Pascal Koenig, Limmex-Uhren gibt es ab sofort in der Schweiz. Wie kamen Sie auf die Idee, diese Notruf-Uhr zu entwickeln?
In der Stadt Zürich werden wöchentlich Menschen tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Sie bleiben teilweise Stunden oder sogar Tage unentdeckt. Häufig handelt es sich um ältere Menschen, die alleine leben. Diese Tatsache gab uns zu denken. Wir kennen uns mit Sicherheitstechnologien und Telemedizin gut aus. Also entschieden wir, Lösungsansätze für dieses Problem zu entwickeln. Nach drei Jahren harter Arbeit mit führenden Partnern verschiedenster Fachgebiete ist Limmex nun Realität geworden.
Zur Auslösung von Notrufen gibt es doch bereits Handys. Was macht die Limmex-Uhr besser?
Die Erfahrung zeigt, dass Handys bei einem Sturz oder anderen Problemen häufig nicht in Reichweite sind. Unsere Marktforschung belegt, dass es keinen besseren Ort gibt für ein Notrufsystem als die Armbanduhr: sie wird ständig getragen und ist jederzeit in Reichweite. Dass man eine Uhr nicht als Notruf-System wahrnimmt, ist ein wichtiger Nebeneffekt.
Wie funktioniert die Uhr konkret? Können Sie ein Beispiel machen?
Mit der Limmex-Uhr kann man per Knopfdruck Hilfe anfordern und mit vorab ausgewählten Personen (z.B. Angehörigen, Notrufzentrale, Arzt) sprechen. Die Notruf-Uhr funktioniert in der ganzen Schweiz und benötigt keinerlei Installation.
Und für wen ist sie gedacht?
Die Einsatzmöglichkeiten der Notruf-Uhr sind vielfältig: Im Berufsleben erhöht Limmex die Sicherheit von Menschen, die in einem risikoreichen Arbeitsumfeld oder alleine arbeiten. Dies können Mitarbeiter im Sicherheitsbereich, Angestellte einer 24h-Tankstelle, Schichtarbeiter wie auch Notärzte sein. Ebenso wird Limmex zukünftig vielen Privatpersonen mehr Sicherheit bieten: Sportler, die draussen verunfallen oder Kinder, die im Notfall per Knopfdruck Kontakt mit den Eltern aufnehmen können. Die Notruf-Uhr steigert zudem die Lebensqualität von Menschen mit Krankheiten wie Epilepsie, Herzproblemen oder starken Allergien, welche im Notfall auf schnelle Hilfe angewiesen sind.
Wo gibt es noch Schwachstellen?
Die Limmex-Uhr enthält eine miniaturisierte SIM-Karte der Swisscom. Genauso wie Sie mit einem Handy nicht überall Empfang haben, ist dies auch bei der Limmex-Uhr der Fall. Wenn Sie aber von der eingeschränkten Reichweite heutiger Notruf-Geräte ausgehen, sind wir mit der Limmex-Uhr einen grossen Schritt vorwärts gekommen.
Für die Limmex-Uhr braucht es ein Mobilfunk-Abo. Das kostet im Jahr bis zu 420 Franken. Wie rechtfertigen Sie diesen stolzen Preis?
Das Limmex-Abonnement kostet je nach gewünschtem Service CHF 25.- oder CHF 35.- pro Monat. Wenn Sie bedenken, dass in diesen Gebühren ein Swisscom-Abo, die für Notfälle anfallenden Gesprächskosten und die jederzeitige Verfügbarkeit einer professionellen Notruf-Zentrale enthalten ist, erscheint der Preis plötzlich nicht mehr allzu stolz. Und wenn die Uhr Ihr Leben oder das eines Angehörigen rettet oder auch nur hilft, ein unabhängiges, sicheres Leben zu gestalten, ist das Angebot unschlagbar.
Wer sind Ihre Mitbewerber?
Die Mitbewerber sind je nach Einsatzgebiet sehr unterschiedlich. Im Alters- und medizinischen Bereich sind es vor allem die Anbieter stationärer Notruf-Lösungen, die nur zu Hause funktionieren, stigmatisierend sind und eine Installation erfordern. Im beruflichen Umfeld sind es die Anbieter von Funkgeräten, die sich für den verdeckten Einsatz nicht eignen und kostspielig sind. Bei Kindern sind es Anbieter von GPS-Trackern; solche Produkte stossen bei vielen Eltern auf Ablehnung, da man die Kinder nicht überwachen will. In diversen weiteren Anwendungsbereichen gibt es bis heute keine überzeugende Lösung zur Erhöhung der Sicherheit.
Bei Limmex arbeitet ein Team von zehn Personen. Wie viele Uhren stellen Sie her und wie viel Durchhaltevermögen haben Sie finanziell?
Unser Team wird kontinuierlich ergänzt. Die Produktion im Kanton Solothurn ist momentan ausgelegt auf die Herstellung von ca. 100 Uhren pro Woche, kann aber relativ schnell skaliert werden. Wann wir zum ersten Mal schwarze Zahlen schreiben, hängt massgeblich vom Internationalisierungstempo ab. Mit den aktuellen Investoren haben wir finanzkräftige Partner im Boot, die Limmex langfristig und nachhaltig zum Erfolg führen wollen.
Die Uhr wird in der Schweiz hergestellt und kostet zwischen 500 und 750 Franken. Steckt eine grosse Uhrenmarke dahinter oder woher nehmen Sie das Know-how?
