Die Allgemeine Plakatgesellschaft (APG) darf auch in den Jahren 2011 bis 2018 die öffentlichen Plakatstellen in der Stadt Bern bewirtschaften. Der Gemeinderat gab der APG den Vorzug gegenüber der Clear Channel Outdoor Plakanda (CCOP), wie er am Mittwoch mitteilte. Damit geht ein Konzessionsverfahren zu Ende, zu dem die Stadtregierung zweimal ansetzen musste. Sie hatte die Konzession bereits im vergangenen September ausgeschrieben, brach sie aber im Winter nach einer Einsprache der CCOP ab ("persoenlich.com" berichtete). Die US-Firma hatte geltend gemacht, die Zeit zwischen dem Konzessionsverfahren und dem ursprünglich geplanten Konzessionsbeginn (1. Januar 2010) sei zu knapp und bevorteile die APG.
Im zweiten Anlauf kam nun doch die APG zum Zug. Sie muss der Stadt Bern in den Jahren 2011 bis 2013 eine jährliche Pauschalabgabe von rund 1,4 Millionen Franken entrichten. Ab 2014 bis 2018 wird die Abgabe dann dem APG- Jahresumsatz angepasst. Die Stadtregierung hofft, dass sie so von einer allenfalls verbesserten Wirtschaftslage profitieren kann. Die Konzession ist im weiteren gekoppelt mit unentgeltlichen Leistungen, welche die APG zu erbringen hat. Dabei geht es um die grossflächige Kulturplakatierung sowie um amtliche und politische Plakate.
Weniger als 1000 Plakatstellen in Bern
Bemerkenswert ist, dass die neue Konzession die APG wohl eher teurer zu stehen kommt als bis anhin. Denn sie erhält künftig weniger Plakate zu einem ähnlich hohen Preis. Wie Regula Rytz, Direktorin für Tiefbau, Verkehr und Stadt-grün der Stadt Bern auf Anfrage erklärte, bezahlte die APG bisher pro Jahr zwar gut 2 Millionen Franken. Einzig für das Übergangsjahr 2010 einigte man sich konjunkturbedingt auf etwa 1,3 Millionen Franken. Bisher konnte die APG in Bern aber wesentlich mehr Plakate bewirtschaften als in Zukunft: 2002, also zu Beginn der nun auslaufenden Konzession, war noch von rund 2000 Stellen aller Formate die Rede; ein Bestand, den die APG in den letzten Jahren dann aus Qualitätsüberlegungen sukzessive abbaute. Aufgrund des neuen städtischen Plakatreglements steht nun per 2011 eine weitere Reduktion um ein Drittel an. "Künftig stehen in Bern deshalb weniger als 1000 Flächen zur Verfügung", sagt Rytz.
Warum aber hat die APG erneut den Zuschlag erhalten? "Sie hat uns ganz klar das wirtschaftlich beste Angebot gemacht", sagt Rytz kurz und bündig. Auf die Frage, ob sie nun rechtliche Schritte seitens der unterlegenen Partei befürchte, zeigt sie sich aber gelassen. Natürlich habe CCOP das Recht zu rekurrieren, weshalb man nun erst einmal die ordentliche Frist abwarte. "Doch ich meine, dass wir das Verfahren sehr seriös und sehr fair durchgeführt haben", sagt Rytz.
CCOP scheint die Niederlage zu akzeptieren
Für Beat Holenstein, bei der APG Leiter Marketing und Akquisition, war der gestrige Tag ein "Freudentag": "Ich bin über den Entscheid der Stadt Bern sehr glücklich. Dieser stärkt unsere Position als City-Plakatierer. Denn so können wir unseren Kunden weiterhin in den Zentren die besten Flächen anbieten." Der Aussage aber, dass die Konzessionsabgabe in Bern nun höher ausgefallen sein soll als bisher, kann Holenstein nicht beipflichten. "Im Gegenteil: Wir konnten die Abgabe in diesem Fall sogar optimieren", sagt er. Die neue Berner Konzession bezeichnet er denn auch als "eine faire Lösung". Mit der auf drei Jahre festgelegten Pauschalabgabe, die sich später nach dem Umsatz richtet, habe die Bundeshauptstadt ein "interessantes Modell gefunden, das das konjunkturelle Risiko nicht einseitig dem Plakatunternehmen aufbürdet", meint er.
Weniger erfreut ist man natürgemäss bei CCOP. «Die Stadt Bern hat sich für das Angebot entschieden, das ihr besser zu sein schien. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen», meinte CCOP-Sprecher Urs Zeier. Und auf die Frage, ob sein Unternehmen einen Rekurs erwäge, sagte er zögernd: "Sie können davon ausgehen, dass wir keinen Rekurs machen werden."
(Text: Markus Knöpfli)