29.03.2011

"Mobile Werbung kann man teurer verkaufen, als Online-Werbung."

Wie kann man online noch mehr Geld verdienen? Antworten lieferte ein Anlass zum Thema "Google AdSense", welcher Google am Dienstag in Zürich eigens für 130 ausgewählte Webseitenbetreiber aus der Schweiz, Deutschland und Österreich durchführte. "persoenlich.com" war dabei und sprach mit einem, der dieses Geschäft besonders gut kennt: Oliver Wirtz, Head Business Development von pctipp.ch, computerworld.ch und digitalliving.ch. Zum Interview:
"Mobile Werbung kann man teurer verkaufen, als Online-Werbung."

Herr Wirtz, beim Key Note Referat prognostizierte Simon Bolger eine Verlagerung zu noch Zielgruppen-spezifischerem Marketing. Er sagte: "Es gibt kein Site-Based-Buyings mehr, sondern zunehmend Audience-Based-Buying." Stimmt das Ihrer Erfahrung nach?

Nein, das kann ich so nicht ganz unterschreiben. In der Schweiz sind wir diesbezüglich noch in den Kinderschuhen. Obwohl unsere Sites in der IT-Branche angesiedelt sind, ist Audience-Based-Buying noch kein sehr relevantes Thema. Und das nicht etwa, weil wir technisch nicht so weit wären. Das kommt erst. Was der Kunde in den meisten Fällen will, ist eine möglichst grosse Masse zu erreichen.

Simon Bolger prognostizierte zudem, dass die Ausgaben für Online-Textanzeigen (Ads) in Westeuropa 2010 bis 2014 um 42 Prozent steigen werden. Wie realistisch schätzen Sie diese Zahlen ein?

Das prozentuale Wachstum kann gut im Bereich von 42 Prozent liegen. Doch in der Schweiz befinden wir uns noch immer auf sehr tiefem Niveau. Vergleicht man uns mit England oder anderen nordischen Ländern, hinken wir schon sehr stark hinterher. In der Schweiz lag der Anteil Onlinewerbung in den vergangenen Jahren bei 1-2 Prozent. Jetzt sind wir ungefähr bei 4 oder 5 Prozent. Ich denke aber, dass wir in den nächsten fünf Jahren schon in den zweistelligen Bereich kommen werden.

In der Branche ist man sich einig: Über das mobile Internet lassen sich künftig noch viel mehr Leute individuell erreichen. Diese Tatsache hat für zielgruppenspezifische Werbung riesiges Potential. Wie berücksichtigen Sie diese Entwicklung?

Wie jeder andere Verlag werden wir auch im mobilen Bereich entsprechende Angebote lancieren. Wir merken, dass die Leser zunehmend über mobile Telefone oder Tablets auf unsere Webseiten zugreifen. Dabei werden wir sicher auch mobile Werbung anbieten müssen, denn sie kann wesentlich teurer verkauft werden als herkömmliche Online-Werbung. Dies, weil man viel segmentierter vorgehen kann.

Wie gross ist hier das Interesse der Inserenten?

Wir könnten bereits sehr individuelle zugeschnittene Lösungen anbieten, doch die Nachfrage bei den Werbetreibenden ist bisher eher gering.

Finanzieren sich Ihre Online-Plattformen eigenständig?

Ja. Wir merken generell, dass ein Wechsel von Print- zu Onlinewerbung einsetzt, weil bei Online die Wahrnehmung viel klarer messbar ist. Man sieht wie oft ein Banner geklickt wird oder ob das Produkt gekauft wird, das man bewirbt. Wir merken auch, dass bestimmte IT-Kunden ihre Printwerbebudgets verkleinern und die Budgets für Online aufstocken.

Auf Ihren Webseiten findet man beides: herkömmliche Banner und Google Ads. Lohnen sich die Google Textanzeigen?

