Privateinstellungen sind absichtlich verwirrend

Facebook - Experte fordert Rechtssysteme zum Handeln auf.

Privatsphäre und Datenschutz gehörten zu den meistdiskutiertesten Begriffen im Webzeitalter. Ein grosses Thema ist es auch auf der 3rd Summer School on Network and Information Security, die derzeit in Kreta stattfindet. Bruce Schneier, Chief Security Technology Officer der British Telecom (BT), ortet die Probleme mit dem Schutz der Privatsphäre im Web im schnellen Übergang von einem sozialen zu einem sozio-technologischen Umfeld. "Denn Google, Facebook und Co machen das Leben einfach öffentlicher", so der Experte in seiner Keynote.

"Menschen sind es gewohnt, Freunden in einem sozialen Kontext Dinge anzuvertrauen", erklärt Schneier. Die Entscheidung, was privat bleibt, wird dort spontan getroffen. Doch gerade für junge Menschen haben Online-Plattformen wie Facebook mittlerweile grosse Bedeutung gewonnen. Dort müssen User letztendlich vorab entscheiden, wie öffentlich Informationen sind. "Privateinstellungen sind - vermutlich absichtlich - verwirrend und jedenfalls unnatürlich", bringt Schneier das Problem auf den Punkt.

"Dass das Leben im Web öffentlicher wird, ist normal", so der Experte. Dennoch ist die Frage, ob die Gesellschaft diese Tatsache einfach zulassen soll. "Falls wir den Tod der Privatsphäre erleben, dann, weil Internet-CEOs sie umbringen", meint Schneier. Denn Unternehmen werden in Sachen Datenverwertung machen, was technisch möglich und legal ist. "Die Menschen selbst haben eigentlich sehr wenig Kontrolle über ihre Privatsphäre", betont Schneier. Im Endeffekt bleibt ihnen nur, was der Markt zulässt. Für Unternehmen kommen aber ihre Interessen stets zuerst. "Im Prinzip sind Daten das Verschmutzungsproblem des Internets", meint der Sicherheitsexperte. Eine Selbstregulierung des Online-Datenmarktes hält er für illusorisch. "Die Rechtssysteme müssen sich einschalten und etwas unternehmen." (pte)