Herr Schneider, der Fussballer Xherdan Shakiri wird neuer Markenbotschafter von Coca-Cola (persoenlich.com berichtete). Was hat er in dieser Funktion genau zu tun?
Wir wollen ihn einerseits in unsere Markenkommunikation einbinden wie zum Beispiel auf Plakaten, bei Verkaufspromotionen oder auf unseren Produkten Zudem wollen wir ihn als greifbaren Star nutzen. Er wird sowohl in der öffentlichen, als auch in der internen Kommunikation zum Einsatz kommen, so etwa bei "Meet and Greets" für gute Kunden. Wir werden mit Shakiri auf der ganzen Marketing-Klaviatur zu spielen.
Ein Grund für Shakiris Verpflichtung ist dessen Vorbildfunktion für Jugendliche. Gibt es Auflagen im Vertrag, die diese Vorbildfunktion garantieren sollen? Was darf ein Cola-Botschafter nicht bieten?
Natürlich haben wir hierzu eine Vereinbarung getroffen. Shakiri soll grundsätzlich so sein, wie er ist. Aber wir begleiten ihn natürlich auch und schauen, dass es nicht zu irgendwelchen unpassenden Situationen kommt. Bis jetzt haben wir mit unseren Partnerschaften aber durchwegs gute Erfahrungen gemacht.
Was ist konkret vertraglich festgelegt?
Über den Vertrag möchte ich im Detail keine Auskunft geben. Aber man kann es sich ja etwa vorstellen: Wir möchten von ihm auf und neben dem Platz keine Unfairness sehen. Würde Shakiri seine Stärke als sehr ehrgeiziger, aber ebenso fairer Spieler durch irgendwelche Aktionen torpedieren, hätten wir natürlich keine Freude.
Matthias Schneider, Leiter Unternehmenskommunikation Coca-Cola Schweiz.
Was wäre, wenn er in München gegnerischen Fans den Mittelfinger entgegenstrecken würde?
Dann würden wir sicher das Gespräch suchen (lacht).
Ist Shakiri nur Markenbotschafter für Coca-Cola Schweiz oder haben Sie auch eine internationale Perspektive?
Das Engagement mit Shakiri hat Coca-Cola Schweiz abgeschlossen. Shakiri wird im Rahmen unserer Fussball-Projekte auftreten. Diese sind auf die Schweiz beschränkt.
Wie viel kostet Sie das zweijährige Engagement?
Wir geben keine Zahlen bekannt.
Coca-Cola ist ein zuckerhaltiges Erfrischungsgetränk, dessen übermässiger Konsum Fettleibigkeit verursachen kann. Passen Coca-Cola und Sport überhaupt zusammen?
Das passt sehr gut zusammen. Nehmen wir zum Beispiel Ueli Steck, den hochalpinen Spitzensportler. Er hat erst kürzlich den Mount Everest ohne Sauerstoffgerät erklommen. Zur Erklärung, wie er diese Ausnahmeleistung vollbringen konnte, gab er zwei Gründe an: sein beheizbarer Wanderschuh und Coca-Cola. Es gibt viele Sportler, gerade auch im Bereich Ausdauersport, die auf Coca-Cola als Sportgetränk setzen.
Diese sind aber nicht unbedingt repräsentative Coca-Cola-Konsumenten.
Ja, klar. Der Punkt ist dieser: Wir sind ein Erfrischungsgetränk, ein Lifestyleprodukt. Coca-Cola Classic ist ein Produkt in unserem Portfolio, das verhältnismässig viel Zucker hat. Daneben bieten wir aber auch Produkte wie Coca-Cola Light und Coke Zero an, die gar kein Zucker beinhalten. Übergewicht ist ein gesellschaftliches Problem, das kann man nicht wegdiskutieren. Wissenschaftliche Studien besagen aber, dass Softdrinks bei der durchschnittlichen Kalorienaufnahme weniger als 3 Prozent ausmachen.
Weil Coca-Cola ein Teil der Gesellschaft ist, wollen wir auch Verantwortung mittragen und fördern deshalb einen aktiven Lebensstil. Coca-Cola ist ein einwandfreies Lebensmittel, man muss einfach massvoll damit umgehen. Wir versuchen die Leute hierbei zu unterstützen, indem wir beispielsweise unsere Inhaltsstoffe auf dem Cola-Etikett transparent machen und die Abdeckung des Kalorienverbrauchs einer durchschnittlichen Frau angeben. Die Menschen müssen sich informieren, selbst Verantwortung übernehmen und sich bewegen.
Dann ist Ihr Sport-Engagement eine Kompensation für das ungesunde Produkt, das Sie anbieten.
Nein, als Kompensation verstehen wir unser Engagement im Sport durchaus nicht. Wir stehen voll und ganz hinter all unseren Produkten. Coca-Cola gibt es seit 125 Jahren. Das Übergewichtsproblem ist 15, 20 Jahre alt, die Menschen haben aber schon vorher Coca-Cola getrunken. Sie waren aber nicht so signifikant übergewichtig wie heute. Zwischen Cola-Konsum und Fettleibigkeit gibt es keine klare Korrelation. Trotzdem wollen wir aber einen Beitrag leisten zu einer besseren Welt. Das Themengebiet "Übergewicht" betrifft denn auch Produkte von uns. Auch wir müssen helfen, eine Lösung für dieses gesellschaftliche Problem anzubieten. Als Beispiel: Wir betreiben kein Marketing für Kinder unter zwölf Jahren.
Coca-Cola ist in mehr Ländern vertreten als die UNO Mitglieder hat. Wo sind Sie noch nicht?
Es gibt zurzeit zweieinhalb Länder, in denen es Coca-Cola nicht gibt. Bewusst sage ich zweieinhalb. Es handelt sich um Nordkorea, Kuba und bis vor kurzem Myanmar. Aber Myanmar öffnet sich. Es ist eine Frage der Zeit, bis wir Coke auch in diesem Land anbieten können. In internationalen Hotels in Rangun kann man aber schon heute Coca-Cola trinken.
Würden Sie denn Coca-Cola auch gerne in Pjöngjang anbieten?
Ja, natürlich. Wir würden gerne, aber momentan ist das einfach kein Thema. Die Regierung will den Markt für Coca-Cola nicht öffnen.
Sie hätten also kein Problem damit, in Nordkorea Cola zu verkaufen?
Gut, ich weiss, worauf diese Frage abzielt. Grundsätzlich sind wir ein Erfrischungsgetränk. Wir wollen möglichst viele Konsumenten erreichen, die, wenn sie Lust auf unser Produkt haben, dieses auch trinken können. Wir sind komplett apolitisch. Wir sind ein Produkt für alle, auf der ganzen Welt. Aus der ganzen politischen Debatte halten wir uns raus. Wir intervenieren nicht und respektieren politische Entscheide, auch wenn diese von Diktatoren kommen. Sollte sich die Situation in Nordkorea ändern, suchen wir natürlich auch dort den Mark.
Interview: Benedict Neff