Herr Studer, welche Bilanz ziehen Sie nach Ablauf der ersten Hälfte des Autosalons?
Mein Fazit ist absolut positiv. Trotz der Schneefälle, die zu prekären Strassenverhältnissen geführt haben, sind die Besucherzahlen im Vergleich zum vergangenen Jahr gestiegen. Dank der Kooperation mit den SBB und den städtischen Behörden verzeichnen wir weit weniger Verkehrsprobleme in Genf als auch schon, es gab kaum Staus.
Sie haben vor der Ausstellung gesagt, Sie hoffen auf 800'000 Besucher. Werden Sie dieses Ziel erreichen?
Ob wir den Zielwert von 800'000 Besuchern erreichen werden, hängt vom Verlauf des Wetters ab. Sicher ist, dass am Wochenende aufgrund der Wetterverhältnisse viele Besucher zu Hause bleiben mussten. Trotzdem verzeichnen wir bei den Eintritten im Vergleich zum letzten Jahr einen Anstieg von rund drei Prozent.
Bundespräsident Samuel Schmid hat bei seiner Eröffnungsrede für eine vernünftige, umweltverträgliche Mobilität plädiert. Geht der Trend in diese Richtung?
Der Bundespräsident hat in seiner Rede vor allem betont, dass jeder Verkehrsträger in diesem Land seinen Platz haben soll. Was die Umweltverträglichkeit des Privatverkehrs betrifft, stelle ich eine positive Entwicklung fest. Am Salon werden Hybrid-Fahrzeuge präsentiert, die schon im Verkauf stehen. Zugleich werden immer sparsamere Motoren entwickelt. Partikelfilter scheiden mittlerweile hundert Prozent der Russpartikel aus.
Gibt es nicht eine Tendenz zu noch mehr PS und noch stärkerer Motoren...
Mir stechen vor allem folgende Tendenzen ins Auge: Aus einer Marketing-Perspektive heraus gesehen, haben wir es in unserer Branche erstens immer mehr mit einem Markt der Nischen zu tun. Und dies in allen Segmenten, vom Mikrowagen bis zum Luxusfahrzeug. Zweitens herrscht auch bei grossen Marken ein Trend zu Kleinwagen vor. Und drittens gibt es in der Tat eine Entwicklung hin zu leistungsstarken Motoren. Die werden aber nicht fabriziert, damit die Konsumenten mit 220 Sachen über die Autobahn blochen, sondern um bei einer kleinen Motorenauslastung auch aus Sicherheitsgründen rasch beschleunigen zu können.
Der Autosalon gilt als Stimmungsbarometer der Automobilbranche. Wie ist die Befindlichkeit in Genf?
Die Stimmung ist nicht schlecht. Der Automobilmarkt ist leicht verschnupft, aber auf keinen Fall krank. Zwar herrscht in Europa eine Stagnation vor, in den neuen Märkten wie Indien und China läuft der Absatz jedoch sehr gut. Dies gibt den Herstellern Chancen in diese neuen Gebiete einzudringen.
In der Schweiz verläuft der Verkauf von Personenwagen rückläufig...
Die Schweizer zeigen sich sehr interessiert am Auto. Jedoch ist der Automobilpark hierzulande dank den regelmässigen Kontrollen bei den Strassenverkehrsämtern in hervorragendem Zustand. Bei uns muss niemand Autos kaufen. Obwohl kein dringender Handlungsbedarf besteht, werden jährlich trotzdem immerhin 270'000 Autos verkauft.
In der Schweiz gibt es keine Autoindustrie. Ist das für die Durchführung eines Salons ein Vor- oder ein Nachteil?
In Genf kommt jede Marke ohne Berücksichtigung der Interessen der nationalen Industrie zu ihrem Stand. Das schätzen die Hersteller. Im Gegensatz dazu haben etwa in Frankfurt vor allem die deutschen Marken riesige Stände, die anderen Hersteller haben das Nachsehen.
Wie wird die Standfläche verteilt. Wer erhält den Vorzug im Gerangel um die besten Standorte?
Das gesamte Festivalgelände umfasst 140'000 Quadratmeter, 78'000 davon werden den Anbieter zugeteilt. Die Nachfrage ist dabei zehn Prozent über der Fläche, die wir anbieten können. Wir betrachten die Marktanteile in der Schweiz, in Europa und in der Welt. Die Entscheidung, welcher Anbieter an welchem Standort ausstellen darf, wird anhand dieser Kriterien gefällt.
Die Palexpo schreibt rote Zahlen, Messeveranstalter ziehen andere Standorte gegenüber Genf vorgezogen. Haben Sie auch schon an einen Umzug gedacht?
Nein, keineswegs. Der Automobilsalon wird seit 1924 in Genf durchgeführt und entsprechend stark hier verankert. Bedenken Sie, dass der Automobilsalon jährlich für die Region Genf rund 160 Millionen Franken ab wirft. Zugleich sprechen sich auch die Hersteller immer wieder für den Standort Genf aus. Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es eine Ausstellung, die alle Stände unter einem Dach auf einem Geschoss vereint. Wir könnten den Salon also an keinem anderen Ort als hier in Genf durchführen.