Bisher tauchte das Start-up nur bei wenigen auf dem Wahrnehmungsradar auf. Dabei hat die Firma mit dem Namen Adwebster das geschafft, wovon andere etablierte Player seit Jahren nur träumen: Adwebster betreut heute ein Werbenetzwerk, das potentiell 650 Millionen Ad Impressions (Werbeeinblendungen) pro Monat generiert. Eine Zahl, die so imposant ist, dass sie Vermarktungsprofis ins Staunen versetzt.
Konkret ist Adwebster im Drittvermarkter-Geschäft tätig. Was Webseitenbetreiber an Werbeplatz nicht los werden, füllt Adwebster auf und optimiert so die Werbeauslastung auf Webseiten. Das Resultat: Die Firma stopft nicht nur die Onlinewerbelöcher. Auch Webseitenbetreiber, die aufgrund tiefer Reichweiten nicht auf Mediaplänen grosser Marken auftauchen, können so mit Onlinewerbung ordentlich Geld verdienen.
Seit Jahren ist Google in diesem Geschäft tätig. Mit ihrem Produkt AdSense füllt der Suchmaschinenspezialist weltweit die Webseiten mit Textanzeigen, weil der Werbeplatz nicht ausgelastet ist. Viele Vermarkter haben das Businessmodell in den letzten Jahren übernommen und wollen, weil durch die zunehmende Onlinenutzung auch der Werberaum ständig wächst, ebenfalls das grosse Geld damit verdienen. In diesem Geschäft tätig sind international bekannte Firmen wie Tradedoubler, AdJug oder Right Media.
Restplätze, wie es im Fachjargon heisst, existieren im Web genug, denn kein Angebot im Web kann von einer Vollauslastung sprechen. Andi Nigg, Geschäftsführer von Adwebster (siehe Bild unten), sagt gegenüber persoenlich.com: "Von 100 potentiellen Bannereinblendungen werden heutzutage höchstens 20 von den Webseiten direkt abgesetzt. Die Restposten werden von den Netzwerken gebündelt, Produkte daraus geschnürt, Themen-Pools und anschliessend zu billigeren Preisen an Werbekunden verkauft."

Die Vielzahl der Werbenetzwerke, die dem Beispiel von Google inzwischen gefolgt sind, macht es für Publisher nun aber zunehmend kompliziert, herauszufinden, welche Kampagne von welchem Netzwerk ihnen die höchsten Erlöse bringt. Hier hat Adwebster das Geschäft gewittert: Die Firma implementiert bei den Webseiten einen so genannten Meta-TAG, welcher alle involvierten Netzwerke sichtbar macht. So ist Adwebster in der Lage, diverse Kampagnen auf unterschiedlichen Netzwerken untereinander zu optimieren. Dank dem Einsatz des Meta-Tags wird das "Jonglieren" mit den Restplätzen vereinfacht - im Fachjargon "Yield Management" genannt. Vor allem aber erzielen die Webseiten mit dieser Technologie höhere Umsätze. Das Yield Management Konzept wird auch in anderen Branchen erfolgreich eingesetzt. So existieren zum Beispiel in der Hotelindustrie spezialisierte Yield Management Unternehmen, welche für Hotels die Kontingente an Zimmern verwalten und unter den Reiseveranstaltern aufteilen beziehungsweise vermarkten.
Ein weiterer Vorteil der Adwebster-Technologie liegt darin, dass User im ganzen Netzwerk erkannt werden und nicht, wie üblich, nur auf einer einzelnen Webseite. Dieser Prozess wird als "Retargeting" bezeichnet. Vordergründig erscheinen die Adwebster-Produkte als verschiedene Themen-Pools (z.B. News-Pool), in denen die jeweiligen Zielgruppen gebündelt werden. Die Technologie von Adwebster geht aber genau hier noch einen Schritt weiter: Innerhalb eines jeden Pools wird die jeweilige Kampagne automatisch dort verstärkt ausgeliefert, wo sie bei den Usern besonders gut ankommt. Die Vorteile liegen auf der Hand: Der User sieht fast ausschliesslich Werbung, die zu ihm passt. Gleichzeitig wird die Kampagnenführung für die Werbewirtschaft um ein Vielfaches einfacher und effizienter. Da sich die meisten Kampagnen über hunderte Webseiten erstrecken und voll automatisiert ausgeliefert werden, wird das Buchen von Kampagnen zum Kinderspiel. Zusätzlich wird durch das Retargeting der Werbefranken effizienter eingesetzt und auch der Publisher verdient in der Regel mehr.
Genau aus diesem Grund gelang es Adwebster, innert eines Jahres, ein derart bemerkenswertes Wachstum hinzulegen. Andi Nigg, Geschäftsführer von Adwebster, sagt gegenüber persoenlich.com: "Wir schaffen eine Win-Win-Situation zwischen der Werbewirtschaft und den Webseiten. Die Werbewirtschaft erhält in Zielgruppen gebündelte Reichweite zu günstigen Preisen und die Webseiten verdienen mehr Geld. So konnten wir in kurzer Zeit das Vertrauen von hunderten Webseitenbetreiber gewinnen und unsere Technologie in ihren Webseiten implementieren". Namhafte Kunden setzen bereits auf diesen Ansatz: So etwa Migros, Coca Cola, Ikea, Rivella und Swisscom.

Adwebster wurde im August 2010 gegründet. Entscheidend zum schnellen Wachstum des Netzwerkes beigetragen hat Andi Nigg. Er verantwortete zuvor bereits den Aufbau des Netzwerkes von TradeDoubler in der Schweiz bevor er Adwebster gründete.
Text: Christian Lüscher

