Der weltgrösste Nahrungsmittelkonzern Nestlé ist verhalten ins Jahr 2013 gestartet. Das Wachstum blieb unter der eigenen Zielvorgabe und enttäuschte auch die Erwartungen von Analysten.
Von Januar bis März erzielte Nestlé einen Umsatz von 21,9 Milliarden Franken. Das sind zwar 5,4 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Analysten hatten aber im Schnitt mit rund 22,5 Milliarden Franken gerechnet. Die Bandbreite der Prognosen reichte von 21,9 Milliarden bis 23,7 Milliarden Franken.
Preiserhöhungen trugen 2,0 Prozentpunkte zum Wachstum bei, Mehrverkäufe weitere 2,3 Prozentpunkte. Somit legte Nestlé unter Ausklammerung von Übernahmen und Wechselkurseffekten organisch um 4,3 Prozent zu.
Das Unternehmen blieb damit unter dem von ihm selbst angestrebten organischen Wachstum von 5 bis 6 Prozent. Dennoch hielt Konzernchef Paul Bulcke am Donnerstag an der Zielvorgabe fest. Auch die operative Ergebnismarge soll sich verbessern, wie Bulcke im Quartalsausweis bekräftigte.
Wie üblich publizierte Nestlé keine Gewinnzahlen für ein Quartal. Investoren- Betreuer Roddy Child-Villiers erwähnte in einer Analystenkonferenz, dass sich bei den Rohstoffen das Umfeld erschwert habe und beispielsweise die Milchpreise global gestiegen seien.
Breite Palette an Erschwernissen
Als Gründe für das verhaltene Wachstum zum Jahresstart nannte Child-Villiers das starke Vorjahresergebnis mit einem zusätzlichen Verkaufstag durch das Schaltjahr, die gedämpfte Konsumentenstimmung in Europa und den späten Frühlingsanfang in den Industrieländern, der auf den Wasser- und Glacé- Verkäufen lastete.
Zudem habe die Wachstumsdynamik in einigen aufstrebenden Märkten nachgelassen. Inzwischen erzielt Nestlé dort 46 Prozent des Umsatzes. In Syrien wurde durch die Kriegswirren eine Nestlé-Fabrik zerstört, welche diverse Länder in Nahost belieferte.
Auf Nachfrage räumte Child-Villiers zudem ein, dass der Lasagne- Pferdefleischskandal in Europa das Geschäft mit Tiefkühlkost gebremst habe. Bei den Pizzas lastete ein Rückruf wegen Metallsplittern auf den Verkäufen.
Nespresso-Boom flacht ab
Und auch bei Nespresso kühlte sich das Wachstum ab. Child-Villiers verwies explizit auf die Konkurrenz durch die Migros in dem für dieses Geschäft wichtigen Markt Schweiz. Im Gesamtjahr sollte das Umsatzvolumen global aber dennoch um rund 500 Millionen Franken zulegen. Nespresso setzt dazu unter anderem auf Marketingelemente wie limitiert verfügbare Aromen.
Auch Diätprodukte liefen weniger gut. Positiv strich Nestlé dagegen die Entwicklung der Säuglingsnahrung heraus. Hier betrug das organische Wachstum 7,6 Prozent. Zu dem Plus trugen insbesondere Russland, Frankreich, Brasilien, China und Südasien bei.
Insgesamt wuchs Nestlé in allen drei Grossregionen: In Nord- und Südamerika betrug das organische Plus 5,1 Prozent, im krisengeplagten Europa immerhin 1,0 Prozent und in Asien, Ozeanien und Afrika 6,1 Prozent.
Die Anleger hatten sich dennoch mehr erhofft. So hielten die Analysten der Bank Vontobel fest, dass Konkurrent Danone im Gegensatz zu Nestlé die Erwartungen übertroffen habe. Die Nestlé-Aktie verlor denn auch zu Handelsbeginn bis zu 2,4 Prozent an Wert. Gegen Mittag notierte sie aber nur noch 0,5 Prozent im Minus auf 64,00 Franken. (sda)