Die Kreditkartenunternehmen Mastercard und Visa haben Zahlungen an die Enthüllungsplattform Wikileaks gesperrt. Beide begründete den Schritt damit, dass illegale Handlungen nicht unterstützt oder erleichtert werden sollten. Visa Europe habe alle Zahlungen an die Enthüllungswebsite ausgesetzt, um einen möglichen Verstoss gegen die Geschäftsbedingungen zu prüfen, erklärte die Firma am Dienstag.
Visa wolle weitere Informationen über die Tätigkeit von Wikileaks abwarten, um zu beurteilen, ob ein Verstoss gegen die Nutzungsvorgaben vorliege. "Dies ist eine Entscheidung, die wir selbstständig getroffen haben", sagte ein Firmensprecher gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Mit dem Abbruch der Beziehung zu Wikileaks folgt Visa mehreren anderen Finanzdienstleistern. Erst am Montag sperrte Mastercard die Zahlungen an Wikileaks, weil sie eigenen Angaben nach keine Beziehungen mit Kunden unterhalten könne, die illegale Aktivitäten direkt oder indirekt unterstützten.
Zuvor hatte bereits das Internet-Bezahlsystem Paypal Zahlungen an Wikileaks gesperrt. Auch die Postfinance schloss ein Spendenkonto von Wikileaks-Gründer Julian Assange, da eine Überprüfung ergeben habe, dass Assange gar keinen Wohnsitz in der Schweiz habe.
Schadenersatzklage von Datacell?
Online-Spenden über das Portal von Wikileaks erfolgen über den schweizerisch- isländischen Provider Datacell. Sollten Visa und Master beide ihre Ankündigung umsetzen, könnte Datacell seine Dienstleistung nicht mehr anbieten. Für diesen Fall kündigte Andreas Fink von Datacell eine Klage auf Schadenersatz an, da nichts Illegales in Gang sei, erklärte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.
Bis Dienstagnachmittag seien allerdings noch Zahlungen mit beiden Karten erfolgt. Er sei von seinen Geschäftspartnern in Island informiert worden, dass die zwei Kreditkartenunternehmen aussteigen wollten. Über das Portal von Wikileaks können nach dem Rückzug der zwei Kreditkartenunternehmen noch Bankzahlungen an die isländische Landsbanki und die deutsche Commerzbank sowie Postüberweisungen nach Australien gemacht werden. (sda)