Auf jeden Fall! Auf einer Seite mit viel Traffic, wie bei pctipp.ch mit bis zu 6 Millionen Page Impressions, lohnt sich Google Adsense sowieso. Aber auch auf kleineren Sites kann der Einsatz von Google AdSense ein schönes finanzielles Grundrauschen verursachen ohne grossen Aufwand zu haben.

Wie gross ist der Anteil von Google AdSense an den gesamten Anzeigen-Einnahmen?

Google AdSense macht einen erheblichen Prozentsatz unseres Umsatzes aus.

Sie haben im Dezember auf computerworld.ch ein Redesign durchgeführt. Wie zufrieden sind Sie nach drei Monaten?

Wir freuen uns am neuen Design, die Seiten wirken moderner und frischer. Aber: Durch das neue "Look and Feel" haben wir tiefere AdSense-Einnahmen zu verzeichnen. Jetzt müssen wir evaluieren, woran das genau liegt.

Was macht denn Probleme?

Allenfalls ist die neue Farbe der Google Textanzeigen ungünstig. Die Leser merken nicht mehr, dass es sich um Werbelinks handelt, weil wir auf die typischen Google-Farben verzichtet haben.

Und sonst?

Auch die Platzierung der Ads ist ein grosses Thema. Hier muss ich einen Spagat machen, denn ich will ja primär unseren Lesern möglichst viel interessante redaktionelle Information bieten. Auf der anderen Seite muss ich auch Werbeeinnahmen generieren. Dabei muss ich darauf achten, dass der Leser an den Stellen der Webseite, wo er sich mit den Augen am längsten aufhält, nicht nur Werbung zu sehen bekommt.

Welche Optimierungen sind noch nicht abgeschlossen?

Als nächstes werden bei den redaktionellen Inhalten Google AdSense-Einblendungen optimieren. Hier müssen wir evaluieren, wo genau wir die AdSense-Anzeigen am Gewinn bringendsten einbinden.

Welche Schwierigkeiten haben Sie mit Google AdSense?

Es kommt immer wieder vor, dass es User, die auf AdSense-Links klicken, für selbstverständlich halten, dass die Anzeige im Zusammenhang mit unserer Plattform steht. Unter den Google-AdSense-Kunden kann es vereinzelt auch Schwarze Schafe haben - nennen wir sie Abzockerfirmen - die unsere Leser auf ihre Webseite locken. Die Nutzer haben dann das Gefühl es handle sich z.B. um einen Gratisdienst, melden sich dann irgendwo an und müssen schliesslich trotzdem Geld bezahlen. Manche Leser reklamieren dann und machen uns dafür verantwortlich.

Was kann man gegen solche Schwarze Schafe tun?

Im von Google angebotenen AdSense-Tool kann man gewisse URLs sperren. Diese werden dann auf unserer Webseite nie mehr angezeigt.

Welche Vorteile hat Google AdSense?

Vorteile sehe ich im spezifischen Targeting. Der Leser findet eine Werbebotschaft, die zum Artikel passt, den er liest. Zudem bringt AdSense den Vorteil, dass die Anzahl von Textanzeigen dank Googles grosser Kundenbasis unerschöpflich ist.

Ist Google ein unkomplizierter Partner?

Ja, einem wird bei Problemen rasch geholfen.

Was raten Sie: Wie geht man am besten vor, wenn man sich über Google AdSense informieren will?

Viele hilfreiche Informationen zu Google AdSense findet man im Internet, zum Beispiel auf www.google.ch/adsense oder auf dem deutschen AdSense Blog. Wer seine Webseite optimieren will klickt am besten auf google.com/webmasters.

Ausserdem veranstaltet Google Webinare, also Online Kurse. So kann man sich gut selber informieren, einen Account anlegen und sich dann allenfalls mit spezifischen Fragen an die Google AdSense-Verantwortlichen wenden. AdSense Tutorials findet man auch auf YouTube.

Interview: Edith Hollenstein


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