IP Multimedia steht bei der Weko unter "Marktbeobachtung"

- Ab 2011 wird die Goldbach-Tochter IP Multimedia bekanntlich die exklusive Vermarktung der SevenOne Media (Schweiz) übernehmen. Der Deal stiess in der Branche nicht überall auf Zustimmung, weil die IP in der Vermarktung der Privaten TV-Sender nun eine monopolistische Stellung hat. Wie die Wettbewerbskommission (Weko) gegenüber "persoenlich.com" bestätigt, sei die IP "seit einiger Zeit unter Marktbeobachtung". Die Sache ist deshalb pikant, weil offenbar auch die Vormachtstellung im Radiomarkt unter die Lupe genommen wird. Der Bericht:

Dass SevenOne Media (Schweiz) im Juli der Goldbach-Media-Tochter IP Multimedia ab 2011 die exklusive Vermarktung aller ihrer TV-Werbefenster übertragen hat, wirft in der Branche trotz Sommerpause hohe Wellen. Bereits kursieren auch Gerüchte, wonach bei der Wettbewerbskommission (Weko) eine Klage gegen diesen Deal eingereicht worden sei. Dort aber wird dies klar in Abrede gestellt. Im Zusammenhang mit dem Deal sei bisher keine Klage eingegangen – weder gegen Goldbach Media noch gegen SevenOne Media, sagt Weko-Vizedirektorin Carole Söhner-Bührer. Auch werde die Weko wegen dem Deal nun nicht von sich aus aktiv. "Eine marktbeherrschende Stellung allein ist ja nicht verboten", sagt Söhner, "bloss der Missbrauch einer solchen Position wird geahndet. Doch dafür haben wir aktuell keinen Anhaltspunkt."

Allerdings bestätigt Söhner, dass IP Mutlimedia bei der Weko unter "Marktbeoachtung" steht, was aber keinem formellen Weko-Verfahren entspreche, wie sie betont. Generell lässt sich sagen, dass jedes marktbeherrschende Unternehmen von den Wettbewerbsbehörden genauer beobachtet wird. Auch steht IP Mulrimedia nicht erst seit Mitte Juli unter Marktbeobachtung, sondern schon "seit einiger Zeit", und zwar aufgrund einer "Intervention", wie Söhner sagt. Es seien damals "die Konstruktion" der Vermarktung sowie die exklusiven Vermarktungsrechte der IP moniert worden. Genaueres gibt die Vizedirektorin nicht preis. "Wir sind jetzt am Erfragen, in diesem Stadium gibt es keine Auskünfte." Ob daraus je ein formelles Verfahren entstehe – sei es eine Vorabklärung oder eine eigentliche Weko-Untersuchung – sei offen.

Die Tatsache aber, dass die IP Multimedia schon "seit einiger Zeit" unter (aktiver) Marktbeobachtung steht, ist pikant. Das deutet darauf hin, dass die Intervention nicht mit dem neuen Deal zusammenhängt, sondern wohl aus dem Radiomarkt kam. Denn nur dort hatte die IP in den letzten Jahren eine eindeutige Vormachtstellung, um nicht zu sagen ein Quasimonopol. Gemäss Brancheninsidern laufen heute rund 80 Prozent aller nationalen Radio-Werbebuchungen über die IP. Mit der erwähnten "Konstruktion" dürfte zudem der oft gehörte Vorwurf gemeint sein, wonach die IP die Werbeblocks auf den TV-Werbefenstern mit viel Freespace fülle. Dieser werde primär jenen Kunden gewährt, die ihre Radio- oder Onlinewerbung über die IP buchen.

Auf diese Weise, so ist zu hören, habe die IP im Laufe der letzten Jahre andern Vermarktern die Kunden abgejagt und sich vorab im Radiobereich Marktanteile zugeschanzt. Selbstredend weist die IP solche Vorwürfe von sich. Aber auch Agenturen und Werbeauftraggeber halten dicht, weil ihnen ja aus diesem Zusammenspiel (kurzfristige) finanzielle Vorteile erwachsen. Einzig hinter vorgehaltener Hand gibt der eine oder andere zu, dass man mitmachen müsse, weil man unter Druck stehe und "weil es alle machen". Gleichzeitig aber wachsen die Sorgen über die längerfristige Markt- und Preisentwicklung, die Abhängigkeit und die Lage der betroffenen Medien (derzeit vorab Radios). Verkompliziert wird das Ganze übrigens dadurch, dass die IP nicht allein am Pranger steht: Ahnliche Vorwürfe werden auch gegenüber Cinecom Publicitas erhoben, wenn auch in weniger ausgeprägtem Mass.

Text: Markus Knöpfli