Melanie Studer, vor knapp einem Jahr eröffneten Sie in Zürich die Patisserie Cupcake Affair. Wie kamen Sie auf die Idee?
Vor einigen Jahren lebte und arbeitete ich eine Weile in England, wo - vor allem in London - Cupcakes total im Trend liegen. Ich hatte mich sehr schnell in die süssen und schön aussehenden Küchlein verliebt. Es kam mir dann die Idee, das Konzept des Cupcake Shops in die Schweiz zu bringen.



Wie hat sich das Geschäft seit der Gründung entwickelt?
Das Geschäft ist sehr gut angelaufen und wir konnten den Umsatz schnell auf ein relativ hohes Niveau steigern. Heute verkaufen wir täglich zwischen 200 bis 600 Cupcakes. Vor der Firmengründung habe ich mit der SAFFA Kontakt aufgenommen - der Bürgschaftgenossenschaft von Frauen für Frauen. Sie stimmte meinem Konzept sofort zu und unterstützte mich bei der Aufnahme eines Betriebskredites.
Haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?
Ich habe erwartet, dass das Geschäft gut laufen wird, habe allerdings nicht damit gerechnet, dass wir bereits im ersten Jahr schwarze Zahlen schreiben werden. Cupcake Affair ist in der Schweiz ein neuartiges und momentan auch einzigartiges Konzept. Bei einem solchen Projekt kann man nie wirklich wissen, was einen erwartet.
Wie gewinnen Sie Kunden?
Wir haben eine sehr gut besuchte Webseite und einen grossen Fankreis auf Facebook (3600 Fans). Damit können wir vor allem unsere jungen Kunden gezielt anschreiben. Wir profitieren aber ganz klar am meisten durch Mund-zu-Mund-Propaganda und verdanken auch viel den lokalen und nationalen Medien, die über uns schreiben.
Wen verführen Sie mit Ihren süssen Törtchen?
Es wird jeder verführt, dem Süsses mundet! Am meisten liebt uns die weibliche, junge Kundschaft. Aber auch Männer verfallen mehr und mehr unseren Cupcakes. Wir haben Stammkunden, welche seit dem ersten Tag noch immer wöchentlich bei uns vorbeikommen! Beliebt sind unsere Törtchen auch an Partys und Hochzeiten.

Ihre Cupcakes kann man nicht nur im Laden kaufen, sondern auch übers Internet bestellen. Wo verkaufen Sie mehr?
Wir verkaufen im Moment mehr Cupcakes über die Ladentheke als online. Der Kunde kommt gerne direkt zu uns ins Geschäft, um die Kuchen zu sehen bevor er sie kauft, und er geniesst das Ambiente bei uns.
Liefern Sie die Törtchen selbst oder machen Sie das per Kurier?
Wir liefern unsere Cupcakes mit einem Kurier. Er ist sehr verlässlich und liefert die Ware ganz und unbeschädigt. Wir haben im Moment kein eigenes Transportsystem.
Was, wenn die Cupcakes auf der Reise trotzdem leiden?
Das kommt sehr selten vor, kann allerdings passieren bei sorgfältig gemachter und heikler Patisserieware. Wir polstern und kühlen unsere Cupcakes so gut es geht.
Welche Törtchen kommen am besten an?
Wir haben einige Klassiker im Sortiment, welche wir nicht ersetzen dürfen. Es sind dies zum Beispiel "Marilyn Monroe" und "Romeo&Julia" - ein Zartbitterschokolade-Himbeer-Cupcake und ein Vanille-Schoko-Cupcake. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass unsere Gäste meist die einfachen Kreationen am meisten schätzen. Der Schweizer kommt eben nicht um seine Schokolade herum!
Sie erfinden die Rezepte selbst. Wie machen Sie das? Woher kommen die Zutaten?
Viele Rezepturen kreierte ich bereits vor der Eröffnung des Ladens, als ich noch von zu Hause aus Cupcakes vertrieb. Ich lasse mich immer wieder von Foodtrends, generellen Süssspeisen und saisonalen Produkten inspirieren und versuche, diese in die Entwicklung eines neuen Cupcakes miteinzubringen. Es braucht viel Übung und Geduld, um ein Produkt schlussendlich so zu präsentieren, dass man voll und ganz dahinter stehen kann. Wir arbeiten mit regionalen Lieferanten zusammen und verwenden nur erstklassige Zutaten.
Ihre Törtchen sehen alle anders aus und wirken wie kleine Kunstwerke. Wer entwirft das Design?
Das Design wird zumeist noch immer von mir entworfen. Ich habe aber ein kreatives Team, welches mir den Rücken mit Ideen stärkt.
Mittlerweile arbeiten sie zu sechst bei Cupcake Affair. Wie setzt sich Ihr Team zusammen?
Wir haben Verkaufs- und Bäckermitarbeiter. Es ist mir wichtig, dass jeder seine definierte Rolle im Team hat und hinter unserem Konzept und Produkt stehen kann.
Sie sagen, Sie backen die besten Cupcakes in der Schweiz. Wer sind ihre Konkurrenten und was sagen die dazu?
Ich möchte behaupten, dass wir sehr gute, qualitativ hochwertige und ästethisch wunderschöne Cupcakes produzieren. Die Konkurrenz ist schweizweit noch nicht sehr gross, da wir im Moment der einzige spezialisierte Cupcakeladen in der Deutschschweiz sind. Einige Bäckereien haben Cupcakes in ihr Sortiment aufgenommen. Ich kann Ihnen nicht sagen, was die Konkurrenz zu unseren Produkten sagt, ich weiss aber, dass wir sehr viele treue und gute Kunden haben, die unsere Cupcakes schätzen.
Bekamen Sie auch schon Feedback aus der Heimat der Cupcakes, aus England?
Wir haben viele amerikanische und englische Expats und Touristen, welche uns besuchen. Sie geben uns ein sehr gutes Feedback. Unsere Cupcakes sind eindeutig weniger süss und zuckrig als diejenigen, welche sie in den Staaten bekommen.
Können Sie sich vorstellen, weitere Patisserien an anderen Standorten in der Schweiz zu eröffnen und das Sortiment zu erweitern mit anderen frischen Lebensmitteln?
Wir sind knapp ein Jahr auf dem Markt und konzentrieren uns derweil auf unser bestehendes Kerngeschäft in Zürich. Wir sind schlussendlich ein Cupcakegeschäft und möchten uns weiterhin auf dieses Gebäck spezialisieren, anstatt eine breite Palette an diversen Produkten anzubieten. Sitzmöglichkeiten vor Ort wären sicher eine schöne Option, allerdings ist Cupcake Affair immer noch ein edles Take Away Konzept.
Welche nächsten Ziele verfolgen Sie mit Cupcake Affair?
Wir möchten unser Kerngeschäft festigen und weiterhin die konstante Qualität unserer Cupcakes sichern. Es ist uns wichtig, innovativ zu bleiben und dem Kunden Abwechslung zu bieten. Wir können uns vorstellen zu expandieren und sind auf jeden Fall offen gegenüber neuen Möglichkeiten.
Weitere Interviews zu unserer Start-up-Serie finden Sie unter: persoenlich.com zu Smoothline, persoenlich.com zu Kids Design, persoenlich.com zu Townhouse.
Interview: Christine Schnyder

