Herr Tännler, Thema des diesjährigen Marketing-Tages ist "Von Jägern und Treibern - oder wie Verkauf und Marketing gemeinsam zum Blattschuss kommen". Nach welchen Kriterien bestimmen Sie jeweils das Tagesthema?
Es muss relevant, aktuell und von breitem Interesse sein. Wo nötig soll es aufrütteln, neugierig auf Neues machen, Lerneffekte ermöglichen und den Teilnehmern einen Nutzen im Arbeitsalltag bringen – möglichst konkret und direkt umsetzbar. Was wir gar nicht schätzen, sind kopierte Themen. Der Schweizerische Marketing-Tag bringt immer Originale! Sie werden in der Zusammenarbeit von OK, Jury und Partnern entwickelt.
Verkauf und Marketing sollen demnach besser zusammen arbeiten. Wird dies also noch zu wenig gemacht?
Das Problem sind oft getrennte Hierarchien und getrennte Budgets. Die Messbarkeit des Marketings ist eher schwierig und sehr theoretisch, während jene im Verkauf simpel ist, da muss man nur die Verkaufszahlen addieren. Nicht selten empfinden sich Marketingleute in ihrer Selbstwahrnehmung wichtiger als der Verkauf. Dabei wird nicht beachtet, dass Verkauf ohne Marketing sehr wohl möglich, dass Marketing ohne Verkauf aber schlicht wertlos ist. Letztlich geht es bei beiden ums Verkaufen. Ich persönlich habe grosse Mühe mit der Akademisierung des Marketings, denn letztlich geht’s dabei um Verkaufsfördermassnahmen, die zum Verkaufsabschluss führen sollen. Das funktioniert im Prinzip nicht anders als vor zehn, hundert oder zweitausend Jahren.
Was sind daneben die aktuell grössten Herausforderungen ans Marketing?
Heute konsumieren Kunden alles, überall und jederzeit. Ich nenne das Neudeutsch das EWA-Prinzip: Everything – Worldwide – All the time. Das ist die Herausforderung, auf die wir uns einstellten müssen.
Auf welchen Keynote-Speaker freuen Sie sich persönlich am meisten?
Sehr gespannt bin ich auf den selbsternannten Hardseller Martin Limbeck, der grosse Töne posaunt. Ich bin sehr neugierig, wie er sich in den ihm zur Verfügung stehenden zehn Minuten "verkauft".
Die Messlatte der Referenten ist hoch. Wie kann man immer noch bessere Redner nach Luzern holen?
Das Renommee des Schweizerischen Marketing-Tags reicht weit über die Branche hinaus. Deshalb haben wir vermehrt Anfragen von internationalen Referenten, die uns ein Referat anbieten. Leider sind darunter kaum Frauen, was ich sehr bedaure. Ich würde mich über mehr Referentinnen sehr freuen - Frauen bitte melden! Wer auf dem anspruchsvollen Marketing-Tag-Parkett im KKL Luzern besteht, kann sich über Folgeaufträge nicht beklagen.
Es ist dies bereits die 9. Ausgabe des Tages im KKL Luzern. Wie hat sich der Event im Laufe der Zeit verändert?
Der Schweizerische Marketing-Tag war in dieser Zeit von Wachstum geprägt. Wir sind von zunächst etwa 400 Teilnehmern auf rund 1000 gewachsen. Das Event-Konzept haben wir aus Überzeugung kaum verändert. Nachhaltigkeit im Sinne von inhaltlicher und qualitativer Weiterentwicklung war und ist unser Ziel. Kommen Sie vorbei und überzeugen Sie sich selbst: Wir zeigen regelmässig die neueste Technik, das modernste Bühnenbild und viele Innovationen, die überraschend wirken, weil sie absichtlich auf dem Programm nicht zu finden sind.
Wie schwierig ist es jeweils, Sponsoren für einen solchen Mega-Event zu gewinnen?
Sponsoring ist mein Steckenpferd und fällt bei diesem tollen Produkt nicht schwer. Wichtig ist, wie erwähnt, die stetige Weiterentwicklung des Angebots – Innovationen sind gefragt. Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit. Wir dürfen uns über langjährige Partner wie z.B. die Schweizerische Post freuen, die immer noch unser Hauptpartner ist. Auf diesen ausserordentlichen Vertrauensbeweis sind wir besonders stolz.
Wie sieht es mit den Teilnehmern aus – wieviel Mitglieder-Eigenwerbung ist nötig, um genug Anmeldungen zu generieren?
Nur knappe 10 Prozent der Besucher sind Mitglieder von Swiss Marketing. Wenn Sie so wollen, schiesst die Eigenwerbung am Ziel vorbei. Mitgliederumfragen zeigen immer das gleiche Bild: 490 Franken seien zu teuer. Für mich absolut unverständlich! Es ist der Gesamtmix der Werbeaktivitäten, der jährlich 1000 Teilnehmer nach Luzern bringt.
Ein Highlight der Veranstaltung ist jeweils die Vergabe der Marketing-Trophy.
Die Marketing-Trophy, der "Branchen-Oskar", hat sich zu einem begehrten Preis entwickelt. Die Gewinner zeigen sich stolz und kosten den Erfolg über Jahre aus. Die Qualität der Eingaben steigt von Jahr zu Jahr. Unsere kompetente und hochqualifizierte Jury lässt auch kein gutes Haar an Halbheiten. Die Hürden bis zur Nomination sind sehr hoch, die Prüfung durch die Jury ist anspruchsvoll. Das macht den Preis wertvoll.
Wer ist ihr persönlicher Favorit?
Da muss und möchte ich mich der Stimme enthalten! Ich will nichts vorwegnehmen. Nur soviel: Für Überraschungen ist gesorgt. Ich kann nur sagen: Kommen Sie am 5. März nach Luzern, geniessen Sie einen kurzweiligen, interessanten Tag und lassen Sie sich inspirieren.
Interview: Corinne Bauer
Bild: Pascal Triponez, Baukoma AG