"TeleVision 2005, Welcher Sport wirkt. Wieso?" heisst der Titel der publisuisse-Veanstaltung im Fernsehstudio Leutschenbach. Kann man diese Frage überhaupt schlüssig beantworten?
Es gibt kein allgemein geltendes, für jeden Spot anwendbares Rezept. Es ist auch nicht so, dass ein Millionen-Produktionsbudget automatisch zu einem erfolgreichen Spot führt. Es gibt aber eine ganze Reihe von Tipps und Anregungen, deren Anwendung die Chance deutlich erhöht. Diese sind auf unserer Homepage in der Rubrik TeleVision nachzulesen (http://www.publisuisse.ch/direkt/television05.cfm). Ausschlaggebend ist aus meiner Sicht das Credo von Martin Spillmann, Creative Director von SFLB: "Eine überzeugende Idee ist wichtiger als ein riesiges Produktionsbudget."
Die publisuisse feiert dieses Jahr seinen 40. Geburtstag. Wie feiern Sie diesen Anlass?
Mit einem grossen Jubiläumsfest am Donnerstag, 16. Juni 2005 in der Schiffswerft Wollishofen. Dazu erwarten wir Gäste aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Medien, so zum Beispiel auch den höchsten "Kommunikationschef" des Landes, Bundesrat Moritz Leuenberger.
Fernsehwerbung ist momentan im Trend. In welche Richtung entwickelt sich der TV-Spot?
Es stimmt, dass Fernsehwerbung im Trend liegt. Dies hat neben der unbestrittenen Werbewirkung aufgrund der starken Kombination von Ton, Bild und Bewegung, welche starke emotionale Botschaften ermöglichen, auch mit der Internationalisierung der Wirtschaft zu tun. Es werden immer mehr Euro-Brands aufgebaut, die über den ganzen Kontinent hinweg gleich positioniert werden und somit auch überall gleich oder ähnlich beworben werden. Von dieser Entwicklung profitiert ganz speziell die TV-Werbung. Beim heutigen Angebot an gleichen oder austauschbaren Produkten wird die Emotionalisierung und Positionierung der Marke immer wichtiger. Hierzu eignet sich TV-Werbung hervorragend. Entsprechend ist auch ein Trend in den TV-Spots zur Emotionalisierung festzustellen.
Jetzt nehmen Sie fast schon eine Monopolstellung ein. Inwiefern ist dies für Sie problematisch?
Ich bin nicht überhaupt nicht der Ansicht, dass wir eine Monopolstellung einnehmen. Mit der Vermarktung der Programme der SRG SSR idée suisse haben wir zwar eine sehr starke Stellung als Marktleader und kommen auf einen Marktanteil von 61Prozent der Bruttowerbeinvestitionen in der TV-Werbung. Damit sind wir jedoch weit entfernt, Monopolist zu sein. Da sieht es ja bei anderen Mediagattungen teils noch ganz anders aus.
Gibt es in der Schweiz überhaupt noch einen Wachstumsmarkt für Fernsehwerbung?
Ja sicher. Auch im internationalen Vergleich haben wir durchaus noch Wachstumspotential in der Schweiz. Wie bereits erwähnt, liegt TV in der Schweiz momentan im Trend. Nach Jahren der Konzentration auf POS-Aktivitäten und auf Abverkaufsmassnahmen, wird aktuell wieder vermehrt Gewicht darauf gelegt, Marken und Unternehmen mittels emotionalen Botschaften ins Zentrum der Kommunikation zu rücken. Dafür eignet sich das Medium Fernsehen in hohem Masse.
Mit dem digitalen Fernsehen kann man zukünftig TV-Spots überspringen. Verlieren dann die Spots ihre Bedeutung?
Nein, überhaupt nicht. Auch in Zukunft wird der klassische TV-Spot Haupteinnahmequelle bleiben. Berechnungen und Schätzungen gehen zwar mittel- bis langfristig von einem gewissen Gefahrenpotential aus, blenden dabei aber auch aus, dass sich mit der Digitalisierung auch viele Chancen wie interaktive TV-Spots bieten. England ist dafür das beste Beispiel. Auch betrachten die meisten TV-Zuschauer Fernsehen als Unterhaltungsmedium und wollen nicht Programmdirektor spielen. Studien haben auch gezeigt, dass die Akzeptanz von Werbung stark abhängig von der Anzahl und der Dauer der Werbeblöcke ist. Mit ihren kurzen und wenigen Blöcken haben hier die Programme der SRG SSR sehr gute Karten. Dies umso mehr, weil das Überspringen der Werbung auch in der digitalen Welt trotz allem einen gewissen Aufwand mit sich bringt, werden viele ZuschauerInnen diese kurzen Blöcke einfach laufen lassen. Da bin ich überzeugt. Zudem sind die SRG-SSR-Programme mit ihren vielen News-, Aktualitäten- und Livesendungen längst nicht so anfällig auf das Überspringen, resp. zeitversetzte Fernsehschauen wie reine "Konservenprogramme", die primär auf Spielfilme und Serien setzen. Man darf auch nicht vergessen, dass die meisten Zuschauer nicht pe se gegen Werbung sind. Was sie aber nicht schätzen, ist schlechte Werbung.
