Lichtshow für Präsenz Schweiz

Projektil - Roman Beranek über das Spektakel in Seoul.

Im Auftrag von Präsenz Schweiz und dem Departement des Äusseren hat die kleine Zürcher Projektionsagentur Projektil gemeinsam mit Starlight Events einen Mammutauftrag in Südkoreas Hauptstadt Seoul realisiert. Im Rahmen der Expo 2012 in Yeosu und der Swiss Weeks, mit denen 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen der Schweiz und Südkorea gefeiert wurde, projiizierten das kleine Team im März unter dem Titel "Oceans and Costs" bekannte und weniger bekannte Bilder und Orte der Schweiz. Roman Beranek, Creative Director des Projekts, hat "persoenlich.com" dazu einige Fragen beantwortet.

Herr Beranek, Sie haben mit Projektil ein riesiges Gebäude in Seoul bestrahlt. Was stand im Briefing?

Es ging darum die Schweiz mit dem Thema der Expo in Yeosu in Verbindung zu bringen. Dieses lautet: "Oceans and Costs". Da die Schweiz keine Küsten hat, aber mit seinen Quellen eigentlich der Ursprung allen Wassers ist, entstand das Thema "The source - it's in your hands". Nun galt es eine Geschichte zu kreieren, die den Fluss des Wassers erzählt. Vom Berg zum Ozean quasi. Typische Schweizer Eigenheiten sollten vorkommen, ohne aber zu klischeehaft zu wirken. Viele Schweizer Klischees, welche im asiatischen Raum gut ankommen, wurden daher intensiver durch die Musik eingebracht, als durch die Bildwelten.

Was war die Herausforderung?

Die Geschichte und die "mapping"-Effekte so zu vereinen, dass sie eine emotionale Wirkung erzielen. Effektspielerei mit klassischem Storytelling zu vereinen. aNicht zu kitschig zu werden, obwohl wir mit Klischees gearbeitet haben.

Die ganze Show ist speziell auf das Gebäude abgestimmt. Haben Sie die Projektion erst vor Ort entwickelt?

Nein, das wäre zeitlich unmöglich gewesen. Wir haben die Fassade über Google Earth und von Fotos ausgemessen und als 3D-Modell nachgebaut. Dann haben wir auf dieses 3D-Objekt animiert und vor Ort so gemappt, dass es genau passt.

Was sind die technischen Voraussetzungen einer solchen Show?

Vier leistungsstarke Beamer mit 20'000 Ansi-Lumen, zwei Medienserver, ein kräftiges Soundsystem.

Das Schweizer Team in Seoul (v.l.n.r.): Urs Gysin (Starlight Events), Martin Inderbitzin, Jonas Staub, Roman Beranek (alle Projektil).

Diese Art von Lichtdesign ist für die Schweiz ziemlich einzigartig. Wo holt man sich die Inspiration dafür?

Die Franzosen machen diese Art von Lichtkunst bereits seit 20 Jahren. Angefangen hat alles in Lyon an der Fête des lumières. Daraus hat sich mittlerweile so etwas wie ein riesiges Volksfest entwickelt, mit zahlreichen Installationen, die über die Stadt verteilt sind. In letzter Zeit ist das sogenannte "mapping" aber auch sonst ziemlich aufgekommen. In Deutschland, in Grossbritannien, in den Niederlangen, in Kanada - überall gibt es talentierte Leute. Dadurch, dass wir viel unterwegs sind, lassen wir uns auch gerne immer wieder von der "Konkurrenz" inspirieren.

Wie lange arbeitet Sie an so einem Projekt wie jenem in Seoul?

Daran arbeiten fünf bis sechs Leute 3 bis vier Monate lang.

Gibt es auch kulturelle Besonderheiten, auf die man achten muss?

Bildsprache ist im Allgemeinen sehr kulturell geprägt. Für uns ist rot etwas anderes als für einen Chinesen. Man muss vorsichtig sein, vor allem wen man sich der Symbolsprache bedient. Wenn wir unsicher sind, fragen wir bei einem lokalen Experten nach. Oder aber wir ziehen ihn gleich von Anfang weg für die Kreation des Storyboards bei, wie z.B. das Projekt in Cusco. Im Fall von Seoul haben wir plötzlich erfahren, dass der Staudamm das Wappen von Nordkorea ist. Doch der Schweizer Botschafter in Seoul versicherte uns dann, dass der Staudamm in der Show völlig in Ordnung gehe.

Woran arbeiten Sie derzeit sonst noch?

Wir haben eben erst eine Show für planetSolar in Monaco gemacht, zur Feier der ersten solaren Weltumrundung auf dem Wasser. Dazu zeigen wir unsere Arbeiten an verschiedenen Lichtfestivals wie dem im polnischen Torun. Zudem wird unsereShow in Cusco, Peru dieses Jahr nochmals zu sehen sein. Und dann arbeiten wir am Gaffta Projekt in San Francisco, das die Erhellung der Marketstreet vorsieht. Ein Projekt das wir in Zusammenarbeit mit swissnex San Franzisco machen. Dazu kommen Fixinstallationen in Clubs und Showrooms, wo das sogenannte "mapping" mit Sensoren erweitert wird, damit Echtzeit-Simulationen möglich werden.

Interview: Adrian Schräder

Kunde: Präsenz Schweiz. Verantwortlich bei Projektil: Martin Inderbitzin (Führung der Animationsproduktion, kreatives Projektmanagement, Sound und Bild), Jonas Staub (Technischer Lead, Projektmanagement, kreative Beratung), Roman Beranek (Konzept, Storyboard, Creative Direction). Executive Production: Starlightevents. Animation Production: Physalia, Tal Gliks. Music & Sound Design: Aimar Molero, Sytse Wierenga.