Unser Designer Pascal Stübi, der laut "Bilanz" zu den 50 einflussreichsten Persönlichkeiten der Uhrenindustrie gehört, ist einer der Mitgründer von Limmex. Daneben haben unsere Investoren Andy Rihs, René Braginsky und Adrian Gut beste Verbindungen zur Uhrenindustrie. Die Türen zum Uhren-Know-how sind somit weit offen für Limmex. Diese Nähe zur Uhrenindustrie erachten wir übrigens als eine der Schlüsselfaktoren für Limmex: Es gibt keinen Ort auf der Welt, wo man innerhalb so kurzer Distanz Zugang zu führenden technischen Institutionen (inkl. CSEM, ETH, EPFL), zu Weltmarkt-Führern wie der Phonak und gleichzeitig den besten Uhrenunternehmen der Welt hat.
Wirz ist für die Vermarktung der Limmex-Uhren verantwortlich (siehe auch: persoenlich.com zu: Wirz über Limmex-Uhren. Wie wird die Marke positioniert?
Die Positionierung von Limmex war herausfordernd: ist Limmex eine Uhr mit Zusatzfunktionalität oder ein Sicherheitssystem als Uhr verpackt? Gemeinsam mit Wirz sind wir den Weg gegangen, der jetzt auf limmex.com ersichtlich ist.
Das heisst?
Starker Fokus auf den Nutzen von Limmex: Sicherheit auf Knopfdruck, und das, wo immer man ist. Auch wenn Limmex nicht als Uhr mit einer Zusatzfunktion positioniert ist, verschweigen wir die Nähe zur Uhrenindustrie nicht: Design ist ein wichtiger USP für Limmex. Weiter ist die Positionierung von den Anwendungsgebieten sehr breit gehalten. Unser Ziel ist, von spezifischen Anwendungsgebieten über Zeit in einen Massenmarkt zu gelangen.
Und wie wird Limmex beworben?
In einer ersten Phase setzen wir stark auf Medienarbeit: Limmex trifft eine Marktlücke in einem Bereich, der gesellschaftlich hoch relevant ist. Innovation im Zusammenhang mit der Uhrenindustrie eine der Schlüsselindustrien der Schweiz bringt uns zusätzliches Interesse. Aber: selbstverständlich reicht Medienpräsenz nicht. Gemeinsam mit unseren Partnerunternehmen der Uhren- und Schmuckkette Christ, Klinik Hirslanden, Patientenorganisationen, Pro Senectute, Swisscom Motcom etc. werden momentan spezifische Vertriebsaktivitäten erarbeitet.
Ihre Fotos überraschen. Die Testimonials wirken verschlafen. Was ist die Idee dahinter?
Die Fotos haben intensive Diskussionen ausgelöst und polarisieren. Genauso wie Wirz bin ich jedoch der Meinung, dass die von Wolfgang Flamisch gemachten Bilder eine unglaubliche Kraft haben. Sicherheit ist ein alltägliches, unaufgeregtes Thema, das alle Menschen betrifft. Weshalb sollte man in der Bildsprache 20-jährige geschminkte Topmodels präsentieren? Eine Kundin hat uns vor einigen Tagen geschrieben, dass sie das Foto der Sportlerin immer und immer wieder anschauen müsse ich bin überzeugt, dass der von Wirz resp. Wolfgang Flamisch geschaffene Bildauftritt nicht nur bei vielen Kundinnen und Kunden ankommt, sondern auch in der Werbebranche neue Akzente setzen wird.
Im Verwaltungsrat und unter Ihren Partnern sitzen bekannte Grössen wie Andy Rhis, René Braginsky oder die Hirslanden Gruppe. Wie wichtig sind grosse Namen für einen neuen Brand?
Grosse Namen geben Sicherheit das ist für jedes Jungunternehmen wichtig. Wenn es nur um den Namen geht dürfte das allerdings nicht allzu nachhaltig sein: wichtig ist, dass sich die Leute oder Organisationen engagieren und Know-how einbringen.
Die Notruf-Uhren gibt es in den Filialen von Christ Uhren und Schmuck. Warum gerade dort?
Genauso wie die meisten Menschen kein stigmatisierendes Notruf-Gerät möchten, soll auch der Verkaufskanal anregend sein. Gerade im Alterssegment dürfte dies zum Erfolg beitragen: Ältere Menschen möchten kein Notruf-Gerät aus dem Sanitätsgeschäft. Viele Leute haben uns übrigens mitgeteilt, dass sie ihren Eltern eine Limmex-Uhr schenken möchten ein Geschenk aus einem Uhrenladen wird bestimmt gut ankommen.
Sind noch andere Vertriebskanäle geplant?
Neben dem Uhrenkanal sind verschiedene weitere Kanäle geplant: Spitäler, wo austretende Patienten von der Limmex-Uhr profitieren können. Patientenverbände, welche die Technologie ihren Mitgliedern verfügbar machen möchten. Organisationen wie Motcom, die Limmex im beruflichen Umfeld anbieten, etc. Grosses Interesse an Vertriebspartnerschaften kommt auch von Mobilfunkanbietern hier sind wir in Gesprächen. Last but not least kann die gesamte Uhrenkollektion über www.limmex.com gekauft werden.
Wann wollen Sie damit ins Ausland?
Erstes Ziel ist eine solide Markteinführung in der Schweiz. Sobald dies funktioniert ist eine Internationalisierung geplant: Die Technologie ist universal einsetzbar und das Label "Swiss Made" ist bei Uhren im Ausland fast noch begehrter als bei uns.
Interview: Christine Schnyder