Janine Hug, vor einem Jahr eröffneten Sie den Kinderschuhladen NoAna - Shoes for Boys & Girls in Rüschlikon. Wie läufts?
Es ist sehr gut angelaufen. Ich bin mit meinem Schuhgeschäft am linken Zürichsee-Ufer auf ein grosses Bedürfnis gestossen: Qualitativ hochwertige Kinderschuhe im mittleren bis oberen Preissegment bekommt man hier praktisch nirgends. Es gibt vor allem grosse Schuhketten mit eher günstigeren Schuhen. Als Mutter zweier Kinder störte mich das. Ich erkannte das Bedürfnis und handelte.
Schreiben Sie bereits schwarze Zahlen?
Wir schätzen uns glücklich, schon viele Kunden in unserer Kundenkartei zu haben. Die letzten beiden Augustwochen, als es noch so heiss war, verkauften wir die neu eingetroffenen Winterschuhe am Laufmeter. Das zeigt, dass es unserer Kundschaft bei uns gefällt und sie auch immer wieder kommt. Offiziell in den "schwarzen Zahlen" sind wir noch nicht, was bei einem Geschäft dieser Art auch schwierig wäre nach nur einem Jahr.
Mitbewerber gibt es vor allem in der Stadt Zürich. Wie heben Sie sich davon ab?
Auf der einen Seite ist mir die Qualität sehr wichtig. Kinderfüsse müssen sich im Schuh wohl fühlen und atmen können. Zudem achte ich darauf, dass meine Lieferanten möglichst in Europa produzieren und gute Materialien verwendet werden. Auf der anderen Seite investiert NoAna alles in die Kundenfreundlichkeit: Wenn immer möglich begrüssen wir unsere Kunden mit Namen. Falls sie sich nicht für einen Schuh entscheiden oder die (grösseren) Kinder nicht mitnehmen können, dürfen sie schon mal eine Auswahl mit nach Hause nehmen und dort in Ruhe aussuchen. Es kommt auch vor, dass ein Kunde ausserhalb der Ladenöffnungszeiten bei uns einkaufen möchte, wenn es ihm sonst zeitlich nicht passt. Auch wichtig ist uns, dass sich die kleinen Kunden bei uns wohl fühlen. Sie müssen nicht still sitzen sondern dürfen sich gern bewegen und das Geschäft auskundschaften. Am Schluss erhalten sie etwas Spannendes aus der Schatzkiste. Diese individuelle, zuvorkommende Behandlung wird, so glaube ich, von unserer Kundschaft sehr geschätzt.
Wer sind Ihre Kunden?
Durch die ganze Gesellschaftsschicht all jene, denen ein guter Schuh wichtig ist; also längst nicht nur die Bestverdienenden. Zu uns kommen auch Kunden, welche die Kleider für ihre Kinder bei günstigen Modeketten kaufen, die Schuhe aber bei uns.
Sprechen wir über die teuren Schuhe: Warum geben Eltern für ihre Kleinsten so viel Geld aus dafür?
Sind die Füsse gut gebettet, stimmt auch die Körperhaltung und das kommt der Gesundheit zu Gute. Die Schuhe sind wichtig für die Entwicklung und das Wachstums eines Kinderkörpers. Sind sie aus feinstem Kalbs- oder Rindsleder kann man sie natürlich nicht mit einem synthetischen Billigschuh vergleichen. Da ist dann auch ein klarer Preisunterschied zu sehen. Ich denke, dieses Qualitäts- und Komfortbewusstsein ist in den Köpfen unserer Kunden ganz stark verankert. Andere probieren wir davon zu überzeugen. Erst kürzlich war eine Mutter mit ihrem Kind bei uns. Sie meinte, ihr Sohn hätte Problemfüsse. Sie seien zu breit und deshalb fänden sie keine passenden Schuhe. Leider trug ihr Sohn bisher meist Gummistiefel und andere wasserdichte, synthetische Schuhe und das selbst bei warmem Wetter. Seine Füsse konnten einfach nicht atmen und waren ständig angeschwollen. Wir fanden für ihn Schuhe aus echtem Leder, welche in einem italienischen Betrieb produziert wurden. Die trägt er nun und ist total happy damit. Seine vermeintlich zu breiten Füsse sind seither "verschwunden"! Selbstverständlich sind unter unseren Kunden aber auch viele mit einem Flair für Schönes und Modisches. Schuhe dürfen doch schliesslich auch bei Kindern toll aussehen, finden wir jedenfalls.
