Die Preise im Schweizer Telekommarkt sind nicht derart gesunken, als dass Branchenprimus Swisscom darben müsste. Von 12 Milliarden Franken Umsatz bleiben im vergangenen Jahr fast 2 Milliarden Franken als Reingewinn in der Kasse. Einen Boom brachten das iPhone und Swisscom TV. Erstmals konnte die Swisscom den Preisdruck aber nicht mehr voll durch neue Angebote kompensieren, erklärte Konzernchef Carsten Schloter an der Bilanzmedienkonferenz vom Donnerstag in Zürich. Der Umsatz sank auf 12,001 Milliarden Franken, das sind gegenüber dem Vorjahr 1,6 Prozent oder 197 Millionen Franken weniger.
Die Preisreduktionen im Schweizer Geschäft beliefen sich auf rund 420 Millionen Franken. Neben der Konkurrenz wirkten sich regulatorische Eingriffe - etwa die Entbündelung der letzten Meile - aus. Der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg dennoch um 1,4 Prozent auf 2,678 Milliarden Franken. Der Reingewinn des grössten Schweizer Telekomkonzerns kletterte sogar um 9,9 Prozent auf 1,925 Milliarden Franken. Grund sind vor allem tiefere Abschreibungen sowie das Wegfallen von Gebühren, die im Vorjahr aus der Auflösung von Leasingvereinbarungen angefallen waren.
Zudem reduzierte der Konzern die Investitionen um 3,1 Prozent und die Zahl der Mitarbeitenden um 464 auf noch 19'479. In der Schweiz fielen 109 von anfänglich 16'104 Vollzeitstellen weg. Die Dividende wird dagegen von 19 auf 20 Franken pro Aktie erhöht, wovon vor allem die Eidgenossenschaft als Mehrheitsaktionärin profitiert.
Neue Kunden erhielt die Swisscom insbesondere bei ihrem Fernsehangebot: Swisscom TV verdoppelte die Zahl der Abonnenten praktisch von 118'000 auf 230'000 (+94,9 Prozent). Auch im weitgehend gesättigten Mobilfunkmarkt konnte der Marktführer weiter zulegen. Die Zahl der Kunden stieg hier um 4,5 Prozent auf 5,61 Millionen. Besonders gefragt war das Apple-Mobiltelefon iPhone. 2009 konnte die Swisscom davon 258'000 Geräte verkaufen, 109'000 davon alleine im vierten Quartal. Im Weihnachtsquartal waren damit 30 Prozent der verkauften Mobiltelefone iPhones.
Das Gerät wurde also vom exklusivem Statussymbol zur Massenware. Seit der Lancierung im Sommer 2008 setzte die Swisscom 439'000 iPhones ab. Weiter gewachsen ist auch die italienische Tochter Fastweb. Der Umsatz nahm um 8,5 Prozent auf 1,853 Milliarden Euro zu. Der Gewinn vor Abschreibungen stagnierte hingegen fast auf 551 Millionen Euro (+0,5 Prozent).
Für 2010 prognostizierte Konzernchef Schloter ein weiter rückläufiges Schweizer Geschäft. Grund seien der Wettbewerbsdruck, die Entbündelung und das abflachende Wachstum im Mobilfunk- und Breitbandmarkt. Zudem ermöglichen neue Handygenerationen Telefonie über das Internet, was die Preise drücken dürfte. Dass der Preiskampf aufgrund der geplanten Fusion von Orange und Sunrise zum Erliegen kommen könnte, dementierte Schloter. Orange/Sunrise und Cablecom hätten mit ihren Muttergesellschaften France Télécom und Liberty Global zwei weltweit tätige, mehrfach grössere Konzerne im Rücken. Diese profitierten von einer grösseren Einkaufsmacht.
Trotz der Konkurrenz rechnet der Konzern damit, für das laufende Jahr eine Dividende von 20 und 25 Fr. je Aktie ausschütten zu können, wie Finanzchef Ueli Dietiker ankündigte. Die Dividende läge damit mindestens so hoch wie für 2009. Die Analysten zeigten sich nicht zufrieden. Auch das Jahresergebnis vermochte die Marktprognosen nicht ganz zu erfüllen. Die Swisscom-Aktie notierte deshalb am Nachmittag 3,6 Prozent schwächer auf 376.70 Franken. (sda)