16.08.2010

Twitter

Nordkorea nutzt Dienst als Propaganda-Schleuder

Dementi der Kriegsschiff-Bombardierung locken Diktatur ins Social Web

Die Propaganda in Nordkorea ist im 21. Jahrhundert angekommen. Das Militärregime bloggt seit kurzem unter dem Namen "@uriminzok" auf dem Microblog Twitter und besitzt bisher knapp 1'000 Follower. Die ersten auf koreanisch verfassten Kurznachrichten dementieren die Schuldzuweisung, Nordkorea habe im März ein Kriegsschiff Südkoreas versenkt. "Alleinige Aufgabe derartiger Kanäle ist es, auf die Wahrnehmung Nordkoreas im Ausland einzuwirken", kommentiert Anja Viohl, Sprecherin von Reporter ohne Grenzen Deutschland (ROG). Anfeindung und Nutzung des Internets

Ungewöhnlich ist es nicht, dass repressive Staaten wie Nordkorea oder der Iran über das Internet Propaganda verbreiten, betont Viohl. Bemerkenswert sei vielmehr die widersprüchliche Einstellung dieser Regimes zum Web. "Gleichzeitig ist das Internet nämlich als westliches Medium diskreditiert. Man will das Netz somit überwachen und zurückdrängen, jedoch auch nutzen", so die Expertin. Noch immer zählt Nordkorea zu den "Feinden des Internets" - gemeinsam mit Burma, China, Kuba, Ägypten, Iran, Saudi Arabien, Syrien, Tunesien, Turkmenistan, Usbekistan und Vietnam.

Wie wenig Nordkorea mit dem Internet am Hut hat, verdeutlichen die Berichte von Reporter ohne Grenzen International. Die meisten der Nordkoreaner wissen gar nicht, dass das Web existiert. Computer mit Webanschluss gibt es nur in wenigen Internetcafes, deren Nutzung pro Stunde einen halben Monatslohn kostet. Doch selbst hier beschränkt sich der Zugang auf ein sehr limitiertes Intranet, das neben einer E-Mail-Funktion bloß Zugang auf Regime-Propaganda sowie auf die Seiten der drei größten Bibliotheken des Landes hat. Das koreanische Computercenter kontrolliert als einziger Provider im Land jede Aktivität genau. (pte)


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