Denken Sie, dass NoAna auch ausserhalb der "reichen" Zürichsee-Region florieren würde?
Ich denke, auf dem Land gelten wieder andere Kriterien, gerade die Mode hat dort wahrscheinlich einen anderen Stellenwert. Doch die Qualität eines Schuhs hat wirklich nichts mit "Land" oder "Zürichsee" zu tun. Auch auf dem Land sollten Kinder qualitativ hochwertige Schuhe tragen dürfen. Das Konzept von NoAna in Rüschlikon ist jedoch ganz klar auf die Region hier ausgerichtet, rein auf das modische Flair bezogen. Ich würde den Einkauf in einer anderen Region den jeweiligen Bedürfnissen der Kunden anpassen.
Haben Sie schon Expansions-Gelüste?
Wir arbeiten bereits in fünf Teilzeitstellen bei NoAna. Wenn es so weiter geht, kann ich mir sehr gut vorstellen, auch noch ein weiteres Geschäft zu eröffnen. Soweit sind wir noch nicht. Aber träumen darf mal ja schon mal, oder?!
Was bedeutet eigentlich der Name NoAna?
Ich habe zwei Töchter. Noemi und Luana. NoAna entstand aus einer Kombination ihrer Namen.
Wie machen Sie auf NoAna aufmerksam?
Wir liessen von zwei uns bekannten Gymnasiastinnen vor Einkaufscentren und Spielparks Flyers verteilen. Auch hatten wir alle selber immer unsere NoAna-Postkarten dabei und gaben sie an potenzielle Kundinnen ab, die uns irgendwo begegneten. Ebenfalls künden wir unsere neuen Kollektionen jeweils mit Postversänden an. Zudem berichteten verschiedene Medien über uns. Mein Traum wäre es, einmal einen süssen kurzen TV-Spot zu drehen, welcher dann in unserem Lokalfernsehen zu sehen wäre.
Sie führen auch Kundenevents durch...
Wir veranstalten zweimal im Jahr einen Event. So machten wir letztes Jahr einen Weihnachtsmarkt. Diesen Sommer gabs den Kids Fun Day: Die Kinder durften sich schöne Zöpfli-Frisuren machen lassen, wurden herzig geschminkt, bastelten mit einer Künstlerin und durften sich zu guter Letzt noch im Ferrari fotografieren lassen. Die Eltern genossen in der Zwischenzeit ein Glas Prosecco, assen kleine Häppchen und liessen es sich gut gehen. Auch sozial wollen wir uns engagieren. Wir planen einen Aktionstag, an dem wir Geld sammeln für arme Kinder in Bali. Unsere Kinder hier sollen sich dabei für die Kinder in Bali einsetzen. Dieser spezielle Anlass wird Anfangs Dezember bei NoAna im Laden stattfinden.
Wie wichtig sind solche sozialen Engagements fürs Image Ihres Geschäfts?
Imagegründe stehen dabei nicht im Vordergrund. Ich finde, solche Aktionen sind das Mindeste, was wir hier tun können für nicht so privilegierte Kinder, wie wir sie hier haben. Wir hoffen, dass viele unserer kleinen und grossen Kunden mitmachen und unser Vorhaben tatkräftig unterstützen.
Was wollen Sie mit NoAna bis Ende Jahr erreichen?
Ich hoffe natürlich sehr, dass es so weiter geht wie bisher und wir unseren Kunden den besten Service bieten können.
persoenlich.com berichtet in einer losen Serie über erfolgreiche Schweizer Start-ups. Lesen Sie dazu auch den Bericht über die erste Walk-In-Botox-Praxis der Schweiz smoothline.com, die exklusive Geschenkboutique ilovetownhouse.com und den Kindermöbel- und Kleiderstore kidsdesign.ch.
Interview: Christine Schnyder