Herr Bahar, ganz einfach gefragt, was verstehen Sie eigentlich unter Luxus?
Luxus hat für mich nichts mit Materiellem zu tun. Mir Zeit zu nehmen für meine Familie, für mich - das ist Luxus.
Sie sind das neue Gesicht von Lotus. Warum haben Sie diesen Job angenommen?
Ich tendiere zu Jobs, in denen ich etwas aufbauen und bewegen kann. Lotus ist ein Brand mit einer unheimlichen Kraft, das hat mich fasziniert.
Lotus ist zwar ein Mythos, fristete aber lange Jahre ein Mauerblümchendasein. Was gibt Ihnen die Gewissheit, dass Sie Lotus wieder nach oben bringen?
Darf ich ganz ehrlich sein? Es gibt keine Gewissheit. Fakt ist auch, dass ich weder ein Besserwisser noch Superman bin. Mir war klar, dass ich ein hoch qualifiziertes Team um mich brauche, ich nenne es stets das Real Madrid der Automobilindustrie. Dieses Team habe ich jetzt, und von nun an heisst es Ärmel hochkrempeln, um die Vision, die wir in Paris und Los Angeles Ende letzten Jahres präsentiert haben, auch umzusetzen.
Was waren Ihre ersten Schritte, um Lotus neu zu positionieren?
Auch wenn Sie es mir nicht glauben werden, aber der wichtigste Schritt war, das Gespräch mit den Mitarbeitern zu suchen. Ich habe in meiner ersten Arbeitswoche für drei Stunden die Produktion gestoppt und habe den Mitarbeitern ehrlich erklärt, was ich vorhabe und wo wir stehen. Das hat davor noch nie ein Chef hier getan. Die wussten gar nicht, dass Lotus in Schwierigkeiten steckt. Meine Botschaft war, dass wir uns den Luxus, demokratische Entscheidungen zu treffen, in unserer Situation gar nicht erlauben können. Wenn aus Lotus wieder eine Weltmarke werden soll, müssen wir alle in die gleiche Richtung steuern, und da kanns nur einen geben, der diese Richtung vorgibt.
Wo stellen sich für Sie momentan die grössten Probleme?
In dem Hype um die Zukunftsautos, die ja erst nach und nach ab 2013 auf den Markt kommen werden, ist ein wenig untergegangen, dass wir schon jetzt sensationelle Sportwagen anbieten.
In einem Jahr wollen Sie Ihren neuen Sportwagen präsentieren. Was können wir dabei erwarten?
Der neue Lotus Esprit wird 2013 auf den Markt kommen, und ich kann Ihnen schon jetzt versprechen, dass dieses Auto Lotus auf ein Niveau bringen wird, das diese Marke nicht nur verdient, sondern auf dem sie schon einmal war - nämlich auf Augenhöhe mit den Grossen dieser Branche.
Sie treten dabei mit Porsche in Konkurrenz. Was werden Sie besser machen als die Deutschen?
Ganz generell wird ein Lotus immer günstiger und umweltverträglicher sein, aber das ist gar nicht mal das Kriterium: Das Wichtigste ist, dass das Fahrvergnügen in einem Lotus immer grösser sein wird als bei der Konkurrenz. Das Ride and Handling ist unsere Identität, das ist unsere DNA.
Sie haben in den letzten Jahren immer wieder bei berühmten Firmen wie Ferrari oder Red Bull gearbeitet und waren für deren Vermarktung zuständig. Wo liegen die grössten Unterschiede zwischen diesen drei Marken?
Ferrari ist etabliert, Red Bull musste etabliert werden, und Lotus war einmal etabliert und musste wiederbelebt werden. Allen ist aber eine unheimliche Markenstärke gemeinsam.
Warum konnte sich ein Getränk wie Red Bull überhaupt durchsetzen?
Es war wichtig, um diese Dose herum eine eigene, faszinierende Welt zu kreieren. Eine Welt voller Leidenschaft, voller Geschichten, voller Emotionen. Mein Job war es, mitzuhelfen, die Marke Red Bull um viele Elemente zu erweitern. Wir sind in die Formel 1 eingestiegen, wir haben in Nascar und im Eishockey Teams übernommen, wir haben eine eigene Medienwelt im Internet geschaffen, und wir haben sogar vor dem Fussball nicht Halt gemacht.
Warum sind Sie zu Ferrari gewechselt?
Wenn die richtigen Leute am richtigen Platz sitzen, die Strategie klar ist, die wichtigsten Entscheide umgesetzt sind und die Richtung stimmt, suche ich mir in der Regel eine neue Herausforderung. Weil die Umsetzung am Anfang spannend ist, aber nach einiger Zeit zur Routine wird.
Wie handeln Sie? Nach Marketingstudien oder nach dem Bauchgefühl?
Die Studien überlasse ich den Experten, ich verlasse mich mehr auf meine Instinkte. Ich sehe mich mehr als den Trainer einer Fussballmannschaft, der vor dem Spiel die Taktik ausgibt, diese Taktik vielleicht in der Pause anpasst oder verändert, aber auf dem Platz müssen die Spieler schon selbst zurechtkommen.
Interview: Matthias Ackeret (Das ganze Interview gibts im "persoenlich"-Heft, siehe auch:"persoenlich.com".

