Herr Hipp, Ihre Mutter ist Schweizerin, Sie leben in Deutschland. Welchem Land fühlen Sie sich mehr verbunden?
Ich habe sowohl das Schweizer wie auch das deutsche Bürgerrecht. Vom Charakter her bin ich aber den Schweizern mehr verbunden.
Sie sind nicht zuletzt durch Ihre TV-Auftritte die personifizierte Verkörperung der Firma Hipp. Ist dies nicht manchmal ein Nachteil?
Die Vorteile überwiegen gegenüber den Nachteilen. Konkret bedeutet dies aber, dass ich mich immer so bewegen muss, dass ich unserem Unternehmen nicht schade.
Wie ist diese Werbekampagne mit Ihnen als Hauptakteur entstanden (vgl. Spot unten)?
Die Kampagne hat uns ursprünglich unsere Werbeagentur Serviceplan vorgeschlagen. Zuerst sträubte ich mich dagegen, mittlerweile ist sie zur Visitenkarte unserer Firma geworden. Die Leute sprechen mich deswegen auch auf der Strasse an. Wenn ich irgendwo ein Formular ausfülle, werde ich so lange nach Vor- und Nachnamen befragt, bis sich mein Gegenüber ganz sicher ist, dass ich der Richtige bin. Für mich ist es aber normal, Verantwortung für unser Unternehmen und seine Produkte zu tragen. Neuerdings ist in den TV-Spots auch mein Sohn Stefan zu sehen, was zeigen soll, dass wir immer noch ein reines Familienunternehmen sind und das auch bleiben wollen.
Sie haben als eines der ersten deutschen Unternehmen auf ökologische Produkte gesetzt. Woher stammt dieses Engagement?
Mein Engagement für ökologischen Landbau kommt aus der Schweiz. Mein Mentor war der ehemalige Agrarpolitiker Hans Müller aus dem Emmental. Während meiner Ausbildung sind wir viele Nächte zusammengesessen, wobei mich Hans Müller für den biologischen Landbau begeisterte. Daraufhin haben wir unseren Bauernhof auf biologische Landwirtschaft umgestellt. Hans Müller hat uns schon von Beginn weg vor den Anfeindungen aus der Politik, der Industrie, der offiziellen Landwirtschaft und auch der Wissenschaft gewarnt. All dies ist dann auch eingetreten, vor allem die Bauern wurden überzeugt, dass sie aus ihren Böden das Menschenmöglichste herausholen müssen, um zu überleben. Die Idee, dass man das Bodenleben fördern muss durch gesunde und nachhaltige Bewirtschaftung, um gesunde Pflanzen zu erzeugen, war überhaupt nicht zeitgemäss. Es brauchte sehr viel Überzeugungsarbeit, um eine Kehrtwende in der Landwirtschaft zu erreichen.
Sie haben Ihre Firma 1967 von Ihrem Vater Georg übernommen und machten sie zum Marktleader für Babynahrung. Wie sind Sie dabei vorgegangen?
Die Hauptleistung stammt immer noch von meinem Vater, der aus einem Handwerksbetrieb ein Industrieunternehmen machte. Ausschlaggebend für das Wachstum unserer Firma war wie gesagt der biologische Landbau. Allerdings geschah dies zu einer Zeit, als sich die Verbraucher noch nicht für solche Fragestellungen interessierten und weitaus weniger sensibilisiert waren als heute. Der Erfolg unseres Unternehmens beweist aber, dass sich visionäre Vorstellungen oftmals erst langfristig auswirken: Heute sind wir der weltgrösste Verarbeiter von biologischen Rohwaren. Rund 6000 Biobauern verzichten heute auf Unkrautvernichter und Kunstdünger. Dafür garantieren wir ihnen feste Abnahmepreise.
Wo liegt der Trend bei der Babynahrung?
Momentan bevorzugen die Verbraucher einfache Produkte, weil immer mehr Kinder Allergien bekommen. Deren Ursache ist momentan nicht bekannt.
Die Geburtenrate geht massiv zurück. Inwiefern wirkt sich dies auf Ihre Firma aus?
Hipp steht für Babynahrung. Rund 20 Prozent mancher unserer Babynahrungsprodukte verkaufen wir aber an Erwachsene. Es handelt sich um junge Frauen, um Spitzensportler oder auch um ältere Leute.
Warum nutzen Sie diesen Umstand nicht für die Werbung?
Ich glaube, es wäre eine Diskriminierung der älteren Menschen, wenn sie als Liebhaber von Babynahrung bezeichnet würden. Schlussendlich muss man ein Produkt, in unserem Fall Babynahrung, auch als das positionieren, was es ist: nämlich Babynahrung.
Sie haben unter dem Namen Niklaus Hipp auch als abstrakter Maler Karriere gemacht und könnten damit Ihren Lebens unterhalt verdienen.
Seit meinem Studium male ich und habe auch noch eine Professur für Kunst in Georgien. Dies ist ein kreativer Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit, wobei ich die beiden Gebiete strikt trenne.
Wie erleben Sie das momentan nicht ganz spannungsfreie Verhältnis zwischen Deutschland und der Schweiz?
Meine Sympathie liegt klar bei den Schweizern. Ich habe es als ungerecht empfunden, wie die deutsche Regierung mit den Schweizern umgesprungen ist. Gerade die Steuerdiskussion ist ein solches Beispiel. Man kann nicht Unrechtes tun, um Rechtes zu erreichen. Entweder gibt es einen Rechtsstaat, oder es gibt ihn eben nicht.
Wie Claus Hipp die EU-Diskussion erlebt, warum er nie vollständig ausbrechen und Künstler werden wollte, und wie er die Energie-Zukunft nach Fukushima einschätzt, lesen Sie im aktuellen "Persönlich"-Heft.
Interview: Matthias Ackeret

