Das Interesse an der Schweizer Politik ist laut VOX-Trendanalyse 2004 ebenso gewachsen wie das Misstrauen gegenüber der Regierung. Das politische Protestpotential wurde gestärkt - was der Regierung sieben Abstimmungsniederlagen eintrug.
"Zwischen den Stimmberechtigten und der Landesregierung hat sich 2004 eine Kluft geöffnet, die sich in den letzten 20 Jahren nie so drastisch zeigte", schreibt das Forschungsinstitut gfs.bern. Es hat im Auftrag der Bundeskanzlei in seiner VOX-Trendanalyse 2004 einzelne VOX-Analysen ausgewertet und sämtliche Indikatoren untersucht, die über das Jahr vergleichend erhoben wurden.
Die Teilnahme an Abstimmungen wie auch das Interesse an der Politik waren letztes Jahr höher als in der Legislatur 1999-2003. Gleichzeitig sank das Vertrauen in die Regierung. Vor allem die Abstimmung vom 16. Mai, bei die Regierung drei schwere Niederlagen einsteckte (AHV-Revision, Steuerpaket, Mehrwertsteuer) brachte laut gfs einen "Negativrekord des Regierungsvertrauens aus 65 Vox-Analysen seit 1981".
Vor allem Misstrauen wurde mobillisiert
Personen, die der Regierung misstrauten, wurden offenbar stärker mobilisiert als solche, die der Regierung vertrauten. Diese Zusatzmobilisierung von Protestpotential erklärt laut gfs zum Teil die Flut von sieben Abstimmungsniederlagen der Behörden in nur einem Jahr.
Erst beim letzten Urnengang des Jahres vom 28. November konnte der Negativ-Trend gebrochen werden und die Behörden setzten sich durch. Der Erfolg hängt aber auch mit einer tieferen Beteiligung zusammen: Die Zusatzmobilisierung von Unzufrieden und Protestwählern war eher schwach.
Erfolgsprojekte nötig
Geschwächt ist zudem die Identifikation der Schweizerinnen und Schweizer mit ihrem Land, wie ein Spezialteil des Sorgenbarometers aufzeigt. Die Identifikation wie auch das Vertrauen in die Regierung könne durch Erfolgsprojekte mit klaren Zielen verbessert werden.