Programm könnte E-Mail-Verkehr ersetzen

Google Wave - Google plant kleine Revolution im Büroalltag.

Die Tage der E-Mail-Kommunikation könnten bei Agenturen und Kunden schon bald gezählt sein. Vor rund einem Monat hat Google Accounts des neuen Kommunikationsdienst "Wave" an 100'000 ausgewählte Benutzer rund um den Globus ausgeliefert. E-Mail, Instant-Messaging und die gemeinsame Bearbeitung von Dokumenten sollen im Browser verschmelzen.

Kaum hat sich die erste Euphorie im Netz gelegt, wartet Google diese Woche bereits mit neuen Plänen auf. Am Montag kündigte das Unternehmen in London einen App-Store an, in dem Benutzer Wave mit weiteren Programmen und Progrämmchen für alle erdenklichen Aufgaben erweitern können. Ob Googles neues Werkzeug eine Revolution einläutet oder als weiterer Tentakel der übergrossen Suchmaschine empfunden wird, bleibt abzuwarten. Hohe Wellen schlägt das neue Tool jedenfalls jetzt schon.

Doch wie funktioniert's? Anstelle des Staccato aus E-Mails, Dokumenten und Anrufen zwischen Beratern, Agenturen und Kunden könnte schon bald eine "Wave" treten, ein webbasierter Dialog zwischen verschiedenen Usern, der ähnlich einem Thread in einem Forum ständig fortgeschrieben wird. Und zwar in Echtzeit. Die Nachrichten in "Wave" werden Punkt für Punkt und Buchstabe für Buchstabe übermittelt. Die Nachricht "Beat schreibt gerade…", hemmt bei vielen Chats den Schreibfluss. Funktionen wie Chat oder die Bearbeitung von Dokumenten bilden lediglich den Anfang von Google Wave. Die Open Source-Struktur erlaubt es Entwicklern, weitere Applikation zu veröffentlichen, die in "Wave" eingebunden werden. Bereits enthalten ist zum Beispiel eine Umfrage-Applikation à la doodle. Auch die unzähligen für iGoogle erhältlichen Gadgets sind mit "Wave" kompatibel.

Das Entwickler-Team rund um die Brüder Jens und Lars Rasmussen, die Väter von Google Maps, stellten sich bei der Entwicklung von "Wave" die Frage, wie E-Mail heute aussehen würde, wäre es nicht vor vierzig Jahren sondern im Zeitalter von Web 2.0 entwickelt worden. Google ist jedoch nicht der einzige Anbieter, der Lösungen für die Zusammenarbeit im Internet anbietet. Microsoft Office Live zum Beispiel erlaubt es den Benutzern von Microsoft Office über einen Online-Account gemeinsam Dokumente zu bearbeiten. Es existieren Dutzende weitere Tools zur digitalen Kommunikationszusammenarbeit. Einen Hype wie jenen um Googles neues Tool hat es zum Thema Online-Kollaboration bis anhin jedoch noch nicht gegeben.

Hier die wichtigsten Features von Google Wave:

- Echtzeit: Chatnachrichten von anderen Benutzern kommen Buchstabe für Buchstabe.

- Playback: Diese Funktion erlaubt es, alle Änderungen in einer „Wave“ im Zeitverlauf zurückzuspulen

- File Sharing: Dokumente werden einfach in die „Wave“ via Drag and Drop gezogen und stehen anschliessend allen Teilnehmern zur Verfügung

- Einbindung: Waves können in Webseiten und Blogs eingebunden werden.

- Applikationen: Dank der Open Source-Struktur steuern Softwareentwickler, ähnlich wie bei Facebook, neue Elemente bei.

- Wiki-Funktionsweise: Alle Informationen innerhalb einer „Wave“ können von allen Teilnehmern editiert werden.

(Alexander Gligorijevic, PR-Berater bei Richterich & Partner, beobachtet für "persoenlich.com" die Social Media Landschaft)