Spielwarenmarkt fehlen zunehmend die Kunden

IHA-GfK-Studie - Ritterburg oder Piratenschiff?

Immer weniger Babys! Dem rund 400 Mio. Franken starken Spielwarenmarkt fehlen zunehmend die Kunden. Gegen 20 Prozent seines Volumens hat er in den letzten 5 Jahren eingebüsst. Favoriten des Weihnachtsgeschäfts dürften Ritterburgen, Piratenschiffe, alles rund ums Pferd und Baukästen sein. Dies zeigt eine Studie der IHA-GfK.

Spielwaren sind ein Stück Vergangenheit, ein Stück Kindheit für immer und auch ein Stück verlorene heile Welt. Kein Wunder, sind noch immer die Barbies und Mattels, die Legos samt Duplos sowie Ravensburger Puzzle und Spiele weiterhin in jedem Kinderzimmer anzutreffen. Und auch an der Spitze der bedeutenden Hersteller und Marken in der Schweiz. Doch der Markt schrumpft. Nicht zuletzt, weil die Zielgruppe kleiner wird. Die starken Babyjahrgänge, die den Spielwarenmarkt wieder zu alter Blüte bringen könnten, bleiben aus. Durch das Sinken der Geburtenrate schmilzen so innerhalb der nächsten 10 Jahre 10 Prozent der potenziellen Kunden weg.

Zwar geben Mami, Grosi und Gotti gerne etwas mehr für ihre Kids, Enkel und Nichten aus. Das kompensiert aber kaum. Zahlreiche Spielwarengeschäfte verschwanden von der Bildfläche. An ihre Stelle treten immer mehr Warenhäuser und Grossverteiler, die von der Schwäche der Spezialisten profitieren und selber immer besser werden. So macht dieser Kanal gut 60 Prozent des Umsatzes aus. 20 Prozent werden vom Fachhandel inklusive FCW umgesetzt, 20 Prozent von allen anderen, wie zum Beispiel Toys r’us, King Jouet, Ottos, Kioske und Tankstellen.

Einen mutigen Schritt nach vorn macht FCW mit der Ankündigung des ersten europäischen Kinderwarenhauses, in dem sich alles ums Kind dreht: Nebst dem Kernsortiment Spielwaren gibts auch den Kindercoiffeur, das Kinderreisebüro und das Kinderrestaurant. Das Medienecho ist und war enorm und rein die Präsenz in allen Sparten von Medien tun dem Markt gerade zur Vorweihnachtszeit natürlich gut.

Welches sind in den ersten 9 Monaten dieses Jahres die beliebtesten Spielzeuge? Gewonnen haben vorab die Bereiche Spiele/Puzzle, zu deren Erfolg vorab die Yu-Gi-Oh-Sammelkarten (Nachfolger von Pokemon) und die Puzzleballs (Art 3-D-Puzzles in Ballform) beitragen. Weiter positiv entwickelt hat sich der Bereich Kleinkind/Vorschule. Baukästen beispielsweise sind sehr erfolgreich. Weniger als in der vergleichbaren Vorjahresperiode wurden Puppen nachgefragt und wegen des doch arg verregneten Sommers Produkte aus dem Bereich Outdoor- und Sportgeräte.

Welches werden die Weihnachtsrenner 2004? Die letzten Jahre haben gezeigt, dass Weihnachtskäufe immer später und damit immer näher bei Weihnachten getätigt werden. Der Spielwarenmarkt ist eh extrem abhängig vom Christbaum: gegen 50 Prozent eines Jahresumsatzes hängen von Weihnachten ab. Und diese späte Kauflust lässt manchen Händler tüchtig schwitzen.

Glaubt man den Weihnachtskatalogen, sind auch heuer Ritterburgen und Piratenschiffe ein grosses Thema, sowie alles rund ums Pferd. Weitere Renner sollten Baukästen werden, wo nach Herzenslust gebaut, gestapelt, geklickt oder magnetisch miteinander verhängt werden kann. Ebenfalls "in" sind Autorennbahnen, ferngesteuerte Autos, seien es Vehikel zu Land, zu Wasser oder zu Luft oder gar Formel-1-Boliden. Puppenwelten, Märchenschlösser und Prinzessinnen sind sichere Werte und verlässliche Dauerbrenner.