ZKB-Chef Martin Scholl entliess zwei Mitarbeiter, weil diese sich in dem Finanzblog Inside-Paradeplatz kritisch gegenüber der Bank geäussert haben (persoenlich.com berichtete). Sie wurden per sofort freigestellt. Wenn Martin Scholl meinte, dass damit Ruhe in die Bank einkehrt, liegt er falsch. Ganz im Gegenteil: Die Entlassungen werden als verheerendes Zeichen für die Kultur der Bank gedeutet, sagt ein Kadermann zur "Schweiz am Sonntag" (SaS). Die Entlassung komme einem Tabubruch gleich. Eingeschüchterte Mitarbeiter sprechen unverblümt von Stasi-Methoden, so die SaS.
Eine Paranoia wird angestachelt, die so weit geht, dass Informanten für Telefongespräche mit dieser Zeitung auf das Handy der Frau oder des Freundes ausweichen, weil sie Angst haben, von der "ZKB-Stasi" gefasst zu werden. Im konkreten Fall hatte die Informatik ein leichtes Spiel, die Kommentarschreiber ausfindig zu machen. Ob die Kündigungen hingegen vor dem Arbeitsgericht standhalten würden, ist fraglich. Laut einem Vertrauten seien die erhobenen Vorwürfe womöglich nicht so gravierend, als dass sie IT-forensische Abklärungen gerechtfertigt hätten. Die ZKB sagt, die beiden Mitarbeitenden seien freigestellt worden, weil sie gegen mehrere interne Weisungen verstossen sowie die Treue- und Sorgfaltsverpflichtung verletzt hätten. Die kompromisslose Vorgehensweise passe zum Führungsstil von Chef Martin Scholl.
Dieser entscheide am Liebsten eigenmächtig, ohne vorher das Gespräch mit den Betroffenen auch nur zu suchen, schreibt die "Schweiz am Sonntag". Viel souveräner wäre es gewesen, wenn Scholl die aufmüpfigen Mitarbeiter zu einem Mittagessen eingeladen hätte. Die hätten nie mehr ein kritisches Wort über die Bank geschrieben, ist ein Scholl-Vertrauter sicher. Doch der ZKB-Chef klemme schnell Diskussionen ab. Das seien Zeichen, dass Scholl mit seiner Arbeit möglicherweise überfordert sei. Die Medienstelle sagte am Freitag, dass Chef Martin Scholl für eine Stellungnahme nicht zur Verfügung stehe. (SaS)