Wie reagiert die publisuisse auf diese technischen Erneuerungen?
Ganz einfach, indem wir diesen positiv begegnen und sie nicht primär als Gefahr, sondern als Chance sehen. publisuisse ist dank ihrem Know-How, einem Team von hoch qualifizierten und motivierten Mitarbeitenden, aber auch den qualitativ und quantitativ starken Programmen und wirksamen Werbeumfeldern für diese Herausforderung bestens gerüstet. Mit der Vermarktung von klassischer TV-Werbung sowie Radio- und TV-Sponsoring verfügen wir über eine gute Basis, um unseren Auftraggebern sinnvolle und nutzbringende Angebote unterbreiten zu können. Im übrigen beobachten wir diese Entwicklungen sehr genau und bringen sie in unsere strategischen Überlegungen ein.
Die SRG wurde in den letzten Wochen von den verschiedensten Seiten wegen ihrer Grösse stark angegriffen. Hat diese Diskussion auch Konsequenzen für die publisuisse?
Nein, vielmehr bietet diese Grösse -- ich spreche hier von der grossen Zahl an Fernseh- und Radioprogrammen -- unseren Auftraggeber viele attraktive Kommunikationsmöglichkeiten und -plattformen. Je nach Zielgruppe und Inhalt der Botschaft können sie ihre Kommunikationsauftritte in den verschiedensten Programmumfeldern und Kombinationen der Medien platzieren. Ein negativer Aspekt spüren wir aber trotzdem: so wird z.B. im neuen RTVG versucht, im Bereich Werbung die SRG SSR gegenüber den privaten Programmanbietern mehr zurückzubinden, so z.B. bei der Werbung für leichte Alkoholika wie Bier, die bei uns nicht erlaubt sein wird. Dabei wird aber vergessen, dass damit der Schweizer Wirtschaft die stärksten und effizientesten elektronischen Kommunikationsplattformen der Schweiz entzogen werden. Ob das sinnvoll ist, darf man sich getrost fragen. Oder kennen Sie heute noch eine grosse Schweizer Biermarke, die nicht von einem ausländischen Bierkonzern übernommen worden ist?
In verschiedenen Medien wie der Weltwoche hat man der publisuisse Kundenreisen ins Ausland vorgeworfen. Sind Sie da nicht ein bisschen zu grosszügig?
Ich glaube, dass wir da unterscheiden müssen zwischen der Meinung eines einzelnen Journalisten und der Realität in unserer Branche. publisuisse veranstaltet wenige, dafür aber konzentrierte Kundenevents. Wie bei jeder kommerziellen Unternehmung üblich, verfügt die publisuisse über ein entsprechendes Marketing-Budget, das es möglichst effizient einzusetzen gilt. Nach unserer Ansicht hat sich unser Kundenbindungskonzept als effizient und angemessen erwiesen. Auch andere Vermarkter setzen auf die Effizienz solcher Kundenanlässe. Der Prozent-Anteil der Kosten dieser Kundenbindungsmassnahmen am gesamten Marketingbudget ist nach unserer Einschätzung durchaus vergleichbar mit anderen im Business-to-Business tätigen Firmen. Wenn ich gewisse Kundenbindungsmassnahmen von Verlagen in Relation zum damit getätigten Umsatz setze, sieht es bei unseren Massnahmen sogar sehr gut aus. Es ist eben alles relativ und abhängig vom Blickwinkel.
Aber verstehen Sie die Kritik, welche Ihnen als quasi-gebührenfinanziertes Unternehmen diesbezüglich entgegenschlägt?
Nein, überhaupt nicht. Ich verstehe auch nicht, wie man die publisuisse als quasi-gebührenfinanziertes Unternehmen bezeichnen kann. Die publisuisse ist eine rein kommerzielle Unternehmung, die sich wie jede andere Vermarktungsorganisation via einer Provision auf den von ihr am Markt generierten Umsätzen finanzieren muss. Entsprechend kann ich diese Vorwürfe nur unter dem Aspekt, dass die geäusserten Vorwürfe in absoluter Unkenntnis der Fakten niedergeschrieben wurden, einigermassen einordnen.
(Interview: Matthias Ackeret)