"Melanie Winiger und Fiona Hefti sind die einzigen Ex-Missen für Kaiorize."

- Prominente können sich per Mausklick gratis einkleiden lassen. Vom edlen Foulard, über die schöne Handtasche bis hin zum smarten Anzug: Die Celebrity-Internetplattform Kaiorize sorgt sich um alles. Was in Deutschland bereits ein grosser Erfolg ist, gibt es nun dank "Weltwoche"-Kolumnist Mark van Huisseling auch in der Schweiz. Wer umsonst shoppen darf und wie das Kaiorize-Geschäftsmodell funktioniert, verrät er im Interview mit "persoenlich.com". Zum Text:

Mark van Huisseling, Sie lassen sich von Markenartikel-Firmen einspannen. Lassen Sie sich dabei auch Ihre spitze Zunge abschneiden?

Nein, ich schreibe weiterhin meine, sagen wir, manchmal streng urteilenden Gesellschaftskolumnen in der "Weltwoche". Daneben helfe ich Kaiorize hier in der Schweiz auf die Beine.

Was steckt hinter dem Geschäftsmodell von Kaiorize?

Kaiorize wurde im Januar 2010 in Berlin unter anderem von Dana Schweiger (Ehefrau von Til Schweiger) gegründet. Es handelt sich bei dem Startup-Unternehmen um eine sogenannte „Celebrity Lounge to go“. Prominente können auf der Internetplattform kaiorize.com gratis Markenartikel (Kleider, Accessories, Schmuck, Uhren etc.) beziehen. In der Öffentlichkeit machen sie damit Werbung, wenn sie die Stücke tragen, und das ist interessant für die Unternehmen.

Prominente als Testimonials - was ist neu daran?

Neu ist die Form, wie die Berühmtheiten die Waren bekommen. Bisher mussten sie die jeweils selbst in den Showrooms abholen. Hinter der Hand wurde dann nicht selten darüber getuschelt, wer was und wieviel mitgenommen hat und so. Bei Kaiorize können Prominente diskret und zeitsparend über das Internet von irgendwo und aus dem Angebot von vielen Herstellern wählen. Das gibt es in dieser Form noch nicht.

Und wie verdient Kaiorize Geld?

Ich mache ein erfundenes Beispiel: Wenn etwa Heidi Klum bei Kaiorize eine Tasche von Escada bestellt, bezahlt Escada 50 Euro (63,50 CHF). Kaiorize gibt diese weiter an eine Agentur, die anschliessend Heidi Klums Auftritte verfolgt. Sobald es Bilder von ihr mit der Escada-Tasche gibt, wird eine Zahlung von Escada an Kaiorize fällig. Aber nur dann. Von dem Betrag, der bezahlt wird, leitet Kaiorize 100 Dollar (93 CHF) an eine Einrichtung für einen guten Zweck weiter - an welche, dürfen die Prominenten selbst sagen, der Rest ist Umsatz von Kaiorize.

Wieviel ist das?

Das kann ich nicht sagen, das Unternehmen hat seinen Geschäftszweck erst dieses Jahr aufgenommen. In Deutschland machen bereits ungefähr 80 Prominente und zirka 50 Unternehmen mit. Das Wachstumspotential ist gross, denn Prominente sind begehrt als Testimonials - ein Trend, der anhalten wird. Deshalb expandiert Kaiorize von Deutschland in die Schweiz. Später sollen auch Amerika und UK dazu kommen.

Als Gesellschaftskolumnist ecken Sie immer wieder an. Wie wollen Sie die Prominenten gewinnen?

Das Angebot von Kaiorize ist so gut. Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine berühmte Person, die sich vielleicht einmal über mich aufgeregt hat, davon keinen Gebrauch machen möchte. Falls ich diese Person denn überhaupt anfrage, ob sie mitmachen will.

Welche Prominenten wählen Sie aus bzw. welche nicht? Und haben Sie schon erste an Bord geholt?

Nein. Ich fange jetzt offiziell an. Der Schweizer Markt ist klein. Roger Federer ist vermutlich der einzige Schweizer Superstar oder Prominente mit globaler Ausstrahlung. Unsere übrigen Prominenten sind national bekannt. Sogenannte Leistungsprominente wie, sagen wir, Skirennfahrer, kommen vielleicht eher weniger in Frage, weil sie verhältnismässig selten in der Öffentlichkeit stehen, abgesehen von Wettkämpfen. Und von unseren Misses Schweiz sind wahrscheinlich Melanie Winiger und Fiona Hefti die einzigen, die ich Kaiorize zumuten möchte.

Und auf Seiten der Unternehmen?

Grosse Schweizer Firmen wie Bally wären attraktive Partner. Aber auch kleinere und mittlere Unternehmen wie Freitag oder Navyboot möchte ich gewinnen. Gerade für Letztere ist das Angebot spannend. Da das Modell im Vergleich mit herkömmlichen Modellen billig und effektiv ist, können sie es sich leisten. Bis Ende Jahr möchte ich mit 50 Prominenten und 30 bis 50 Unternehmen Verträge abschliessen.

Spätestens seit der eigenen Fernsehsendung auf Pro7 Schweiz "MvH - the Place To Be" sind Sie selbst prominent. Machen Sie auch mit?

Als Kaiorize auf mich zukam, dachte ich zuerst tatsächlich, dass sie mich als sogenannten Prominenten holen möchten. Sie fragten mich dann aber als Makler an und das freute mich mehr. Ich finde die Geschäftsidee gut, es gibt dabei eigentlich nur Gewinner.

Macht Sie dieses Engagement nicht käuflich? Sie verdienen ja an jedem Prominenten, der in Ihrer Sendung auftritt mit Kleidern, die sie vermittelt haben?

Ich mache dieses Jahr voraussichtlich acht Sendungen. Das macht den Braten also nicht feiss!

Was schaut für Sie heraus?

Ich bin umsatzbeteiligt, bekomme Kommissionen von Kaiorize. Das Geld, das ich vielleicht verdiene, wird nicht reichen. Ich werde weiterhin Kolumnen schreiben, Stilausgaben und Fernsehsendungen machen. Zumindest am Anfang… und sonst haben Sie es hier zuerst gelesen.

Interview: Christine Schnyder