Knapp zwei Monate vor Anpfiff der EURO 2008 löst die UEFA im Schweizer Hauptspielort Basel nicht Euphorie aus, sondern Spott; übel nimmt man ihr kommerzbedingte Bevormundung. Beizer der zentralsten Fanzone nehmen für Bier-Freiheit einen Zaun in Kauf. Nur EURO-Sponsoren-Bier auzuschenken, kommt für drei der vier Kleinbasler Boulevardrestaurants oberhalb der Mittleren Brücke nicht in Frage: Das Gourmet-Hotel "Krafft", die In-Beiz "Zum schmale Wurf" und das Hotel "Hecht" lassen ihre Rheinterrassen lieber mit einem Zweimeter-Zaun blickdicht verbarrikadieren.
Im Alltag Konkurrenten, räumen sie während der EURO hinter dem Zaun gar Abtrennungen gegeneinander weg. Auch bei ihnen hat es TV-Bildschirme, doch das übliche Angebot wird aufrecht erhalten, insbesondere beim Bier mit internationalen wie lokalen Marken. An Spieltagen ist der Hag zu; Zugang gibt's nur durch die Gebäude. Für diesen Widerstand -- den fünfstelligen Hag bezahlt die Host City -- hallt Applaus durch alle Medien; oft mit Asterix-Vergleich. Das Vertrauen ins versprochene Geschäft ist geringer als der Ärger über Ansprüche der UEFA.
Auch das Urheberrechts-Urteil zugunsten der Suisa in Sachen TV-Match mit Freunden wird hämisch aufgenommen. Wer's exklusiv mag, kann ferner nachts die Rheinfähre "Vogel Gryff" chartern, mit bester Sicht auf die Fanzonen-Leinwand an der Mittleren Brücke. Kreativer Widerstand gegen Abzocke ist nicht einziger Unbill für die UEFA: Der vorgesehene Betreiber will das geplante Fancamp Aesch BL doch nicht bauen, da er Umwelt-Auflagen nicht einhalten mag; das trübt die Stimmung zwischen beiden Basel. So könnte von drei Camps eines mit 2000 günstigen Übernachtungsmöglichkeiten ausfallen. (sda)