20.09.2011

"Ja - wir sind erfolgreich!"

Lange waren traurige Bilder sein Alltag: Als Arzt der Inneren Medizin und Neurologie half Philippe Snozzi immer dort, wo es ihn am dringensten brauchte. Heute macht sich der 35-Jährige vor allem als Schönheitsmediziner einen Namen: Mit der ersten Botox-Walk-In-Praxis der Schweiz trifft er den Nerv der Zeit. Wie er und seine Partner Smoothline zum Grosserfolg aufspritzen, erklärt Philippe Snozzi im dritten Teil unserer Start-up-Serie. Zum Interview:
"Ja - wir sind erfolgreich!"

Philippe Snozzi, vor vier Jahren eröffneten Sie die erste Botox-Walk-In-Praxis in der Schweiz. Wie hat sich das Geschäft entwickelt?

Wir fingen sehr klein an. Am Anfang hatten wir unsere Lifestyle-Praxis in Zürich (smoothline.ch) nur einen Tag pro Woche offen. Da wir kurze Zeit später ständig ausgebucht waren, weiteten wir die Öffnungszeiten rasch aus. Heute kann man sich bei uns ausser sonntags immer behandeln lassen - auch über Mittag und bis in den Abend hinein. Zudem konnten wir eben eine neue Praxis in München eröffnen (smoothline.de).

Wie kamen Sie auf die Idee?

Ich machte einmal eine Praxisvertretung bei einem Hausarzt, der auch Botox-Behandlungen anbot und war beeindruckt, wie rege dieses Angebot bei ihm genutzt wurde - die Leute rannten ihm buchstäblich die Tür ein. Auf der anderen Seite fand ich die Durchmischung von Schönheitsmedizin und klassischer Medizin irgendwie unpassend. Das brachte mich auf die Idee, etwas selber aufzuziehen.

Wie geht es Smoothline finanziell?

Wir gründeten die AG mit 100'000 Franken Eigenkapitel. Heute sind wir solid, konnten auch die Expansion nach München finanzieren. Schwarze Zahlen schreiben wir seit dem ersten Jahr. Aber das Geld wird immer wieder investiert. Wir wollen weiter wachsen.

Wie gross ist Ihr Smoothline-Team in Zürich?

Wir haben heute ein Team von zwölf Personen, darunter sind fünf Ärzte, zwei von ihnen arbeiten zu hundert Prozent bei Smoothline.

Wie viele Kunden behandeln Sie pro Tag?

Das sind zwischen 15 bis 30 Personen.

Und wie sieht ihr Kundensegment aus?

85 Prozent sind Frauen und das weibliche Publikum ist sehr heterogen. Die Kundinnen kommen aus allen Gesellschaftsschichten; wir bedienen sowohl Raumpflegerinnen wie auch Uniprofessorinnen. Interessanterweise haben wir auch viele Expats: Viele kommen aus Deutschland, England und den USA. Unsere männliche Klientel kommt eher aus kompetitiveren Berufsgruppen; sprich Anwälte und Ärzte.

Warum kommen mehr Frauen als Männer?

Das hängt mit dem unterschiedlichen Schönheitsideal zusammen. Was bei Männern als schön und interessant empfunden wird, werten Frauen bei sich eher negativ und empfinden es als störend. Zudem ist das Thema Schönheit bei den Frauen einfach präsenter.

Warum haben Sie viele Expats? Hängt das mit den finanziellen Möglichkeiten zusammen?

Ich denke nicht. Wir hatten sie schon zu Beginn bei uns. Sie waren möglicherweise offener für das Thema. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda hat sich ihre Gruppe ständig vergrössert. Ihr Zusammenhalt untereinander ist gross.

Behandeln Sie auch Teenager?

Wir machen keine Faltenbehandlungen bei Teenagern. Selten einmal kann es vorkommen, dass sich junge Erwachsene gegen das übermässige Schwitzen unter den Armen, der sogenannten Hyperhidrosis axillae, behandeln lassen. Das Durchschnittsalter unserer Kunden liegt aber ganz klar zwischen 35 und 55 Jahren.

Die Kunden können spontan bei Smoothline vorbei kommen, online buchen oder sich auf herkömmliche Art einen Termin verschaffen. Welcher Kontaktweg wird am häufigsten gewählt?

Etwas mehr als 50 Prozent der Kundschaft bucht einen Termin auf herkömmliche Art, sprich telefonisch. Zirka 45 Prozent der Kundschaft bucht übers Internet. Weniger als 5 Prozent kommen spontan als Walk-In-Kundinnen vorbei. Der grösste Teil unserer Kundschaft ist berufstätig und hat wenig Valenzen für Arzttermine, die lange Zeit im Voraus geplant werden müssen. Sie schätzen es daher, dass sie bei uns auch kurzfristig einen Termin vereinbaren können. Wir versuchen immer, einen Termin innert 24 Stunden zu ermöglichen.

Wie machen Sie auf sich aufmerksam?

