Sieben Parteien, sieben Strategien

Wahlen 2015 - Der Wahlkampf um National- und Ständeratssitze geht in die Endrunde. Welcher Partei ist es gelungen, Social-Media-Kanäle geschickt zu bespielen und sich erfolgreich zu inszenieren, wer muss noch einmal über die Bücher? David Schärer, Mitinhaber der Zürcher Kommunikationsagentur Rod nimmt für persoenlich.com die Medien- und Webauftritte der Parteien unter die Lupe.

Die Grünen


"Die scharfe Positionierung der Grünen, die Umweltthematik, ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Debatte in der Öffentlichkeit nicht der Brennpunkt Nummer 1. Demzufolge ist die Partei auch nicht im öffentlichen Raum angekommen", sagt David Schärer, Mitinhaber der Kommunikationsagentur Rod. Dennoch seien die Kommunikationsprioritäten etwa auf der Homepage klar ersichtlich: "Man gelangt mit wenigen Klicks zu den einzelnen Kandidaten, aber leider erfährt man dann wenig über sie." Schärers Urteil: Eine persönlichere Ansprache hätte den Grünen gut getan.

 

SP


Der Social Media-Auftritt sei gepflegt, der Slogan "Für alle statt für wenige" signalisiere eine klare Haltung, sagt Schärer über das Wording der Sozialdemokraten: "Viele Parteien erwecken den Eindruck, über das Vermeiden von Fehlern Stimmen zu machen. Die SP sagt klar, wofür sie steht." Die Medienpräsenz der SP bewertet Schärer als positiv, als Polpartei profitiere die SP vom Tagesgeschehen, auch wenn der Ton der Linken zuweilen sehr quängelnd und primarlehrerhaft anmute. Die Website kommt gut an:  "Die Kacheloptik macht es einem leicht, sich zurechtzufinden." Allerdings könnte die SP beim Bewegtbild noch zulegen und auch hier würden die Kandidaten nicht vorgestellt.

 

CVP


Die CVP, so scheint es, müsste noch einmal über die Bücher: "In den Sachabstimmungen ist die CVP ja erfolgreich, sie kann dies aber im Wahlkampf nicht in politisches Kapital verwandeln. Im Gegenteil; man fragt sich, ob die CVP überhaupt gewählt werden will. Unauffälligkeit ist mittlerweile das Kerngeschäft der Christdemokraten. Die Website gleicht einem Besprechungsprotokoll und mir ist es nicht gelungen, über die Hauptseite innert nützlicher Zeit zu den Kandidatenprofilen zu gelangen". Als weitere Kritikpunkte nennt Schärer das Parteiprogramm, das es als "unattraktives" PDF herunterzuladen gilt und die insgesamt unscheinbare Gestaltung der Werbemittel: "Die Wahlplakate der CVP müssen so unauffällig sein, dass ich sie noch nie wahrgenommen habe. Auch in den Medien sind die Christdemokraten so gut wie nicht präsent, dabei wäre eine mediengerechte Inszenierung der Kernthemen der Orangen wie etwa der Familienpolitik hoch emotional.“ Umso mehr erstaune es ihn, dass auf den Social-Media-Kanälen relativ stark interagiert werde.

 

Grünliberale


"Auf der Website der Grünliberalen gefällt mir insbesondere der einfache Weg zu den Kandidaten, die zudem persönlich vorgestellt werden." Auch für die Social-Media-Aktivitäten wie die Rubrik "Kandidat des Tages" auf Facebook findet Schärer lobende Worte. Trotzdem: "Die GLP tut sich schwer daran, sich ausserhalb ihrer Stammthemen als Autorität zu etablieren, das schlägt sich in der schwachen medialen Präsenz nieder, welche wiederum unerlässlich ist, um sich an der Urne zu verteidigen."

 

FDP


Der Auftritt werde der Partei nicht gerecht. Der Wahlslogan "Freiheit, Gemeinsinn, Fortschritt" sei austauschbar: "Wer kann da schon dagegen sein. Jede Partei würde dies unterschreiben." Die FDP setze in Social Media überraschenderweise auch auf noch nicht so etablierte Kanäle wie Periscope und Vine – die Funktion der Website als "Contentschleuder" würde aber leider verschenkt. Ansonsten präsentiere sich die Partei auf YouTube mit inhaltsleeren Videos mit dem Charme von Industriefilmen aus den Neunziger Jahren. In den Medien hätte die FDP grosses Pech, dass ihre Botschaften von Ereignissen wie der Lobbying-Affäre oder dem Verkehrsunfall des Parteipräsidenten überschattet würden.

 

BDP


Als kleiner Player mache sie im Netz eigentlich eine gute Figur, auch das 3-Punkte-Programm werde klar kommuniziert, aber in den Medien gehe die BDP unter: "Die Partei erinnert mich an Donny in 'The Big Lebowski', der von den anderen in den Senkel gestellt wird, bevor er auch nur 'die BDP' sagen kann", kommentiert Schärer die PR-Arbeit der Mittepartei. So verhalte sich die Partei auch im Netz eher als Kommentator denn als Akteur – "langweilig und bieder – und die Videos sind sehr peinlich", so Schärers Fazit.

 

SVP


"Die SVP hat es verstanden: Von der Formulierung der Botschaften über deren Visualisierung bis hin zu der nutzerfreundlichen Website bietet die Partei das beste Beispiel an empfängerorientierter Kommunikation", sagt Schärer. Ebenfalls bemerkenswert sei, wie es der SVP gelingt die traditionellen Medien zu umgehen und aus eigener Kraft für Publizität zu sorgen. "Bei Coups wie 'Welcome to SVP' schlägt natürlich das Herz eines PR-Beraters höher." Die SVP habe es in diesem Wahlkampf auf einen neuen Ton gesetzt und sich von der Partei mit Polterton und Drohgebärden zu einer Wohlfühlpartei gemausert. "Die SVP scheint gemerkt zu haben, dass die miesepetrige Laune wie die eines Beizenschlägers nach einem ordentlichen Vollrausch zur Zeit nicht so gut ankommt."

Text: Lucienne Vaudan, Bilder: zVg/Screenshots