Zu Beginn der Woche sorgte ein Giftanschlag auf den Bürgermeister der österreichischen Gemeinde Spitz für Schlagzeilen in den Medien. Er fand am Samstagvormittag an der Windschutzscheibe seines Wagens eine Mon-Chérie-Praline samt kleinem Kärtchen mit zwei aufgemalten Herzen. Das Stück Schokolade war mit Strychnin vergiftet. Nachdem der Bürgermeister die Praline gegessen hatte, brach er zusammen und musste reanimiert werden. Er befindet sich laut Medienberichten immer noch im künstlichen Koma.
Nebst der Diskussion über die Hintergründe und Täter des Anschlags, sind auch -- vielleicht etwas unpassend -- die Folgen für die Marke Mon Chérie zum Thema geworden. Der Giftanschlag auf den Bürgermeister wird nach Ansicht von Branchenexperten der Marke Mon Chérie keinen langfristigen Schaden zufügen.
Medienpräsenz könnte Marke sogar helfen
"Die derzeitigen Pressemeldungen sollten kein Problem sein. "Dafür ist die Marke Mon Chéri zu stark", erläutert Gereon Friederes, Geschäftsführer des Markt- und Markenforschungsunternehmens marketmind, gegenübe pressetext. Langfristig helfe sogar die verstärkte Medienpräsenz der Marke, "die als eine der letzten verbliebenen Monomarken nicht allzu reich mit den Ferrero-Werbemillionen ausgestattet ist", so Friederes.
Aufgrund der aktuellen Pressemeldungen seien generell zwei stark gegenläufige Effekte zu beobachten. "Zum einen wird die Marke Mon Chéri ständig aktualisiert, so dass sich die Gedächtnispräsenz erhöht. Der erhöhten Markenaktualität wirkt jedoch eine emotionale Schwächung entgegen, da durch den Giftanschlag Angst und Ekel hervorgerufen und auf den Markennamen transferiert werden", ortet Friederes auch einen Negativeffekt.
Kampagne gegen emotionale Schwächung empfohlen
Der Nettoeffekt sei schwer abschätzbar. "Am ehesten würde ich vermuten, dass es kurzfristig zu Einbussen in den Verkaufszahlen kommt, langfristig aber die Marke unbeschadet bleibt, vielleicht sogar mittelfristig von der häufigen Nennung in den letzten Tagen profitiert", so der Experte im Gespräch mit pressetext. Wesentlich sei, so Friederes, auf der emotionalen Seite gegenzusteuern und Mon Chéri mit den beiden wichtigen Markenwerten "Genuss" und "Verführung" aufzuladen. "Ideal wäre eine Medienplanung, die drei Wochen nach Ablaufen der medialen Berichterstattung zum Giftanschlag einsetzt", ergänzt Friederes.
Marketingexperte Reinhard Grohs von der Universität Wien bläst ins gleiche Horn: "Ich glaube nicht an relevante Auswirkungen auf das Image der Marke Mon Chéri, weil die Konsumenten mündig sind und ihnen klar ist, dass Mon Chéri unschuldig zum Handkuss kommt", so Grohs zu pressetext. Anders wäre dies laut Grohs bei einem Sponsoring zu sehen, wo negativ wahrgenommene Sportereignisse wie etwa Doping und deren Sponsoren eher affektiv verarbeitet werden und dadurch die Trennung zwischen Unternehmen und Sponsorobjekt weniger stark gezogen wird.