Herr Rohner, Sie können ein positives Ergebnis präsentieren ("persoenlich.com" berichtete). Welches sind die drei Hauptgründe?
Wir haben den Turnaround in dreierlei Hinsicht geschafft: Wir konnten die Migration in Richtung "Digital-Company" beschleunigen, die Zanox-Gruppe, an welcher wir mit 47,5 Prozent beteiligt sind, wird im Berichtsjahr europäischer Leader im Affiliate-Marketing dank Eigenwachstum und erfolgreichen Akquisitionen mit einem Umsatz von über CHF 500 Mio. Im Segment "Search & Find" haben wir einen neue schlagkräftige Organisation auf die Beine gestellt, die beste Voraussetzung schafft für fortgesetzte Erfolge. Und beim traditionellen Geschäft, bei Media Sales, führte die erfolgreiche Umsetzung des neuen Geschäftsmodells in der Schweiz, wo Inserate nach effektivem Aufwand kommissioniert werden - d.h. grosse Anzeigen günstiger, kleinere Anzeigen wesentlich teurer wurden - zur Rückkehr der operativen Profitabilität.
Der Gewinn resultiert vor allem aus umfassenden Sparmassnahmen. Über die letzten vier Jahre haben Sie 124 Millionen Franken gespart und rund 800 Stellen gestrichen. Sie wollen weiterhin Kosten reduzieren: 10 Millionen im Jahr 2011. Werden Sie weitere Stellen abbauen?
Die Reduktionen von 10 Millionen haben wir bereits beschlossen. Wir haben zum Beispiel im Oktober beschlossen, zwei Niederlassungen zusammenzuschliessen. Dies wird nun im Verlauf dieses Jahres umgesetzt. Somit werden im Verlaufe dieses Jahres gewisse Arbeitsstellen reduziert. Dies wurde aber den betroffenen Mitarbeitern bereits mitgeteilt. Wir haben jetzt aufgrund der Geschäftsentwicklung keinen Anlass, neue Kostensenkungsprogramme zu lancieren.
Der Umsatz schrumpfte weiter um 8,4 Prozent auf 1,474 Mrd. Franken. Jedoch wächst das Geschäft mit Internet-Medien und -Verzeichnissen.
Entscheidend ist, dass wir im Digital-Online-Bereich bei unseren eigenen Gesellschaften um 24 Prozent wachsen konnten. Wenn man Zanox (das Joint Venture mit Axel Springer ) miteinbezieht, liegt ein Wachstum von 33 Prozent vor. Damit haben wir uns im Rahmen des Marktes entwickelt, oder sogar leicht darüber.
Dabei ist local.ch eine wichtige Trumpfkarte.
Ja, absolut. Local.ch schreibt massiv schwarze Zahlen und ist heute Marktleader bei der Suche nach Adressen und Telefonnummern, also bei all den Dingen, die man im täglichen Bedarf sucht: eine Garage, ein Pizzakurier, Taxi, Restaurants und so weiter. Dieses Angebot wollen wir weiter ausbauen. Letztes Jahr haben wir home.ch lanciert, eine Immobilienplattform. Ausserdem werden wir das bestehende Angebot weiterentwickeln oder neue Dienstleistungen dazukaufen. Die beiden Unternehmen haben die Migration ihrer Produkte und der Werbevermarktung aus dem Printbereich hin zu Online-Applikationen gut gemeistert. Das starke Wachstum des Online-Segments, das inzwischen einen Anteil von 33 Prozent am Gesamtumsatz ausmacht, hat in den letzten Jahren den langsamen, aber stetigen Rückgang der gedruckten Produkte kompensiert.
Welche genau?
Dating-Plattformen wären attraktiv, aber auch die Bereiche Jobs oder Events. Dabei kommen auch Kooperationen mit anderen Medien oder Webseiten in Frage.
Wie ist hier die Beteiligung?
Search & Find entwickelt sich in der Schweiz seit über zehn Jahren erfolgreich im Rahmen einer Partnerschaft mit Swisscom Directories. LTV Gelbe Seiten AG, der eigentliche Vermarktungsteil mit dem Verkaufsarm gehört zu 51 Prozent PubliGroupe und zu 49 Prozent Swisscom. Umgekehrt ist es bei Swisscom Directories AG respektive local.ch die zu 51 Prozent Swisscom und zu 49 Prozent der PubliGroupe gehören.
Die Publigroupe hat auch bei anderen Beteiligungen keine Mehrheit. Soll sich das ändern?
Bei den Hauptgeschäften ist für uns eine Minderheitsbeteiligung keine Lösung. Das Bestreben unsererseits ist sicher da.

Sie haben im Bereich Media-Sales den Turnaround früher geschafft als erwartet. Warum?
Es gibt zwei Hauptgründe: Erstens haben die Kollegen von Media Sales sehr gut gearbeitet und zweitens profitierten wir von einem stark anziehenden Geschäft zum Jahresende hin.
Sind Sie nun beruhigt?
Diese Entwicklung freut uns. Aber dieses Ergebnis ist noch nicht genügend. Die Investoren haben andere Erwartungen, sie wollen einen Return on Investment. Da sind wir noch nicht am Ziel.
Welches Ergebnis erwarten Sie für 2011?
Ein deutlich zweistelliges Ertragswachstum.
Ende April 2010 hat das Bundesverwaltungsgericht eine von der Weko verhängte Busse bestätigt: Die PubliGroupe muss 2,5 Millionen Franken zahlen. Sie wollten den Entscheid ans Bundesgericht weiterziehen. Wie ist hier der Stand?
Wichtig ist hier: Der Vorfall liegt 10 Jahre zurück. Es geht darum, dass wir bei Stelleninseraten die marktbeherrschende Stellung ausgenutzt haben sollen. Seither verhält sich vieles ganz anders, auch der ganze Markt. Beim Bundesgericht ist der Fall momentan pendent. Mit einem Urteil rechnen wir in diesem oder dem nächsten Jahr. Für eine allfällige Verurteilung haben wir eine Rückstellung von 2,5 Millionen gemacht.
Was planen Sie im Auslandgeschäft?
Da gibt es zwei Hauptdimensionen: Zum einen den Media Sales. Dort wollen wir das asiatische Geschäft weiter aufbauen und das Service-Geschäft weiter intensivieren. Ganz allgemein gilt für Media Sales das Ziel, weltweit der bevorzugte Partner für Medienanbieter und Werbetreibende zu sein - indem Werberaum mittels wirkungsvollen und effizienten Dienstleistungen verkauft wird. Langfristige Partnerschaften mit Medienanbietern garantieren fundierte Produktkenntnisse, während das einzigartige Netzwerk von Standorten auf der ganzen Welt die Nähe zum Werbekunden gewährleistet. Dank Innovations- und Unternehmergeist, Investitionen in die Entwicklung von interaktiven und digitalen Dienstleistungen werden wir wieder wachsen. Zum anderen erwarten wir vor allem bei Zanox weiteres internationales Wachstum. Wir planen jetzt gerade in Polen und der Türkei eine grössere Marktinitiative. Performance Advertising ist und bleibt ein Wachstumsmarkt.
Interview: Edith Hollenstein

