund von eigenen Daten einen Mietindex erstellen können, der ein Gradmesser für Branche und Kunden ist. Auch bei unseren Studien, wie der neuen über die beliebtesten Ortschaften, geht es darum, dem Privatkunden zu zeigen, was auf dem Immobilienmarkt passiert. Und für den Firmenkunden wollen wir aufzeigen, was die attraktiven Regionen sind, die man auch mal anschauen könnte. Es ist ein ernstes Thema, aber wir haben nicht den Anspruch, endgültige Wahrheiten in Stein zu meisseln, sondern wollen einfach unsere Informationen weitergeben.
Immobilien seien ein ernstes Thema, über das oft abgestimmt wird, sagen Sie. Engagiert sich Homegate politisch, oder überlassen Sie das den Verbänden?
Wir haben bei homegate.ch das Neutralitätsprinzip und beteiligen uns nicht an politischen Diskussionen. Der Ausgang einer Abstimmung ist für uns meistens nicht entscheidend. Dass es irgendwie weitergehen muss und immer ein Angebot und eine Nachfrage da sein wird, ist klar. Wir als Portal können beides gut bedienen und wollen für beide Kundengruppen homegate.ch als Marktplatz möglichst attraktiv gestalten. Wir versuchen sozusagen für beide Teams als Vermittler einen guten Platz zur Verfügung zu stellen, wo man sich optimal austauschen kann, wo Angebot und Nachfrage spielen können.
Homegate gehörte früher zur Zücher Kantonalbank und nun zur Tamedia. Spielt das für Sie eine Rolle?
Tamedia ist generell ein sehr attraktiver Arbeitgeber, und werbetechnisch ist ein Medienhaus natürlich optimal, da sind wir bei vielen Top-Brands integriert und können uns immer mehr verzahnen. Unabhängig vom Eigner war homegate.ch aber von Anfang an eine Erfolgsgeschichte. 14 Jahre nach der Gründung haben wir beim Traffic immer noch zweistellige Zuwachsraten.
Haben die Journalisten im Haus keine Vorbehalte gegenüber der Zusammenarbeit?
Der kommerzielle Teil ist sehr klar getrennt von redaktionellen Inhalten. Man wird eher zwischendurch nicht berücksichtigt, weil man nicht zu viel Nähe zeigen will. Wenn wir erwähnt werden, kommt immer der Hinweis, dass wir zum gleichen Konzern gehören. Diese Transparenz ist wichtig, und wir versuchen auch nicht, Druck auf die Redaktionen zu machen.
Sie treten als Mediensprecher in Ihren eigenen Videos oft auf. Sind Sie das Gesicht von Homegate?
Zum Teil, neben unserem CEO Heinz M. Schwyter. Wir versuchen einheitlich aufzutreten und einen sauberen Auftritt gegen aussen zu zeigen. Dafür stimmen wir uns auch sehr eng ab.
Dieses Interview wurde von der PR-Agentur Farner vermittelt. Warum arbeiten Sie nicht mit der Kommunikationsabteilung von Tamedia zusammen?
Das ist eine gute Frage; wir haben das mit der internen Kommunikationsabteilung besprochen. Wir haben unsere eigenen Themen, wie die Tamedia auch, es ist kapazitätsmässig einfacher und wir wollten eine Aussensicht einbringen. Von dem her ist Farner eine sehr gute Lösung.
Interview: Lukas Meyer//Bilder: zVg