Am Dienstag hat Interbrand das neue Ranking der 100 wertvollsten Marken der Welt veröffentlicht. persoenlich.com hat sich mit Nik Stucky, Global Practice Leader Brand Valuation bei Interbrand, über die Trends des Rankings unterhalten.
Die Top 10 sind all von US-Marken belegt. Was machen die US-Amerikaner richtig bei der Markenpflege?
Es ist insbesondere die Grösse des Binnenmarktes, für welche die US Marken seit Anfang des letzten Jahrhunderts "fit" gemacht wurden. Entsprechend den Bedürfnissen einer kaufkräftigen, breiten Mittelschicht wurden Marken geprägt, welche heute für den globalen Massenmarkt geeignet sind.
Was für Trends sind aus dem diesjährigen Ranking herauszulesen?
Der Trend zur stärkeren Technologisierung der Gesellschaft wird immer deutlicher. Marken spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie die Technologie fassbarer, "emotionaler" und dadurch akzeptabler machen. In dieser Rolle steigt aber auch die Bedeutung, die Marken ausserhalb ihres kommerziellen Zwecks spielen und damit zugleich die gesellschaftlichen Verantwortung ihrer Besitzer.
Marken aus dem Tech-Bereich wie IBM, Microsoft, Google und Apple dominieren das Ranking. Warum findet man Social-Media-Marken wie Facebook noch nicht im Ranking?
Im Markenwert spiegelt sich der finanzielle Erfolg, den die Marke zum Geschäft seiner Besitzer beiträgt, wider. Dieser finanzielle Beitrag ist bei Facebook (noch) minimal. Das kann sich tatsächlich sehr schnell ändern, wenn Facebook die grosse Anhängerschaft für kommerzielle Ziele nutzt.
Gibt es Firmen, die sich dank kreativem und effizient genutzten Social Media-Aktivitäten im Ranking stark verbesserten?
Es gibt viele gute Beispiele für die kreative Nutzung von Social Media. Wir wissen, dass diese Beispiele einen positiven Beitrag zum Markenwert leisten aber wir können, wie bei anderen Kommunikationskanälen auch, kaum einen direkten Zusammenhang zwischen der Ursache (Social Media) und Wirkung (Markenwert) herstellen.
Zu den grössten Gewinnern gehört Apple. Die Marke hat vom letztjährigen 17. den Sprung in die Top 10 auf den 8. Rang geschafft. Rechnen Sie damit, dass Apple im nächsten Jahr noch weiter vorne zu finden ist?
Ja, damit rechne ich, wenn auch vielleicht in gemildertem Tempo.
Wie bereits letztes Jahr sind die fünf Schweizer Marken Nescafé, Nestlé, Credit Suisse, UBS und Zurich unter den 100 wertvollsten Marken. Drei davon sind aus dem Finanzsektor. Das erstaunt, in der heutigen Zeit.
Der Finanzdienstleistungssektor wird für die Schweiz auch in Zukunft wichtig bleiben. Ich gehe davon aus, dass mit der abnehmenden Bedeutung anderer Erfolgstreiber, zum Beispiel das Bankgeheimnis, der Beitrag der Marke und damit ihr Wert eher noch zunehmen wird. Es ist aber klar, dass sich der Bankensektor zurzeit global in einer Phase der Veränderung und des Umbruchs befindet und momentan keine Bank grosse Markenerfolge feiern kann. Bei den Versicherern sieht das bereits anders aus - Zurich weist ein solides Markenwertwachstum von 8% auf.
Gibt es weitere Schweizer Marken, die den Sprung ins Ranking nur knapp verpasst haben?
Nein, keine die den Sprung knapp verpasst haben. Es gibt aber einige Marken, die wir gar nicht in Betracht ziehen, weil sie die Kriterien der notwendigen Transparenz und/oder der breiten Endverbraucherbekanntheit nicht erfüllen, zum Beispiel Rolex, ABB, Roche oder Novartis.
Wagen Sie eine Prognose für das nächste Jahr. Was wird sich am meisten verändern?
Ich denke, nächstes Jahr sehen wir eine neue Nummer 1. Technologie gegen Softdrink, das passt in diese Zeit.
Mehr zum Ranking finden Sie -> hier
Interview: Corinne Bauer.