Herr Rohner, was hat den Ausschlag gegeben, die Publicitas zu verkaufen?
Der Verwaltungsrat der PubliGroupe hat bereits vor einiger Zeit entschieden, die PubliGroupe auf die digitalen Geschäftsfelder und auf Wachstumsmärkte auszurichten. Aufgrund dieses strategischen Entscheides war auch klar, dass die Publicitas bei einem neuen Eigentümer, der sich voll auf die Publicitas konzentrieren kann, besser aufgehoben ist. Die Entscheidung der NZZ, per Ende 2014 in die Eigenvermarktung zu gehen, hat diesen Entscheid erleichtert. Der jetzige Zeitpunkt sich neu aufzustellen, mit einem neuen Eigentümer, der die langfristigen Pläne unterstützt, ist auch aus Sicht der Publicitas ideal.
Wann haben Sie diesen Entscheid getroffen?
Anlässlich der Generalversammlung im Frühjahr 2013 haben wir dargelegt, dass sich Verwaltungsrat und Geschäftsleitung von PubliGroupe intensiv mit der zukünftigen Ausrichtung von Publicitas befassen und dabei sämtliche Szenarien in ihre Überlegungen miteinbeziehen werden. Im August 2013 haben wir die Zukunftsstrategie für Publicitas von Alain D. Bandle, CEO Media Sales, verabschiedet. Vor dem Hintergrund des auch in Zukunft zu erwartenden extrem anspruchsvollen Marktumfeldes im Bereich Werbevermarktung haben Verwaltungsrat und Geschäftsleitung von PubliGroupe zusammen mit Alain D. Bandle entschieden, Publicitas unabhängig von PubliGroupe am Markt agieren zu lassen.
Mit wie vielen Interessenten waren Sie im Gespräch?
Es war ein offener, professioneller Prozess mit vielen nationalen und internationalen interessenten. Am Ende haben wir zwischen zwei verbindlichen Offerten entscheiden können.
Was hat den Ausschlag für Aurelius gegeben?
Wir freuen uns, mit Aurelius einen Käufer gefunden zu haben, der die Pläne von Publicitas als Werbevermarkter über alle Medienkategorien hinweg weiter mit Konsequenz vorantreiben will. Wir sind überzeugt, dass Publicitas eingebettet in ein starkes Umfeld, wie es Aurelius bieten kann, über den nötigen Handlungsspielraum verfügt, um erfolgreich im Markt operieren zu können.
Was bedeutet der Verkauf der Publicitas für die PubliGroupe?
PubliGroupe wird nun ihre Strategie ausgerichtet auf das digitale Geschäft beschleunigt umsetzen können und sich nach dem Verkauf von Publicitas vollständig auf ihre technologieorientierten Aktivitäten in den Bereichen Werbung und Performance-Marketing konzentrieren. Finanziell betrachtet führt der Verkauf von Publicitas dazu, dass der Umsatz runter, die Profitabilität jedoch deutlich hoch gehen wird.
Kommt es jetzt bei der PubliGroupe zu einem Stellenabbau?
Der Personalbestand am PubliGroupe-Headquarter ist in den letzten drei jahren nahezu halbiert worden. Heute arbeiten im Headquarter 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Diese Struktur wird jetzt erneut überprueft und angepasst werden.
Wird die PubliGroupe im digitalen Bereich expandieren oder wollen Sie zuerst den Status Quo beibehalten?
Wir werden weiter investieren in den Bereich AdTrading/AdTechnology/Data etc. Es ist klar, dass wir unser bestehendes Portfeuille in diesen Gebieten verstärken werden, entweder über Käufe im Namen unserer Tochtergesellschaften - wie letztes Jahr, als wir Metrigo bei Zanox gekauft haben - oder direkt über PubliGroupe. Technisch gesehen steht das sogenannte Real Time Advertising im Zentrum, das in den nächsten Jahren einen signifikanten Anteil am Gesamtmarkt erreichen wird. Entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit in diesem System ist nur eines: Daten zur Nutzung und zu den Nutzern. Sie sind der Schlüssel zur Vermarktung, und sie sind die neue Währung, in der die Medienplattformen mit den Werbetreibenden abrechnen müssen.
Wo steht die PubliGroupe in fünf Jahren?
Es liegt auf der Hand, dass im neuen Zusammenspiel von Verlagshäusern und Werbeauftraggebern der Komplexitätsgrad massiv zunehmen wird und nur mit hohen zusätzlichen IT-Investitionen zu bewältigen sein wird. Der Preis für die Technologie-Kompetenz dürfte jedoch viele überfordern. Für PubliGroupe und ihre Tochterunternehmen als Intermediär zwischen Verlegern/Publishern, vor allem auch digitale Publishern, und Werbekunden bietet das jedoch neue Möglichkeiten. Mit unseren Serviceleistungen können die Publisher mit ihrem Werberaum auf die Nachfrager treffen und bei Übereinstimmung "programmatic" und "real-time" zum Deal kommen. In der Fokussierung auf die digitalen Geschäftsfelder handelt es sich um den entscheidenden Schritt in diese neue, hoch-technologisierte Welt. PubliGroupe wird ein führender Anbieter in diesen neuen Werbe- und Marketingwelten.
Halten Sie am Standort Lausanne fest oder ziehen Sie langfristig einen Wechsel in die Deutschschweiz in Kraft?
Lausanne ist und bleibt der Standort der PubliGroupe.
"persönlich" und persoenlich.com gehören auch zur PubliGroupe. Was bedeutet dieser Verkauf für unser Medium?
"persönlich" soll weiterhin die führende und völlig unabhängige Kommunikationsplattform bleiben.
Interview: Matthias Ackeret//Bild: zVg