Die Migros wird diesen Herbst eine Social-Media-Offensive starten. Die Rede ist von der Mitmach-Plattform Migipedia, die anlässlich des Social Media Marketing Tages in Winterthur vorgestellt wurde. Migipedia ist eine Wortschöpfung aus den beien Markennamen Migros und Wikipedia. Es handelt sich um eine Art Wissendatenbank die es Konsumenten erlaubt, möglichst frei über Produkte zu schreiben, diese zu bewerten und Geschichten zu erzählen.
Migipedia ist ein Versuch, in der wirren Welt von Social Media eine klare Strategie umzusetzen. "Märkte sind Gespräche. Wir suchen mit der Plattform den Dialog mit den Kunden", sagt Leila Summa, Social Media Director bei der Migros. Summa unterstreicht die Wichtigkeit einer solchen Plattform mit einem Hinweis auf das Cluetrain Manifest: "Es gibt keine Geheimnisse. Der vernetzte Markt weiß mehr als die Unternehmen über ihre eigenen Produkte. Und egal ob die Nachricht gut oder schlecht ist, sie erzählen es jedem."
Mit Migipedia will die Migros die Grundlage für eine Online-Community schaffen. Wie ein Blick auf die Webseite zeigt, ist die Migros dabei auf einem guten Weg. Obwohl Migipedia erst in der Beta-Version abrufbar ist, weist die Mitmach-Seite bereits eine grosse Anhängerschaft aus. Nach Eigendeklaration sind 4879 Produkte (Ein Zehntel des Angebots) im Migros-Lexikon dokumentiert. Bis heute haben sich 4626 User registriert und kommentieren fleissig, was die Migros ins Netz stellt. Noch ist nur ein ausgewählter Bruchteil online.
Im Moment würden die Erfahrungen der laufenden Testphase ausgewertet und die Wünsche der User analysiert. Anhand der so gewonnenen Erfahrungen werde die Plattform weiterentwickelt und bestmöglich auf die Bedürfnisse der Community ausgerichtet, sagt Summa. Um die User bei Schreiblaune zu halten, haben sich die Macher einen cleveren Mechanismus überlegt: Je öfter ein User Beiträge verfasst und aktiv mitmacht, desto grösser sind seine Chancen, dass er zum Pate eines Produktes wird. Pate bedeutet, er ist derjenige der sozusagen als höchste Instanz für das Produkt auf Migipedia gilt. Bis heute gilt Alexandra Braunwalder aus Basel als einer der fleissigsten Migipedia-User. Kaum eine andere Nutzerin hat bisher so viele Einträge geschrieben wie sie. Jüngst wurde sie gar vom Migros-Magazin als Eistee-Prinzessin beschrieben, da sie den hart umkämpften Titel als Eistee-Patin schon so lange verteidigt.
Das Thema hat einen so hohen Stellenwert, dass der Detailhändler anfangs Jahr die Abteilung "Customer & Web Intelligence" gegründet hat, die direkt dem Migros-Chef Herbert Bolliger unterstellt ist. Im "Intelligence"-Service arbeiten derzeit rund 40 Personen. Bis Ende Jahr soll die Abteilung um 20 weitere Stellen erweitert werden. Derzeit sind drei Personen der Abteilung für die Betreuung von Migipedia zuständig. Für den Austausch mit den Usern von sozialen Medien suchte die Migros bis vor kurzem einen Community-Manager. Die Stelle ist nun besetzt.
Text: Christian Lüscher