Der kürzlich zurückgetretene Goldbach-CEO Klaus Kappeler war in den letzten 25 Jahren eine treibende Kraft im Schweizer Vermarktungsgeschäft. Anfang des Jahres hat er das Zepter seinem Nachfolger Michi Frank übergeben, vier Monate früher als geplant. Persoenlich.com hat sich mit Kappeler über seine ersten Erfahrungen im "Ruhestand" unterhalten.
Herr Kappeler, Sie standen während knapp dreissig Jahren an der Spitze von RadioZ, der IP Mulitmedia (Schweiz AG) und später der Goldbach-Group. Seit Anfang des Jahres sind Sie im "Ruhestand". Welches sind Ihre ersten Erfahrungen im neuen Lebensabschnitt?
Die wichtigste Erfahrung ist die, dass nicht mehr meine Agenda über mich, sondern ich über meine Agenda bestimme. Und ich das, was man Work-Life–Balance nennt, lebe. Ich geniesse die Vielfalt der Kombination von noch durch mich betreuten Goldbach Dossiers und privaten Projekten und Aktivitäten. Ausserdem stehe ich später auf und frühstücke gemeinsam mit meiner Familie – ebenfalls eine ziemlich neue Erfahrung für mich.
Ihr Rücktritt wurde eigentlich auf Ende April 2014 angekündigt, jetzt wurde er um vier Monate vorgezogen. Warum?
Mit den vierzehn Monaten, die wir uns ursprünglich für Übergabe und Einführung gegeben haben, wollten wir einen Zeithorizont vorgeben, der uns die Freiheit bietet, alles bis ins Detail und mit der notwenigen Sorgfalt zu planen. Dass wir nun "bereits" nach zehn Monaten an dem von uns anvisierten Punkt angekommen sind, liegt sicher auch darin begründet, dass Michi Frank und ich ja bereits in den letzten 13 Jahren erfolgreich Seite an Seite gearbeitet haben. Ausserdem fand ich persönlich es sinnvoll, ihm die Verantwortung per 1. Januar zu übergeben, damit er das gesamte Jahr 2014 als CEO steuern kann.
Wenn Sie zurückschauen, was waren die wichtigsten Meilensteine Ihrer Tätigkeit?
Nicht einzelne, sondern die Summe der Meilensteine, respektive der konsequente Auf- und Ausbau von Goldbach zum führenden Vermarktungsunternehmen privater elektronischer, mobiler und interaktiver Medien. Und die Tatsache, dass wir über 500 Arbeitsplätze geschaffen haben, davon einen Grossteil für junge Arbeitnehmende, die wir aus- und weiterbilden sowie fördern.
Inwieweit hat sich der Schweizer Werbe- und Medienmarkt in den letzten zwanzig Jahren verändert?
Er ist um einiges anspruchsvoller geworden. Die Geschäftsmodelle werden von der Technologie getrieben, sie müssen laufend angepasst oder gar komplett verworfen werden. Ein Konzentrationsprozess, der auch vor der Schweiz nicht Halt machte. Für grosse Veränderungen hat die Digitalisierung gesorgt. Sie hat in den letzten Jahren mit grosser Wucht die Märkte verändert und jene gestraft, die das Internet bis dahin vernachlässigt hatten.
Worauf sind Sie rückblickend stolz?
Auf Goldbach insgesamt. Das heisst auf alles, was von 1986 bis heute von allen Mitarbeitenden in der ganzen Gruppe geleistet wird. In der Schweiz ist das Angebot der Goldbach einzigartig.
Was war Ihre grösste Niederlage?
Die grössten Niederlagen hat mir immer die Schweizer Politik beschert. Sie hat private Initiativen konsequent zugunsten der öffentlich-rechtlichen unterbunden oder eingeschränkt und damit die Entwicklung der privaten elektronischen Medien in der Schweiz stark gehemmt. Aber um konkret zu werden: Dass wir vor 20 Jahren keine Programmkonzession für RTL und keine UKW-Frequenz für Radio EVIVA erhielten, das waren meine grössten Enttäuschungen.
Goldbach hat schon früh auf das Medium Internet gesetzt und musste dabei auch Schmerzensgeld zahlen. Warum kommt das Internet als Werbemedium noch nicht richtig zum Laufen und bleibt hinter seinen Erwartungen zurück?
Die Schweiz funktioniert sehr traditionell und konservativ, das gilt für die Medien wie auch für die Konsumenten, und der ökonomische Druck ist geringer als in unseren Nachbarländern. In der Kombination führt das dazu, dass wir in der Entwicklung, respektive im Switch von Print zu eMedien hinterherhinken; aufhalten jedoch lässt sich diese Entwicklung nicht. Zum Vergleich: Als ich vor knapp 30 Jahren bei Radio Z (heute Energy) eingestiegen bin, flossen 80 Prozent der Werbeausgaben in Print. TV fristete sein Dasein als Mauerblümchen. Aktuell fliessen noch knapp 50 Prozent der Werbeausgaben in Print und gut 30 Prozent in TV, die Tendenz geht aber ganz klar in Richtung eMedien, also in Richtung Internet.
Was haben Sie ihrem Nachfolger Michi Frank auf den Weg gegeben?
Michi soll sich selber treu bleiben und Goldbach weiterentwickeln, das wünsche ich mir für ihn.
Werden Sie Goldbach in irgendeiner Form erhalten bleiben?
Ja. Zum einen werde ich weiterhin gezielt VR-Mandate in einzelnen operativen Goldbach Gesellschaften wahrnehmen, zum anderen bin ich in den kommenden zwei Jahren mit der Realisierung verschiedener Projekte (40 Prozent) für Goldbach aktiv.
Interview: Matthias Ackeret