Die Rezession, der starke Franken und die Pandemiewarnungen haben 2009 die Reiselust gedämpft und im Schweizer Tourismus deutliche Spuren hinterlassen. Nach drei Wachstumsjahren in Folge ging die Zahl der Übernachtungen im letzten Jahr erstmals wieder zurück. Die Zahl der Hotel-Übernachtungen nahm im Vergleich zum Vorjahr - das unter anderem dank der Fussball-EM in der Schweiz ein Rekordjahr war - um 1,7 auf 35,6 Millionen ab. Das ist ein Rückgang von 4,7 Prozent, wie Ernst Matti vom Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag in Zürich bekannt gab. Den Schweizer Hoteliers fehlten vor allem Gäste aus dem Ausland: Diese buchten 6,2 Prozent weniger Übernachtungen als noch 2008. Besonders drastisch war der Rückgang bei Engländern und Deutschen, die zusammen rund die Hälfte der Einbusse ausmachten. Dagegen buchten 27 Prozent mehr Chinesen ein Hotelzimmer in der Schweiz. Deutlich weniger stark war der Rückgang bei den Schweizern, die ihre Ferien im eigenen Land verbrachten: Hier sank die Zahl der Logiernächte um 2,5 Prozent auf 15,4 Millionen.
Mit Ausnahme der Stadt Basel, die 19'000 oder 1,4 Prozent mehr Logiernächte zählte, mussten alle Regionen Einbussen hinnehmen. Den deutlichsten Rückgang verzeichnete die Tourismusregion Graubünden mit einem Minus von 8,3 Prozent. Dahinter folgten die Zentralschweiz (-6,7 Prozent) und Genf (-7,8 Prozent). Die Schweizer Hotellerie habe im vergangenen Jahr mit "rauhen Bedingungen" zu kämpfen gehabt, stellte Guglielmo Brentl, Präsident von hotelleriesuisse, fest. "Gift für den Tourismus" gewesen seien vor allem die ungünstige Währungssituation gegenüber Dollar und Euro, aber auch die Schweinegrippe. Überdurchschnittliche Einbussen mussten laut Brentl die grossen Städte Bern, Genf, Lausanne und Zürich zwischen Oktober 2008 und Mai 2009 in Kauf nehmen. Dabei seien die 5-Sterne-Hotels deutlich stärker betroffen gewesen als Zwei- und Dreisterne-Betriebe. Die Stadt-Hotellerie habe sich aber wieder am schnellsten erholt.
Insgesamt habe sich die Schweizer Hotellerie als krisenfester erwiesen als in früheren Rezessionen, stellte Brentl fest. Dazu beigetragen habe auch das Impulsprogramm des Bundes für den Tourismus. "Wir sind bis jetzt mit einem blauen Auge davongekommen und jammern auf hohem Niveau".
Verlagerung zur Parahotellerie
Touristisch sei 2009 ein "durchzogenes Jahr" gewesen, bilanzierte Daniela Bär, Kommunikationsleiterin bei Schweiz Tourismus. Die Wirtschaftskrise habe eine klare Verlagerung der Hotellogiernächte zur Parahotellerie bewirkt. Campingplätze und Ferienhäuser hätten 2009 im Vergleich zum Vorjahr deutlich mehr Buchungen verzeichnet. Mit Blick auf auf die nahe Zukunft zeigte sich Bär "verhalten optimistisch". Positiv stimme, dass seit Oktober 2009 die Rückgänge bei den Logiernächten kontinuierlich abnehme. Zudem sei der Städtetourismus - oft ein Vorbote für die gesamte Branche - seit November wieder im Plus. Seit Dezember sank die Zahl der Hotel-Übernachtungen nur noch leicht um 0,5 Prozent. Die Nachfrage aus dem Inland ging um 0,8 Prozent zurück. Wieder deutlich öfter buchten ausländische Gäste ein Zimmer in einem Schweizer Hotel: Der Rückgang der Übernachtungen betrug nur noch 0,2 Prozent.
Die stärkste Zunahme entfiel auf die Touristen aus Italien (+9,2 Prozent) und Frankreich (+9,0 Prozent). Bei den Deutschen wurde hingegen ein weiterer Rückgang um 5,9 Prozent verzeichnet. Die Entwicklung der Euro-Wechselkurse gegenüber dem Schweizer Franken bleibe für den Tourismus auch im laufenden Jahr ein Risiko, stellten hotelleriesuisse und Schweiz Tourismus fest. (sda)