Inzwischen sind wir gut etabliert. Das meiste läuft über Mund-zu-Mund-Propaganda. Dann ist unsere Internetseite auf jeden Fall eine wichtige Anlaufstelle. Wir machen auch immer wieder kleinere Werbekampagnen. Im Moment hängen beispielsweise in den Zürcher Trams Plakate von uns.

Haben Sie eine Agentur zur Unterstützung?

Am Anfang machten wir alles selber, dann arbeiteten wir vorübergehend mit Agenturen zusammen. Inzwischen machen wir das meiste wieder selbst, da sich die Zusammenarbeit oftmals nicht als effizienter erwiesen hat.

Sie gaben zahlreiche Interviews in renommierten Medien der Schweiz. Sogar vom "Kassensturz" beim Schweizer Fernsehen liessen Sie sich ins Kreuzverhör nehmen. Würden Sie sich diesen umstrittenen Auftritt wieder leisten?

Auf jeden Fall. Ich stehe zu dem, was ich mache. Interessanterweise gab es nach dem Auftritt im "Kassensturz" gerade einen Kundenansturm bei uns. Die Leute schätzen, wenn man glaubwürdig und transparent ist und auch über negative Seiten des Jobs spricht.

Ist negative PR besser als gar keine?

Aus marketingtechnischer Sicht wahrscheinlich schon. Aus persönlicher Sicht jedoch nicht; schliesslich hört jeder lieber positive Geschichten über sich.

Bleibt ohne die Medienauftritte der Erfolg aus?

Da es bei uns heute so gut läuft, müssen wir nicht um jeden Preis PR machen. Wir haben bereits viele Stammkunden. Positiv im Gespräch bleiben wollen wir trotzdem. Entscheidend für den Erfolg ist aber in erster Linie die hohe Qualität unserer medizinischen Dienstleistungen.

Als Arzt sind Sie es sich gewohnt, kranken Menschen zu helfen. Stört es Sie nicht, dass Sie sich nun um "Luxus-Problemchen" kümmern müssen?

Darüber kann man lange philosophieren... Ich denke, geleitet hat mich beim Wechsel in die Schönheitsmedizin - neben der Leidenschaft an der Ästhetik - die Freude daran unternehmerisch tätig zu sein. Es macht mir Spass, mit Freunden etwas aufzuziehen, das gut läuft. Ich trenne die Lifestyle-Medizin jedoch klar von der klinischen Tätigkeit in der klassischen Medizin. Das sind für mich zwei verschiedene Dinge.

Hatten Sie nie Skrupel?

Nein. Ich arbeite neben Smoothline noch 50 Prozent im Spital Zollikerberg in der Inneren Medizin. Ich bin weiterhin klinisch tätig und das möchte ich nicht missen, es ist ein guter Ausgleich.

Wie reagieren Ihre Kollegen im Spital Zollikerberg auf Sie?

Wer mich persönlich kennt, hat kein Problem mit meiner Tätigkeit bei Smoothline und findet das positiv. Ein paar Wenige mit Vorbehalten gibt es sicher. Aber das liegt am Thema. Schönheitsmedizin polarisiert immer. Daher nehme ich das nicht persönlich.

Für Botox-Tests müssen unzählige Mäuse leiden. Gibt Ihnen das nicht zu denken?

Doch. Das ist leider so und es ist unschön. Diesen Sommer wurde nun endlich ein alternatives Testverfahren, welches ohne Tierversuche auskommt, von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA zugelassen. In der Schweiz steht die Zulassung noch aus, ich hoffe jedoch, dass sich dies bald ändern wird. Es heisst, dass möglicherweise bereits ab Januar 2012 auch in der Schweiz Tierversuch freies Botox erhältlich sein könnte.

Swissmedic macht immer wieder darauf aufmerksam, dass Botox das gefährlichste Nervengift ist und bei Menschen Lähmungen verursachen kann. Wie sagen Sie das Ihren Kunden?

Swissmedic polemisiert dieses Thema. Bei jedem potenten Wirkstoff spielt die Dosierung eine wichtige Rolle. Solange man Botox fachgerecht verwendet, ist es nicht gefährlicher als jedes andere Medikament auch. Über mögliche Nebenwirkungen werden unsere Kunden selbstverständlich orientiert.

Kam es auch schon zu schweren Nebenwirkungen?

Zu schweren Nebenwirkungen kam es bei Smoothline noch nie. Aber es kommt vor, dass man zwischendurch etwas nachbehandeln muss - jedoch selten.

Lassen Sie sich selbst auch behandeln?

Als Einziger im Team nein. Bis heute stört mich nichts an mir. Und genau das sagen wir auch unseren Kunden: Unsere Behandlungen sind nur dann sinnvoll, wenn einem etwas an seinem Äusseren nicht gefällt. Wahllos darauf los behandeln wir nicht.

Welche nächsten Ziele verfolgen Sie?

Wir werden mit unserem Konzept sowohl in der Schweiz wie auch im Ausland weiter expandieren.

Bild oben: Philippe Snozzi (3.v.l.) mit drei weiteren Ärzten von Smoothline. Bild unten: Praxis in Zürich.

Weitere Artikel aus der Start-up-Serie finden Sie auf: persoenlich.com zu Kids Design und persoenlich.com zu Townhouse


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